Karlmann Renn, genannt Charly, lebt nach einer Scheidung mit seiner zweiten Frau Heike, einer Internistin, und den beiden Kindern Luisa und Max in Beimoorsee, nahe Hamburg. Seit sechs Jahren arbeitet der nunmehr Zweiundvierzigjährige als Geschäftsführer bei Sieveking & Jessen, kann sich eine teure Uhr leisten und genießt erlesene Weine.

So viel zum Protagonisten des Romans Vaterjahre von Michael Kleeberg. Eine Handlung in dem Sinne gibt es nicht. Zu Beginn unterhält sich Charly mit seiner sechsjährigen Tochter Luisa, die um den sterbenskranken Hund Bella trauert. In weiteren Geschichten, in denen auch nicht wirklich etwas geschieht und die alle fast schon wie ein abgeschlossener Roman in sich wirken, schreibt der Autor von Charlys Kindheitserinnerungen. Er thematisiert das Leben von Verwandten während des Krieges und auf der Flucht sowie der Freunde seines Protagonisten, lässt ihn mit seiner Tochter einen Ausflug unternehmen und mit seinem Freund Kai ein langes Gespräch auf dem Golfplatz führen. Sämtliche wörtliche Reden werden ausnahmslos ohne Anführungszeichen wiedergegeben. Ein imaginärer Erzähler spricht den Leser direkt mit DU an oder bezieht ihn in der WIR-Form mit ein, wenn nicht Charly selbst in der ICH-Form berichtet. Das alles geschieht ohne Absätze innerhalb des Romans, der lediglich in sechs Kapitel unterteilt ist. Weiterlesen »

Ab Oktober 1940 bis zum Kriegsende wurden etwa zwei bis drei Millionen Kinder aus Deutschland von ihren Eltern evakuiert, wobei die Zahl je nach Quelle variiert. Die jüngeren von ihnen kamen im Zuge der Kinderlandverschickung bei Familien unter, während die älteren in KLV-Lager kamen. Zunächst erfolgte die Verschickung nur in die näher gelegenen ländlichen Gebiete, doch mit Ausweitung des Luftkrieges dehnten sie sich fast auf ganz Europa aus. Kamen die Kinder anfangs nur aus Hamburg und Berlin, so waren es bald auch jene aus dem Ruhrgebiet und letztlich aus dem ganzen Land. Ihre Rückführung bei Kriegsende in die Heimat geschah oftmals überstürzt und nicht selten waren die Kinder während dieser, sich über Wochen hinziehenden Reise auf sich gestellt, ohne zu wissen, ob sie ihre Eltern jemals wiedersehen.

Frank Baer erinnert in seinem packenden Roman Die Magermilchbande mit Max, Peter, Adolf sowie auch Tilli und Bille, die im weiteren Verlauf des Plots zu den Jungen stoßen, an das Schicksal vieler dieser Kinder. Nach Kusice in Westpommern wurden sie evakuiert. Die Kinder ahnen schon, dass sie bald die Heimreise nach Berlin antreten sollen, als plötzlich alle Schulklassen zum Aufbruch angetrieben werden. Weiterlesen »

Eigentlich hat sich Kripochef Bergmann auf einen ruhigen Samstag gefreut, doch wegen der Bronchitis seiner Frau muss er in einem Schmuckgeschäft ihre reparierte Kette abholen. Während der Inhaber noch eine Kundin bedient, betrachtet Bergmann einige Schmuckstücke in den Vitrinen, als mehrere maskierte, bewaffnete Männer den Laden stürmen. Sie treiben die Kunden, eine Angestellte und den Geschäftsinhaber in einen Nebenraum, der von einem der Männer bewacht wird. Es gelingt Bergmann, mit einer SMS heimlich seinen besten Ermittler Kommissar Jan Tommen zu informieren. Eigentlich hätte er das SEK verständigen müssen, doch das Vorgehen der Räuber, die sich weder für den Inhalt der Kasse, noch für den Schmuck in den Auslagen interessieren, lässt Bergmann darauf schließen, dass es sich nicht um einen normalen Überfall handelt. Mit einem mitgebrachten Scanner hören die Männer den Polizeifunk ab und sie scheinen auch Zugang zum System der Polizei zu haben.

Das Vorhalten der Täter, die sich mit schwerem Bohrgerät an einer Wand im Keller des Schmuckgeschäfts zu schaffen machen, gibt Jan Tommen und seinem Team ein Rätsel auf. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf den vorherigen Pächter Gero Lüde, der in dem Ladenlokal eine Kneipe betrieben hat. Weiterlesen »

Unmittelbar zu Beginn des Zweiten Weltkrieges meldet sich die aus begütertem Hause stammende achtzehnjährige Mary North als Freiwillige beim Kriegsministerium. Zu ihrer Enttäuschung wird sie nur als Lehrerin eingesetzt und soll Kinder aus Sorge vor möglichen Luftangriffen auf London evakuieren. Doch nach Meinung der Schulleiterin behandelt sie die Kinder zu gut und darf nicht mit aufs Land reisen. Mit ihr bleiben Behinderte und Farbige zurück, darunter der Junge Zachary, der als „Nigger“ nichts zählt. Mary fühlt sich besonders für ihn verantwortlich und will die zurückgebliebenen Kinder weiter unterrichten. Sie sucht die Schulbehörde auf und bittet den Leiter Tom Shaw um Erlaubnis.

Mary wird die Geliebte von Tom und möchte ihre Freundin Hilda mit seinem Mitbewohner Alistair Heath verkuppeln. Die beiden Frauen bergen bei den immer stärker werdenden Luftangriffen die Verletzten und begeben sich in Lebensgefahr. Der Krieg verändert alle und überschattet auch Die Liebe in diesen Zeiten. Alistair meldet sich freiwillig an die Front. Nach einem kurzen Heimaturlaub empfinden Mary und Alistair, die nichts vom Lauf des Schicksals ahnen, starke Gefühle füreinander. Weiterlesen »

Rainer Wittkamp

Foto Claudia Chiecchi

Rainer Wittkamp, der 1956 in Münster geboren wurde, zog es nach dem Abitur und einer Lehre nach Berlin, um sich dort einem Studium zu widmen. Er darf sich heute nach der Veröffentlichung von fünf Romanen und einiger Kurzgeschichten in Anthologien glücklich schätzen, dass ihm am 12. November 2016 der Berliner Krimipreis „Krimifuchs“ verliehen wurde.

Hallo, lieber Rainer! In deinem neuen Kriminalroman Hyänengesang hast du wieder einmal die Leser mit einer Menge Zusatzinformationen „gefüttert“. Ich muss zugeben, dass ich besonders die Ausführungen über den Teufelsberg mit Interesse gelesen habe und kann mir vorstellen, dass nicht einmal alle Bewohner von Berlin wissen, dass es sich dabei genau genommen um einen Schrottberg handelt.

In meiner Martin-Nettelbeck-Reihe, die ja fast ausschließlich in Berlin spielt, bemühe ich mich, unverbrauchte Handlungsorte zu finden, um so meine Leser noch stärker in meine Geschichten einzubinden, also ihre Neugier zu wecken. Von zahlreichen Rückmeldungen weiß ich, dass viele Leser das sehr schätzen.

Das kann ich nur bestätigen, denn auch ich liebe es, wenn ich Wissenswertes über die Handlungsorte erfahre, was ich stets mit Interesse verfolge. Weiterlesen »

Nach seinem Studium kehrt Christian Hochstett als Lehramtsanwärter nach Kirchfelden zurück, wo er als Junge einmal eine unbeschwerte Zeit bei Luise, einer Tante seines Vaters, verbracht hat. Luise bietet ihm sofort an, bei ihr zu wohnen, und so bezieht er nach fast siebzehn Jahren das selbe Zimmer in dem kleinen Haus. Bei seinem Antrittsbesuch ist Schulleiter Dalling nicht begeistert über den neuen jungen Lehrer, denn er hat bereits trübe Erfahrungen mit einem Junglehrer machen müssen. Christian übernimmt ein drittes Schuljahr. Alles liebe Kinder, wie ihm Dalling versichert. Doch bereits am zweiten Schultag hat er zwei Feinde in der Klasse, die imstande sind, achtzehn weitere Kinder gegen ihn aufzubringen. Die Zwillinge Peter und Paul Birkenfeld regieren die Klasse. Von seinem Kollegen Sebastian Burbach erfährt Christian, dass es die Kinder vom Birkenhof Clan, die in jeder Klasse mit mindestens einem Kind vertreten sind, schon einmal geschafft haben, einen jungen Lehrer zu vertreiben, was damals mit kleinen Schikanen im Unterricht begann.

Zwischen Christian und der zurückhaltenden, bildhübschen Kollegin Silvia Henschel, die als Halbtagskraft Kunst und Musik unterrichtet, entwickelt sich eine Beziehung. Doch muss er nach einiger Zeit feststellen, dass sie seine Erwartungen nicht erfüllen kann, was er darauf zurückführt, dass er zu hohe Ansprüche stellt. Weiterlesen »

In der Suite des Hotels de Rome in Berlin wird ein Callgirl vom Nachtportier tot aufgefunden. Wie Kommissar Martin Nettelbeck und sein Kollege Wilbert Täubner von der Managerin des Hotels erfahren, hat ein Attaché der Botschaft von Oman die Suite für eine Nacht gebucht. Noch ist unklar, ob es sich um einen Unfall oder Mord handelt, doch selbst wenn man dem Attaché einen Mord nachweisen könnte, genießt er diplomatische Immunität. Kriminaldirektor Roger Delbrück besteht trotzdem auf einer Untersuchung, denn wegen fehlender Papiere muss noch die Identität des Opfers geklärt werden. Wegen der Verbindungen zu diplomatischen Kreisen, die größte Diskretion erfordern, soll Nettelbeck für die Ermittlungen seinen Urlaub verschieben. Zähneknirschend willigt er ein und will seiner Familie in den seit Wochen geplanten Urlaub nach Ghana nachreisen, sobald er abkömmlich ist.

Dem ehemaligen Schlagerstar Roman Weiden, der vom mehrfachen Millionär in die Armut gestürzt ist, wird vom Amtsgericht die Restschuldbefreiung aberkannt, weil er seinen Porsche verschwiegen hat. Für die Anzeige macht er seinen ehemaligen Finanzberater Maximilian Hollweg verantwortlich, an dem er sich rächen will. Weiterlesen »

Hauptkommissarin Sina Engel graut vor dem nächsten Wochenende, an dem in Weinheim die Kerwe stattfinden wird. Während der Zeit des größten Volksfestes an der Bergstraße wurden in den vergangenen beiden Jahren zwei junge Frauen ermordet, die gefesselt und aufgeschlitzt elendig verblutet sind. Sina hatte mit ihrem Partner Carlo die Kerwemorde untersucht, bevor er selbst ermordet wurde. Dass sein Mörder bis heute nicht gefasst werden konnte, belastet Sina in besonderem Maße, da sie von ihm ein Kind erwartet. Zur Unterstützung der im achten Monat Schwangeren teilt der Vorgesetzte ihr ausgerechnet Matthias, den früheren Partner ihres verstorbenen Freundes Carlo zu. Doch Sina steht ihm ablehnend gegenüber und so ist ihr Verhältnis entsprechend gespannt.

Notgedrungen müssen Sina und Matthias kooperieren und befragen noch einmal die Mütter und Freunde der in den vergangenen Jahren ermordeten Frauen. Immer noch finden sie kein Motiv und auch keine Verbindung zwischen den beiden. Währenddessen hat das Volksfest begonnen, und die Beamten fragen sich, ob der Täter wieder zuschlagen wird, was sie unbedingt verhindern wollen. Weiterlesen »

Was geht im Kopf einer Bundeskanzlerin vor, wenn sie der Oper Tristan und Isolde von Richard Wagner im Bayreuther Festspielhaus beiwohnt? Gedanken, die sich Angela Merkel machen könnte, hat Konstantin Richter in seinem Roman Die Kanzlerin – Eine Fiktion verarbeitet. Neben ihrem Mann Joachim Sauer sitzt sie in einer Loge und verfolgt nur mit mäßigem Interesse die Handlung auf der Bühne. Stattdessen setzt sie sich mit der Finanzkrise in Griechenland und dem aktuellen Flüchtlingsproblem auseinander. Sie erinnert sich an den Besuch eines Flüchtlingsheims in Heidenau, wo man sie auf Übelste beschimpft hat. In einem Gespräch mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer um die Frage, wie viel Flüchtlinge Deutschland aufnehmen kann, hatte er sie davor gewarnt, dass die Situation außer Kontrolle geraten könnte. Und auch der Innenminister Thomas de Maizière warnte sie später, die Grenzen weiterhin geöffnet zu halten, weil wegen fehlender Pässe der Flüchtlinge nicht mehr kontrolliert werden kann, wer ins Land einreist.

Angela Merkel erinnert sich ebenfalls an eine Indienreise, bei der ihr deutlich gesagt wurde, dass sie einen großen Fehler gemacht hat, was ihre Flüchtlingspolitik betrifft. Sie weiß, dass es aus allen Lagern wegen ihrer Entscheidungen Kritik hagelt und die Rechtspopulisten deutliche Gewinne für sich verbuchen. Weiterlesen »

Lucy findet eines Tages ein Schreiben, wonach sie sich wegen einer Erbschaftsangelegenheit in einer Kanzlei melden soll. Bei dem Erbe handelt es sich um eine Villa am Chiemsee ihrer verstorbenen Tante Luise, die nach dem Umbau die Eröffnung der Pension nicht mehr erlebt hat. Für Lucy ist die Erbschaft die Rettung, denn von ihrem Esoterikladen kann sie kaum leben. Allerdings hat die Rechtsanwältin Verena van der Aue den Vertrag ohne die Billigung ihres Chefs Dr. Maier und des Bürgermeisters Allersfeld abgeschlossen, die selbst an dem Grundstück interessiert sind. Verena, die sich keine Vorschriften machen lässt, kündigt und verbündet sich mit Lucy. Da deren beste Freundin Kati zum selben Zeitpunkt fristlos gekündigt wurde und als Mutter von Zwillingen unbedingt eine Arbeit braucht, macht Lucy ihr und Verena den Vorschlag, mit in die Villa Sonnenschein zu ziehen. Kati soll die Gäste bekochen und Verena die Büroarbeit erledigen.

So ziehen die ungleichen Frauen gemeinsam in die Villa ein und stellen bald fest, dass in dem Haus merkwürdige Dinge geschehen. Noch ahnen sie nicht, dass Tante Luise als Geist ein wachsames Auge auf sie wirft, da sie Ärger mit ihren Widersachern Dr. Maier und Allersfeld befürchtet. Weiterlesen »

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