Irene Matts Erzählkunst zwischen Missbrauch, Mystik und Vatikan

Kindheit ohne Trost – Giulianos schwieriger Start
Als Giuliano Ferrari an seinem zwölften Geburtstag nach Hause kommt, sucht er vergeblich nach seiner Geburtstagstorte. Stattdessen eröffnet ihm sein Vater, dass die Mutter ihn verlassen hat. Giuliano fragt sich, ob er Schuld daran trägt.
Vier Jahre später heiratet der Vater Signora Stefania, die entscheidet, dass Giuliano kein Theologiestudium beginnen, sondern stattdessen eine Kochausbildung bei ihrem Vetter absolvieren soll. Giuliano wird ohne Herzlichkeit verabschiedet und von Pietro ins Hotel gefahren. Noch am ersten Abend wird er von diesem vergewaltigt. In seiner Kammer, in der er sich nie sicher fühlt, blickt der Sechzehnjährige auf die Mauern eines nahen Klosters – seine stille Zuflucht.
weiterlesenLaurentius’ Wunder – Ein Roman über Glaube, Trauma und Hoffnung
Seit über vierzig Jahren wird das Königreich Florapis von Florobert dem Siebten regiert. Langsam ist es an der Zeit, dass er seinen Sohn an den Regierungsgeschäften beteiligt, doch seit dieser als Säugling von einer Biene gestochen wurde, hat er vor allem Angst. Bei seiner Rede an das Volk verkündet Florobert der Achte zur Überraschung aller zwei neue Gesetzte: Von nun an möchte er nur noch Geranobert genannt werden, weil er Geranien als die einzige Blume in seiner Nähe duldet, und zur Sicherheit der Bürger möchte er eine Mauer um Florapis bauen. Die Eltern des Prinzen sind verärgert, da sie den Bau für unnötig halten und das Volk ist entsetzt. Immerhin haben sie sich dank eines großen, auf drei Tage angesetzten Festes schnell beruhigt.
Kommissarin Alexandra Rau vom Kommissariat Waldshut wird mit ihrem Assistenten Isidor Rogg zu einem Grillplatz am Rhein in Laufenburg gerufen, wo der zweiundzwanzigjährige Gitano Patelli erwürgt aufgefunden wurde. Bei der Befragung seiner Familie und seiner Freundin ergeben sich für sie keine ermittlungsrelevanten Hinweise. Wenig später wird eine Asiatin gleichen Alters als vermisst gemeldet. Nach Aussage ihrer Mutter wäre Kim Za Cho im Gegensatz zu ihrer Freundin nach einem Discobesuch nicht nach Hause gekommen. Alexandra sieht sich im Zimmer der Toten um und fragt in der Diskothek nach, ob jemand etwas Verdächtiges beobachtet hat. Da die Ermittlungen auf der Stelle treten, entschließt sich Alexandra mit Unterstützung ihres Chefs, Kriminaloberrat Heinrich König, die Fälle in einer XY-Sendung vorzustellen. 

Auf welche Art man am besten ein wissenschaftliches Thema einer breiten Leserschaft präsentieren kann, mag sich Irene Matt gefragt haben. Thematisiert werden in ihrem Roman „Der Augenblick“ in erster Linie die Forschungen des Psychoanalytikers Fritz Riemann, der tiefenpsychologische Studien betrieb und sich mit den Grundformen der Angst auseinandersetzte, als auch jene von Carl Rogers, dem Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie, die sie auf anschauliche Art vermittelt. Eine der in der Geschichte zu therapierenden Patientinnen ist Renate Weiss, die beim Joggen in Herrischried zufällig auf den sechs Monate alten Marcel stößt. Voller Entsetzen sieht sie in seine weit aufgerissenen Augen und drückt die Zudecke darauf. Seine Mutter, die übernächtigt neben dem Kind eingeschlafen ist, findet den Kinderwagen leer, ohne ihren Sohn vor.