Johannes Witek gibt in Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte eine sehr ungewöhnliche Lyrik und Prosa zum Besten. Gespickt mit kritischen und zynischen Untertönen sieht sich der Leser so mit neuen Wortschöpfungen konfrontiert und oftmals mit einer Aneinanderreihung von Versen und Zeilen, die zumindest auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben und gar nicht zusammen passen wollen. Die gewählten Gedichtformen fügen sich nicht in das klassische Bild, das man sich von einem Gedicht macht. Mit den teils surreal anmutenden Inhalten der Texte muss sich der Leser schon auseinandersetzen und bisweilen muss er Passagen auch ein zweites Mal lesen, um hoffentlich dann verstanden zu haben, was uns diese Zeilen sagen wollen. Teilweise gelingt es aber selbst dann nur schwer oder gar nicht. In jedem Fall muss man ganz schön um die Ecke denken können und diesem Stil aufgeschlossen gegenüber treten.

Witek lässt in seinen Texten abgerissene Daumen einrollen und anschließend rauchen, an anderer Stelle gibt es ejakulierende Feuerwerkskörper. Der Autor klagt die Anonymität unter Nachbarn an, wo sich niemand um keinen kümmert und berichtet aber auch von einem Dorf, in dem jeder von jedem alles weiß. Weiterlesen »

Nach seinem Debütwerk Der Bastard von Tolosa entführt Ulf Schiewe seine Leser mit Die Comtessa erneut ins Südfrankreich des Hochmittelalters. Ermenessa ist die Witwe des Vizegrafen Aimeric II. von Narbona und Stiefmutter von Aimerics fünfzehnjähriger Tochter Ermengarda, die wiederum die Erbin des Grafen ist. Die intrigante Ermenessa trifft ein Abkommen mit dem einflussreichen Grafen von Tolouse und will ihn mit Ermengarda verheiraten. Das Mädchen aber widersetzt sich den Plänen und flieht kurz vor der Hochzeit. Prachtvolle Zeltpagoden, Buffet und Gäste warten vergebens. Unterstützung erhält sie dabei von den beiden Edelmännern Felipe und Arnault, die beide in sie verliebt sind. Für die Freunde beginnt eine abenteuerliche Flucht durch die Gegend des Languedoc – immer auf der Hut vor den Verfolgern und gleichzeitig für Felipe und Arnault immer in der Hoffnung, das Herz von Ermengarda zu gewinnen.

Der Roman ist keine eigentliche Fortsetzung, knüpft aber an die Geschehnisse in Ulf Schiewes Debütwerk Der Bastard von Tolosa an. Wie bereits im Vorgänger gelingt es dem Autor hier erneut, das historische Frankreich, diesmal in der Mitte des 12. Jahrhunderts, zum Leben zu erwecken. Weiterlesen »

In dem Roman Wunderland von Sophie Albers will die Journalistin Hama einen Artikel über Personen mit Migrationshintergrund schreiben. Ihr Anliegen ist es, über die Welt zu schreiben, in der diese Menschen leben. Dazu trifft sie sich mit Tamer, dessen Vater Palästinenser und die Mutter Deutsche ist. Er war erst 9 Jahre, als der Vater verschwand und ist auch wie seine Mutter von ihm geschlagen worden. Als Hama mit ihm in einem Café sitzt, muss sie feststellen, dass ihnen offene Fremdenfeindlichkeit entgegenschlägt. Obwohl Tamer in Deutschland geboren ist, sieht man in ihm, allein wegen seines Äußeren, einen Ausländer.

Bei den wiederholten Treffen, zu denen teilweise auch seine Freunde kommen, erfährt sie von ihm, dass er früher Alkohol getrunken und gekifft hat. Es gab eine Zeit, da ist er jeden Tag in den Puff gegangen, doch heute schimpft er auf die Scheißschwuchteln, weil man einem Mann nicht in den Arsch ficken sollte. Wenn Hama auch vieles an seiner Einstellung, besonders zu Mädchen, missfällt, so ist sie von seiner Welt fasziniert. Sie fragt sich, ob bei ihren Recherchen Emotionen erlaubt sind. Hama ist selbst Jüdin und hat sich oft als Außenseiterin gesehen. Sie versteht langsam, wie man immer eine Fremde im eigenen Land sein kann. Sie fragt Tamer, was für ihn Freundschaft bedeutet, ob er sich seine Hand für jemanden abhacken lassen würde. Sie kennt nur Leute, die zuerst an sich selber denken. Tamer antwortet ihr, wenn man erst fragen muss, dann stimmt da schon etwas nicht und man hat den Sinn einer Freundschaft nicht verstanden. Weiterlesen »

Leila Bust und Bjørn Thorsten Leimbach bieten seit 1995 Partnerschaftsseminare sowie ein Liebes- und Beziehungstraining für Singles an. In ihrem praxisorientierten Buch Tantra beschreiben sie grundlegende tantrische Techniken, die zu erhöhter Lebensenergie und erweitertem Bewusstsein führen.

Tantra ist wie Yoga ein Erfahrungsweg zu spirituellem Wachstum mit dem Ziel der Erleuchtung. So sind einige der verwendeten Techniken, wie Atemlenkung und Asanas (körperliche Übungen), dem Yoga ähnlich, doch statt Askese und Disziplin geht Tantra den Weg der Befreiung und bewussten Lenkung der sexuellen Energie. In vielen Büchern wird die tantrische Vereinigung mit dem Partner als höchstes Ziel beschrieben. Weshalb die Auffassung, Tantra sei nur etwas für Paare, weit verbreitet ist. Doch im klassischen Tantra wurden die Asanas und Meditationen oft jahrelang alleine praktiziert, bevor sie in Partnerübungen angewendet wurden.

Auch die in diesem Praxisbuch beschriebenen Übungen können alleine gemacht werden. Denn auf die Reise in seine Innenwelt kann sich der Leser nur alleine begeben, um sich mit seinen schöpferischen und zerstörerischen inneren Kräften auseinander zu setzen. Weiterlesen »

Frank Fischer informiert uns in Der Japaner im Kofferraum über alles rund ums Taxifahren. Aus der Sicht des Taxifahrers erfahren wir, welche Probleme es mit dem Wechselgeld geben kann, dass wieder der beste Zeitpunkt zum Tanken verpasst wurde, genau die gesuchte Seite im Straßenatlas fehlt und der Bahnübergang mit Sicherheit gesperrt ist, wenn man diesen Weg eingeschlagen hat. Der Autor listet die unterschiedlichen Typen von Fahrgästen und der eigenen Kollegen auf und beschreibt die Vorzüge von Stammfahrgästen und Geschäftsreisenden. Er berichtet von den ersten Sänften in Berlin und der Einführung des Taxameters, dass es festgesetzte Preise im „Pflichtfahrgebiet“, nicht aber auf Fernfahrten gibt und die Fahrer nach gültiger Rechtsprechung sogar eine Beförderungspflicht haben.

Hunde muss ein Taxifahrer nicht befördern, wohl aber einen Blindenhund. Wer weiß das schon? Oder dass der Taxifahrer von der Anschnallpflicht befreit ist und alleine der Gast bestimmen kann, ob ein Fenster geöffnet werden oder wie laut das Radio gestellt werden soll. Auch dürfte vielen nicht bekannt sein, dass einem Taxifahrer eine Strafe droht, wenn er den Stadtplan oder Quittungsblock nicht mitführt oder nicht ordnungsgemäß gekleidet ist. Wobei sich hier die Frage stellt, was darunter zu verstehen ist. Der schwarze Anzug? Weiterlesen »

In Tagsüber dieses strahlende Blau von Stefan Mühldorfer sind der Ich-Erzähler und die Hauptfigur identisch. Der 37-jährige Versicherungsmakler Robert Ames ist seit 11 Jahren mit Kala verheiratet. Er wacht morgens in seinem Haus in Kanada auf und denkt an seinen bevorstehenden Arbeitstag im Büro und an seinen Chef. Obwohl er nicht zum Mitwisser werden wollte, hat ihm sein Chef anvertraut, dass er seine Frau betrügt. Mit diesen Gedanken macht sich Robert auf den Weg zur Arbeit und denkt auch an die ersten Treffen mit seiner Frau Kala. Im Büro wird er von seiner Kollegin Glandis in ein Gespräch über ihre gescheiterte Beziehung verwickelt und er weiß auch im Hinblick auf seine eigene nicht, was richtig und was falsch ist. Zunächst tröstet er sich mit dem Gedanken, dass nichts ewig dauert, auch das Unglück nicht.

Als er einen Termin bei den Rutherfords wahrnehmen muss, lässt er sich noch zu einem kurzen Fußballmatch hinreißen. Dabei verletzt er ausgerechnet den Sohn der Rutherfords und bringt ihn gleich mit zu seinem geschäftlichen Treffen bei den Eltern. Zu seiner Verwirrung sieht er in Janet Rutherford eine Frau, die er aus High-School-Zeiten kennt. Weiterlesen »

Peter M. Roese schildert in Allgäu Sixties, was man als Rekrut im Fliegerhorst Kaufbeuren so alles erleben kann. Rossner hat sich als Freiwilliger gemeldet und erlebt mit den anderen Wehrpflichtigen in den 60er Jahren die verrücktesten Sachen. Es ist die Zeit des Mini-Rocks, der Pille und Twiggy, von TV-Serien wie „Bonanza“ und „Mit Schirm, Charme und Melone“, des legendären Beat-Clubs und der Apollo-Missionen, aber auch von Benno Ohnesorg, Alexander Dubcek und Rudi Dutschke, dem Mord an John F. Kennedy, des Vietnamkrieges und des legendären Woodstock-Festivals.

Rossner erlebt den Alltag in der Kaserne und nimmt an einem Manöver, auch Kriegsspiel genannt, teil. Mit anderen Vaterlandsverteidigern verbringt er die Freizeit im Freibad, wobei das Anbandeln mit dem schönen Geschlecht oberste Priorität hat. In ihrer Sturm- und Drangzeit symbolisiert zartrosa Spitzenwäsche mit Strumpfhalter die Sünde persönlich. Und es ist jeglicher Widerstand zwecklos, wenn ein Mädchen fragt, ob sie noch mit in ihre Wohnung kommen. Oftmals ist aber nur Knutschen und Fummeln drin, wird ihnen doch nahegelegt, dass man jungfräulich in die Ehe gehen soll.

Rossner diskutiert mit seinen Freunden über die sich häufenden Starfighter-Abstürze und erlebt eine abenteuerliche Fahrt in einem Munga, der mit einem Kraftstoffgemisch Benzin/Öl von 15:1 fährt. Er wird zum Wachdienst herangezogen, kann beim Bund seinen Führerschein machen, man wählt ihn zum Vertrauensmann und er spielt in einer Band beim Schulabschlussball. Weiterlesen »

Der Roman Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling beginnt mit der Geburt von Helene im Mai 1939 in Berlin. Ihre Mutter ist erst 16 Jahre, den Vater lernt sie nie kennen. Dann bricht der Krieg aus und Helene verbringt ängstliche Stunden während der Bombenalarme in den Luftschutzbunkern. Das kleine Kind kennt nur Hunger, Flüchtlinge und Ausgebombte und stellt sich unter Frieden ruhigere Nächte vor. Sie hört von Schreckensmeldungen über gefallene oder in Gefangenschaft geratene Soldaten und weiß, dass einzig und allein das Überleben zählt. Notfalls auch auf Kosten der anderen. Tagsüber spielt sie in den Ruinen und kommt eines Tages mit von Leichengift verseuchtem Wasser in Berührung, woraufhin sie schwer erkrankt. Da der Hunger ihr täglicher Begleiter ist, wünscht sie sich zu Weihnachten 1944 nichts sehnlicher als ein ganzes Brot für sich.

Als das Ende des Krieges naht und die Soldaten der Roten Armee vorrücken, sieht sie, wie sich die Frauen von dunkler Ahnung getrieben ihre Kleider und Gesichter mit Dreck beschmieren, um unattraktiver zu sein. Sie rasieren ihre Köpfe kahl und viele nehmen sich sogar das Leben. Ihre Mutter bekommt jeden Tag Besuch von dem Offizier Andrej, um sich mit ihm, wie es heißt, in Ruhe unterhalten zu können. Weiterlesen »

Der Comiczeichner Stephen Emond, bekannt durch die Comicfigur „Emo Boy“ und die Comicstrips „Steverino“, hat mit Happyface seinen ersten Comic-Roman veröffentlicht.

Der Protagonist, ein 16-jähriger Teenager, verbringt seine Zeit vor dem Computer oder mit Zeichnen in seinem Skizzenbuch. Er ist weder besonders beliebt, noch hat er viele Freunde. In Chloe ist er verliebt, doch für sie ist er nur ein Freund. Als sie mit seinem älteren Bruder Everett ausgeht, ist er sehr verletzt. Denn seinen Bruder hat er immer bewundert, weil er cool ist, Sport treibt und alles gut kann, worin er selbst eine Niete ist. Er fühlt sich von den beiden Menschen hintergangen, an denen ihm am meisten liegt.

In der Familie entstehen Spannungen und Streit zwischen den Eltern. Sein Vater arbeitet als Schriftsteller und trinkt nun häufiger Alkohol als gewöhnlich. Als sich die Eltern trennen, zieht er mit seiner Mutter in eine kleine Wohnung und kommt auf eine andere Schule. Dies sieht er als Chance kein Loser mehr zu sein, der von den anderen nicht beachtet wird. Um als cool zu gelten, begegnet er den anderen Schülern mit einem Lächeln im Gesicht und seinen Lehrern mit Sarkasmus. Weiterlesen »

Andrew G. Marshall beginnt seinen Ratgeber Kann ich dir jemals wieder vertrauen? mit einer kurzen Einführung und statistischen Daten. Vorweg schickt er, dass jede Krise zur Bewältigung nicht nur Wochen, sondern Monate braucht und man in ihr nicht nur eine Gefahr, sondern immer auch eine Chance sehen sollte. Anschuldigungen jeglicher Art sollten unterbleiben und besser wäre es, Fragen zu stellen, um zu einem Gespräch zu kommen. Er geht auf die Körpersprache ein, mit der Lügen entlarvt werden können und klärt den Begriff einer Affäre überhaupt und wo die Grenzen echter Freundschaft liegen.

Marshall propagiert Ehrlichkeit, weil man nicht über die Verfehlung, sondern über die Vertuschung stolpert. Und er geht darauf ein, welche Rolle Sex bei der Untreue spielt. Dann wendet er sich den Gründen zu, die zur Untreue führen können, wobei meist erst ein Problem besteht, dazu eine schlechte Kommunikation untereinander kommt und letzten Endes die Versuchung. Er unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Affären und rät den jeweiligen Betrogenen, nicht auf Zeichen des Anderen zu warten oder zu glauben, er könne Gedanken lesen, sondern direkt sagen, was ihm helfen könnte. Weiterlesen »