Peter Coon beginnt seinen Erzählband mit einer Geschichte, in der es um die Verarbeitung oder besser Nicht-Verarbeitung eines Erlebnisses von Karl geht, der das Unglück in Ramstein mit dem Absturz von drei Kunstflugmaschinen im August 1988 miterlebt hat und den die Erinnerungen daran regelrecht verfolgen. Weiter geht es mit Lena und Lukas, die sich in einem Dunkelrestaurant kennengelernt haben. Nach vielen Gesprächen lädt Lena ihren neuen Freund zu sich nach Hause ein, doch auch dort treffen sie in völliger Dunkelheit aufeinander, wogegen sich im Verhalten von Elsa und Paul viele Paare wiedererkennen dürften, die schon längere Zeit zusammenleben. Die beiden beratschlagen, ob sie am Abend lieber gemeinsam lesen oder spielen sollen, oder doch eventuell besser fernsehen.

Einige Kurzgeschichten befassen sich mit Außenseitern wie Benni, der jeden Tag nach der Schule von einer Gruppe Jungen angegriffen wird. Er wartet förmlich darauf, dass sie ihm wieder auflauern, und als sie eines Tages ihre Taktik ändern, ist er perplex und fordert sie heraus. In einer anderen Geschichte ist Benni ebenfalls so ein Junge, dem noch nie jemand geholfen hat. Um so überraschender ist es für die Beteiligten an einer Auseinandersetzung, dass sich Maik gerade für ihn einsetzt. Auch Mira verhält sich nicht, wie man es von ihr erwartet, denn sie wollte schon als Kind nie viel reden. Als erwachsene Frau versteht sie sich mit Carlos auch ohne viele Worte und selbst später, als sie stillschweigend für etwas um Vergebung gebeten wird, bedarf die Verständigung keiner Worte.

Um eine ganz andere Aussage geht es in der Geschichte „Märzchen im November“, bei der die ehemals als willensstark geltende Daja im November von einem Liebhaber ein Märzchen, eine Art Talisman bekommt, das eigentlich nur zum Frühjahr verschenkt wird. Ihre Träume sind längst zerplatzt und mit Einschüchterung sowie Gewalt ist es skrupellosen Männern gelungen, auch noch ihren letzten Willen zu brechen.

Wer heitere oder lustige Geschichten erwartet, wird von den Erzählungen Märzchen im November überrascht sein, denn es handelt sich dabei absolut nicht um eine leicht verdauliche Kost. Peter Coon lässt teilweise Zusammenhänge offen, und der Leser ist genötigt, zwischen den Zeilen zu lesen. Oftmals präsentiert er überraschende Wendungen und die häufig mit einem traurigen Schluss endenden Erzählungen machen nachdenklich. Seine Protagonisten sind ungewöhnlich und häufig Außenseiter, womit sie eher eine Randgruppe unserer Gesellschaft repräsentieren.

Die völlig unterschiedlichen vierzehn Geschichten können dramatisch werden, handeln von verpassten Zeitpunkten im Leben, nachlassender Konzentrationsfähigkeit oder auch erzwungener Prostitution. Das Buch Märzchen im November ist etwas Besonderes und für Menschen geschrieben, die das Außergewöhnliche lieben und sich gerne mit tiefsinnigen Gedanken beschäftigen.

Peter Coon,Märzchen im November, Books on Demand 2015, Broschiert, 136 Seiten, ISBN 978-3-7386-5499-8, Preis: 8,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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