Helga-Maria Marcks hat in ihrer Krimikomödie Mord und Hochzeitsspitzen* das traurige und wütend machende Thema des Missbrauchs in einen amüsanten Plot eingearbeitet: Zwei in die Jahre gekommene Schwestern können nicht dazu schweigen, wenn kleine Jungen über Jahre missbraucht werden, wenn ein Mann seine Frau vor den Augen seiner Kinder vergewaltigt, wenn einer hochschwangeren Frau in den Bauch getreten wird oder wenn junge Mädchen auf Partys halb zu Tode gequält werden.
Die ehemalige Wedding Plannerin Judy bewohnt seit vierzig Jahren die von ihrem Erbteil gekaufte Villa Fiorita in der Toskana. Nach dem Tod ihres Schwagers zog auch ihre Schwester Titty zu ihr aufs Land, wo beide mit Paolino, der für den Garten und das leibliche Wohl zuständig ist, und dem Mops Filippo leben. In der Dorfgemeinde und bei Priester Don Salvatore sind die Schwestern einerseits hochgeachtet, spenden sie doch großzügig für die Schule und geben bereitwillig von ihrer Ernte ab.
Christian Hardinghaus und Annette Nenner zeichnen in ihrem Sachbuch
Die aus dem deutschen Mühlbach geflohene ehemalige Krankenschwester Maria lebt mit ihrem Ehemann Jack, der als Pfarrer tätig war, im nordwestlich von South Carolina gelegenen Greenville. Schon immer hat er seine Frau darin bestärkt, nach Deutschland, von wo sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geflohen ist, zu reisen und sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch erst nach seinem Tod entschließt sie sich dazu, nachdem sie eine E-Mail aus Mühlbach von Sofia, einer Enkelin ihrer Schwester Käte, erhalten hat. Sofia lädt Maria zum Geburtstag von Käte ein und will ihr bei dieser Gelegenheit eine Holzkiste überreichen, die sie beim Fällen eines Kirschbaumes im Garten gefunden hat. Nach fast sechzig Jahren kehrt Maria in ihr Heimatdorf und freut sich auf das Wiedersehen mit den noch übrig gebliebenen Familienmitgliedern, da wird die schwangere Sofia mit einem Aneurysma ins Krankenhaus eingeliefert.
Mit Anfang zwanzig studierte Jack Worrigang Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Cambridge und promovierte mit fünfundzwanzig Jahren. Als seine Eltern Selma und Peter Worrigang bei einem Autounfall ums Leben kamen, vermachten sie ihm eine erfolgreiche Beraterfirma, deren Kunden Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt sind. Drei Jahre lang plante Jack eine Reise, auf der er erfolgreiche Menschen auf der ganzen Welt befragen will, um für sich selbst eine Antwort auf die Frage zu finden: „Was ist Erfolg im Leben?“. Als Unternehmer verfügt er über ausreichende finanzielle Mittel, um sich eine solche Reise leisten zu können. Eine innere Stimme sagt ihm, dass Frankreich das Land wäre, in dem er Antworten finden würde, und so fliegt er fast elf Stunden von New York nonstop nach Paris, um den Geheimnissen des Erfolgs auf die Spur zu kommen.
Auf Sylt erinnert sich die Diplompsychologin Margareta Baumgarten in dem autofiktionalen Roman Vom Leben reich beschenkt von Hildegard Haehn, wie eines Tages eine Fremde ihre Praxis aufsuchte. Eine Berufskollegin, die Elphi genannt werden wollte, hatte eine Geschichte zu erzählen. Jede Woche suchte sie Margareta auf und berichtete aus ihrem Leben: Bereits als Baby hätte sie sich verlassen gefühlt, den Vater verlor sie früh. Sie ergriff den Beruf des Lehrers, den sie jedoch zugunsten eines Psychologiestudiums aufgab. Wiederholt machte sie später die Erfahrung verstoßen zu werden. Sie schilderte Margareta von ihrer ersten großen Liebe und ihrem Aufenthalt in einem indischen Ashram, wo sie eine äußerst zwiespältige Beziehung mit Deepak einging. Ihre Ausführungen reichen bis zu den Problemen und Sorgen um ihre Kinder und ihren Enkeln.
Neben einem Brief finden sich in dem Buch
Der Panamakanal verbindet seit seiner Eröffnung im Jahr 1914 den Atlantik mit dem Pazifik in Mittelamerika. Laut Wikipedia erkrankten und verstarben allein von 1881 bis 1889 zweiundzwanzigtausend Arbeiter in der Sumpflandschaft, was die Arbeiten vorübergehend ruhen ließ. Von 1906 bis 1914 verstarben nochmals über fünftausendsechshundert durch Unfälle und Krankheiten. Die panamaischen Behörden mussten sich verpflichten, allen Schiffen die Passage gegen eine Transitgebühr zu gewähren, wobei für die rund siebenhundert Kilometer durchschnittlich eine Fahrzeit von über fünfzehn Stunden benötigt wird. Die Erweiterung des Kanals wurde im Jahr 2016 fertiggestellt und genau darum geht es in einer fiktiven Geschichte des Romans „Die Expansion“ von Christoph Martin.
Der Roman „Wo ist Norden“ von Barbara Handke ist ein kulturgeschichtlicher Rückblick auf den Mecklenburger Landadel. Der praktische Arzt Konrad und seine Ehefrau Marlene, eine Gymnasiallehrerin, renovieren ein altes Gutshaus in dem abgelegenen Dorf Plenskow. Bei den Arbeiten legen sie ein Wandbild frei. Ihr Plan sieht die Unterbringung seiner Praxisräume vor, und Marlene will ein Café eröffnen. Außer ihren drei Kindern Selma, Laure und Jakob wohnen auch seine Eltern Rita und Pavel bei ihnen. Nikita, der im Universitätsklinikum arbeitet und ein Bruder von Konrad ist, war früher mit Marlene liiert und bedauert noch immer, nicht ihr Ehemann geworden zu sein. Was die Erstgeborene Selma angeht, ist unklar, wessen Tochter sie eigentlich ist.
Peter Coon stellt in seinem Buch „Weltfrieden ist aus“ fünfzehn Erzählungen vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da äußert Herr Schulte beim Bäcker einen ungewöhnlichen Wunsch, während jemand anderes von einer ungewöhnlichen Krankheit heimgesucht wird und ebenso ungewöhnlich ist eine Beziehung zwischen Caro und Leander. Anna steht mächtig unter dem Einfluss ihrer Freundin Kerstin, die im Gegensatz zu ihr bereits reichlich Erfahrungen mit Männern gesammelt hat, und Astrid bittet aus gutem Grund Fremde, für sie am Automaten Geld abzuheben. In Ankara kann ein junger Mann im Jahr 1925 die neu erlassenen Kleidervorschriften nicht akzeptieren, ein anderer traut sich nicht aufzubegehren, weil ihn seine Angst zu sehr lähmt, und vom Wunsch beseelt ist jemand, so mutig wie der 1961 nach dem Bau der Mauer über eine Stacheldrahtrolle gesprungene Soldat Conrad Schumann zu sein.