Grande Amore – Eine Liebe in zwei Welten von Stefanie Mertens

Grande Amore - Eine Liebe in zwei WeltenAuch nach über einem Jahr hat Katharina Hammes das Unglück noch nicht überwunden, bei dem ihr Vater, Bruder und Verlobter bei einem privaten Rennen am Nürburgring tödlich verunglückten. Ihrem Vater hat sie am Sterbebett versprochen, das Weingut in Rebenach im Ahrtal weiterzuführen, wobei sie sich auf die Unterstützung des Kellermeisters Hermann verlassen kann. Als sie bei der Arbeit im Weinberg ihren Schlüssel verliert und verzweifelt nach ihm sucht, ist sie auf Anhieb von dem Finder, einem südländisch aussehenden jungen Mann angetan. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um den aus Sizilien stammenden Luciano, der zur Aushilfe für seinen Vetter bei seinem Onkel im Eissalon arbeitet. Dank seines Freundes, einen Professor, der Luciano die deutsche Sprache gelehrt hat, gibt es keine Verständigungsschwierigkeiten zwischen ihm und Katharina. Die beiden verabreden sich spontan für ein Wiedersehen in Bad Neuenahr.

Seit dem Tod ihres Vaters hat Katharina, der man im Jahr 1956 als Frau nicht die Führung eines Weingutes zutraut, mit einem immensen Einbruch der Auftragslage zu kämpfen. Als ob sie es nicht schon schwer genug hätte, gibt plötzlich der Tunnel unter dem Weinberg nach und zerstört die Kelterei. Katharinas Mutter drängt zum Verkauf, doch um ihr Versprechen zu halten, das sie ihrem Vater gab, ist sie gezwungen, einen Kredit aufzunehmen, obwohl sie dafür die Weinberge verpfänden muss.

Mittlerweile ist aus der anfänglichen Zuneigung von Katharina und Luciano Liebe erwachsen und zu ihrer Freude macht ihr Luciano, der nur für vier Wochen zur Aushilfe bei seinem Onkel angestellt war, vor seiner Abreise in seine Heimat einen Heiratsantrag. Er will erst Geld für die Gründung einer Familie verdienen und dann wiederkommen. Doch in Sizilien macht ihm seine herrische Mutter klar, dass sie niemals eine Deutsche als Schwiegertochter akzeptieren wird, während Katharina von ihrer Cousine Ursel und ihrer Mutter hört, dass die Gastarbeiter nur poussieren wollen und nicht an einer ernsten Beziehung interessiert sind.

Stefanie Mertens erinnert in ihrem Roman „Grande Amore“ in erster Linie an das Anwerbeabkommen zwischen Italien und Deutschland, das dem armen Süden Italiens eine Entlastung und auf der anderen Seite Deutschland mit den Gastarbeitern einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen sollte. In dem Zusammenhang schreibt die Autorin von den italienischen Traditionen, den Speisen und für die damalige Zeit bei uns in Deutschland weitgehend unbekannten und nicht selten sogar verpönten Kräutern. Die im Plot erwähnte Aenne Burda, nach deren Schnittmuster Katharinas Mutter schneidert, hat es ebenso gegeben wie die Targa Florio Rally, die noch heute in Sizilien veranstaltet wird.

Im Mittelpunkt des Romans steht die Liebesbeziehung der zwei aus unterschiedlichen Welten kommenden Katharina und Luciano. Frauen, die sich in einen von der breiten Bevölkerung damals noch nicht akzeptierten Gastarbeiter verliebt haben, galten als Italienerliebchen und haben wohl, wie es Katharinas Mutter ausdrückt, keinen anständigen Deutschen abbekommen. Als sich Luciano längere Zeit nicht mehr bei Katharina meldet, ist sie Hin und Her gerissen, da er ihr doch ewige Liebe geschworen und dazu die Ehe versprochen hat. Doch auch Luciano hat mit Vorurteilen seiner Mutter zu kämpfen, die sich noch zu gut an die Verbrechen der Deutschen erinnert. Die Liebenden werden auf eine harte Probe gestellt, und Stefanie Mertens versteht es in ihrem Roman „Grande Amore“ nur zu gut, ihnen immer weitere Steine in den Weg zu legen, so dass der Leser von der Auflösung getrieben, ob die beiden zusammenfinden oder nicht, das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Grande Amore – Eine Liebe in zwei Welten von Stefanie Mertens

Grande Amore - Eine Liebe in zwei Welten
Heyne Verlag 2022
Klappenbroschur
368 Seiten
ISBN 978-3-453-42518-7

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Bildquelle: Heyne Verlag