Joe Lederer von der Münchner Mordkommission informiert die Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth, mit der er neuerdings wieder eine Beziehung hat, über einen Leichenfund. Am Tatort eingetroffen stellt sie fest, dass Laura von Reinstein ein tiefer Halsschnitt zugefügt wurde, an dem sie verblutet ist. Joe und sein Kollege Mick sprechen als erstes mit ihrer Putzfrau, die ihnen von dem geschiedenen Mann der Toten berichtet. Dabei soll es sich um Karl Maria von Loessl handeln, in dessen Adern Blaues Blut fließt. Die Ermittlungen ergeben, dass Karl Maria von Loessl identisch mit ihrem Polizeireporter Charly Loessl ist, der plötzlich nicht mehr auf der Arbeit erscheint. Am Tatort können seine Fingerabdrücke sichergestellt werden und weil er als der Hauptverdächtige gilt, fahndet man bereits nach ihm. Natürlich verstößt es gegen die Regel, dass Joe seiner Sofie unter dem Mantel der Verschwiegenheit davon erzählt.

Sofie, die nach der vorübergehenden Trennung von Joe auch mal mit Charly eine Beziehung hatte, ist vollkommen überrascht, als der sich bei ihr meldet und bei ihr untertauchen will. Er behauptet, dass sich ein Fremder Zutritt zu seiner Wohnung verschafft haben muss, um von dort eine ihn belastende Krawatte sowie ein Sektglas mit seinen Fingerabdrücken zu holen, um sie am Tatort hinterlassen zu können. Da die Rechtsmedizinerin von seiner Unschuld überzeugt ist, will sie ihn nicht abweisen. Joe, der ohnehin nicht nur auf ihren neuen Kollegen Dr. Erik Sander, sondern auch immer noch auf Charly eifersüchtig ist, darf auf keinen Fall erfahren, dass er von Sofie versteckt wird. Zu allem Überfluss belastet die Katzenliebhaberin Amalie bei der Vernehmung auch noch ihren Neffen Charly, und während Sofie um keine Ausrede verlegen ist, warum Joe sie nicht besuchen darf, taucht eine weitere Leiche auf.

Mit dem Kriminalroman Blaues Blut stellt Felicitas Gruber, ein Pseudonym der beiden Autorinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch, bereits den dritten Fall der von ihr geschaffenen Figur der Rechtsmedizinerin Sofie vor, die wie ihre Tante Vroni ein bayerisches Original ist. Dass sich die beiden Frauen, wie auch Sofie im Gespräch mit Joe, eines für München typischen Dialekts bedienen, mag zwar anfangs befremden und den Lesefluss etwas stoppen, doch wirkt der Plot dadurch ungemein authentisch und macht letztlich den besonderen Reiz aus. Als Leser kann man sich bestens in die Personen hineinversetzen und „sieht“ förmlich, wie sich Sofie von ihrer Tante verabschiedet und aufs Fahrrad schwingt.

Wenn es natürlich in erster Linie auch um die Auffindung des Täters geht und, wie es sich für eine Rechtsmedizinerin gehört, auch um die detailreiche Schilderung der Obduktionen, für die Felicitas Gruber eine hervorragende Recherchearbeit geleistet hat, so steht auch das Privatleben der Handlungspersonen ganz deutlich im Fokus. Sofie wird nicht nur von ihrem Ex und mittlerweile wiedervereinten Ermittler Joe verehrt, sondern auch von dem unter Mordverdacht stehenden Charly, den sie bei sich versteckt. Ebenfalls hat ihr neuer Kollege Erik ein Auge auf sie geworfen, obwohl Sofies Mitarbeiterin, Dr. Elke Falk, den lieber für sich hätte. Damit ist das Buch Blaues Blut eine geniale Mischung zwischen einem Kriminalfall und einem höchst amüsanten Roman mit liebenswerten und einprägsamen Charakteren, und nach der Lektüre wird kaum noch jemand behaupten wollen, dass bei einem Friseur nur Klatsch zu hören ist.

Felicitas Gruber, Blaues Blut, Diana Verlag 2015, Taschenbuch, 304 Seiten, ISBN 978-3-453-35850-8, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Robert Fischer

    Schöne Rezension – macht Lust aufs Buch. Danke!

  2. Das freut mich, denn das ist schließlich auch der Sinn unserer Buchbesprechungen!

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