Zu Beginn der 1960er Jahre löste die Einführung der Antibaby-Pille eine sexuelle Revolution aus. Insbesondere Studenten schlossen sich zu Wohngemeinschaften zusammen, die nicht selten politisch motiviert waren. Als Idol einer ganzen Generation ist das Model Uschi Obermaier zum Inbegriff der 68er-Bewegung geworden und propagierte Die freie Liebe. Entdeckt wurde sie von Mitarbeitern der bis 1971 existierenden Jugendzeitschrift Twen, die sich offen über für die damalige Zeit tabuisierte Themen wie vorehelichen Geschlechtsverkehr oder Homosexualität äußerte, sich aber auch kritisch mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzte.

Im Jahr 1971 zieht der einundzwanzigjährige Germanistik-Student Wolfgang Wegener in dem Roman von Volker Hage nach München. Neben anspruchsvoller Literatur liest er den Spiegel und die FAZ, aber auch mit Vorliebe Texte, in denen es wie in den regelmäßig erscheinenden „twen“-Heften um die Beziehung der Geschlechter geht. Er zieht in eine WG zu Larissa, ihrem Verlobten Andreas und Claudia. Obwohl in seiner Heimatstadt Lübeck Anna auf ihn wartet, entwickelt sich zwischen ihm und der in sexueller Hinsicht völlig offenen und Die freie Liebe propagierenden Larissa eine Beziehung, nachdem sie sich über ihre sexuellen Erfahrungen ausgetauscht haben. Ihrem Verlobten gegenüber verschweigt sie nichts, doch auf Dauer führt die komplizierte Dreiecks-Beziehung zu Problemen, die Wolfgang in eine Krise stürzen. Weiterlesen »

Wenn sich jemand nicht mehr an das Geschehen vor einem ganz speziellen, zumeist traumatischen Ereignis erinnern kann, sprechen Mediziner von einer retrograden Amnesie. Darunter leidet in dem Roman Fremdes Leben eine Frau, die unter anderem mit schweren Schädelverletzungen nach einem Autounfall in die Universitätsklinik Köln eingeliefert wird. Auf Wunsch ihres Ehemanns wird sie in eine private Klinik verlegt und dort für die nächsten eineinhalb Jahre in ein künstliches Koma versetzt. Nach einem Problem mit ihrer Beatmung wird die Frau in ein Krankenhaus überführt, wo sie zur Überraschung aller nach neun Tagen das Bewusstsein wiedererlangt. Von der behandelnden Ärztin Dr. Scheuer erfährt sie, dass sie Claudia Beermann heißt, was sie jedoch bestreitet, denn sie glaubt, Cilly Castrup zu sein. Außerdem, so erklärt ihr die Ärztin, soll sie sich in der privaten Pflegestelle eine die Atmung erleichternde Trachealkanüle selbst herausgerissen haben. Dr. Scheuer zeigt sich verwundert, dass ihre Patientin mit den medizinischen Fachbegriffen offensichtlich vertraut ist und lässt sich davon überzeugen, dass sie zu dieser Handlung kaum in der Lage gewesen sein kann.

Die sich für Cilly haltende Frau erinnert sich immer wieder an eine Fahrt zu einem Steinbruch und die Worte „Mach sie tot!“. Als sie der Ärztin gegenüber ihren Verdacht äußert, dass es sich bei dem Unfall um einen Mordversuch gehandelt haben muss, verweist die zunächst auf Erinnerungstrübungen. Weiterlesen »

In dem Roman Allein kann ja jeder wurde die einundsiebzigjährige Rosa Liedke sowie der gleichaltrige Konrad Schmitt und Lehrer Hans Seefeld vom ehemaligen Geschäftsführer der MultiLiving GmbH hereingelegt, der das Projekt Kaiserstern in Kaiserswerth errichten lassen wollte. Nachdem er alle drei um ihr Vermögen gebracht hat, haben die obdachlos Gewordenen kurzerhand die Villa Zucker besetzt, auf dessen Grund die Eigentumswohnungen errichtet werden sollten. Rosas Tochter Ellen stand ebenfalls auf der Straße und schloss sich mit ihrer Tochter Kim den Hausbesetzern an. Zufällig ist sie im Keller auf den Schwarzen, sich versteckt haltenden Mardi gestoßen und beschloss, sich um ihn zu kümmern.

Bereits seit zehn Tage versorgt sie ihn und Kim muss aufpassen, dass sie sich nicht verrät, denn lediglich Seefeld hat bisher von Madis Existenz Kenntnis. Ausgerechnet ihn, ihren Physiklehrer, den sie wegen seiner militärischen Vergangenheit für einen „Oberpsycho“ hält, muss sie zunehmend ins Vertrauen ziehen, da Mardi, der in Wirklichkeit Dembélé Jacques Madou heißt und aus Mali stammt, von der Polizei gesucht wird. Kim findet Gefallen an Mardi, aber auch an ihrem neuen Mitschüler Samu. Zu allem Überfluss muss sie sich noch um ihre beste Freundin Jenny sorgen, die wegen Drogenmissbrauchs im Krankenhaus liegt und die mit Tarik befreundet ist, der wiederum den von Kim versteckt gehaltenen Mardi zu kennen scheint. Zu seiner Rettung schlägt ihr Seefeld einen Deal vor und wendet sich an Kommissar Patrick Mittmann, den Freund ihrer Mutter Ellen. Weiterlesen »

Herr Gödel wollte, dass sein Sohn Heinz ein Medizinstudium absolviert, um eines Tages seine Praxis zu übernehmen. Das ist jedoch seiner erfolgreichen Tochter gelungen und der gemeinsame Bruder, der es bis zum Staranwalt gebracht hat, wird Heinz ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Vorbild vorgeführt. Stattdessen hat er lediglich ein Lehramtsstudium absolviert, womit er der Außenseiter der Familie ist und irgendwie Nicht von dieser Welt zu sein scheint. Im Gegensatz zu allen Angehörigen besucht er regelmäßig die Schwester seiner Mutter, die in ein Heim abgeschoben werden soll. Er besitzt weder ein Smartphone, noch einen Fernseher und liest stattdessen viele Bücher, vornehmlich von Karl May. Alle zwei Wochen lässt er sich die Haare schneiden und sein einziger Freund ist sein Hund Franz, der HIPP Babynahrung bevorzugt und mit dem er auch unter der Bettdecke kuschelt. Der mittlerweile Sechsunddreißigjährige zeigt auch kein Interesse an Sex, obwohl ihn die Abiturientin Jenny einmal dazu verführt hat.

Überraschend wird Heinz ein Jahresvertrag als Deutschlehrer an einem Gymnasium angeboten. Gleich zu Beginn wird er von seiner Kollegin Frau Huber darin unterwiesen, dass er sich Respekt bei den Schülern verschaffen muss, um eine Klasse „im Griff“ zu haben. Weiterlesen »

Die auf ihre Besucher so harmlos wirkende „Villa Baviera“, die heute ein Hotel im bayrischen Stil beherbergt, birgt ein zutiefst trauriges und erschütterndes Geheimnis der chilenischen, wie auch der deutschen Vergangenheit. Seit der Gründung der totalitären Siedlung Colonia Dignidad im Jahr 1961 durch den ehemaligen Jugendpfleger Paul Schäfer wurden in der südlich von Santiago de Chile gelegenen Region Parral über Jahrzehnte um die dreihundert Menschen ihrer persönlichen Habe beraubt, bespitzelt und unter strengsten Sicherheitsverwahrungen regelrecht gefangen gehalten sowie mit Elektroschocks und Psychopharmaka gefügig gemacht. Zur Auswanderung nach Chile hat er sie bewegt, indem er ihnen mit dem angeblichen Einmarsch der Russen Angst eingejagt hat. Kinder, die er für seine sexuellen Perversionen missbrauchte, hat er unter Vortäuschung falscher Tatsachen nach Chile entführt. Wer die Flucht wagte, wurde vom Militär aufgegriffen, das im Gegenzug eine Unterstützung durch die einer Sekte ähnelnden Siedlung erfuhr, was Diktator Pinochet an die Macht verhalf, der wiederum seine Gegner auf dem weitläufigen Areal foltern ließ. Selbst Angehörige der deutschen Botschaft waren korrupt, boten den Flüchtenden keine Hilfe und lieferten sie ihren Peinigern aus. Aber auch die UNO und Amnesty International, die seit 1976 von den Vorwürfen wussten, unternahmen nichts. Außenminister Steinmeier, der erst kürzlich die Akten unter Umgehung der regulären Schutzfrist freigab, räumte in einer Erklärung immerhin ein, dass „bestenfalls weggeschaut“ wurde. Anja Jonuleit wagt in ihrem Roman Rabenfrauen eine Aufarbeitung der damaligen Ereignisse. Weiterlesen »

Arden lebt in Chicago und arbeitet in einer Webnachrichtenredaktion. Ihren Traum von einem eigenen Buch hat sie schon lange aufgegeben, und da sie von ihrem geschiedenen Mann keinerlei Hilfe zu erwarten hat, fällt es ihr schwer, die Studiengebühren für ihre Tochter Lauren aufzubringen. Noch ahnt sie nicht, dass die sich nur ihrer Mutter zuliebe durch ein BWL-Studium quält, denn ihre Leidenschaft gilt der Malerei. Als beide von Ardens Mutter Lolly einen Brief mit einer Einladung samt einem Armbandanhänger erhalten, haben sie ein schlechtes Gewissen und wollen Lolly zum Memorial-Day-Wochenende in ihrer Blockhütte am Lost Land Lake in Michigan mit einem Besuch überraschen.

Die extrovertierte Lolly hilft trotz einer beeinträchtigten Denkleistung immer noch in einem Süßwarenladen aus. Nach Auskunft einer Ärztin wird sie in Zukunft nicht ohne familiäre Unterstützung zurecht kommen, auch wenn sich Pfleger Jake um sie kümmert. Während ihres Aufenthalts in Michigan stellen Arden und Lauren fest, dass sie nur wenig voneinander wissen. Aber noch weniger kennen sie die Bedeutungen der vielen Anhänger an Lollys Bettelarmband. So erfahren sie von ihr nach und nach die Familiengeschichte, die mit der erst siebzehnjährigen Mary und einer Fahrkarte von Irland nach Amerika im Jahr 1901 beginnt. Weiterlesen »

Bereits vor über zweihundert Jahren hat Freiherr Adolph Knigge sein Werk Über den Umgang mit Menschen verfasst und schon erkannt, dass Höflichkeit zum guten Umgangston gehört. Worauf es heute ankommt, hat Kai Oppel in seinem Ratgeber Die Knigge-Kur zusammengefasst, wobei er mit der Erläuterung der seiner Meinung nach sieben Knigge-Feinde Mobilität, Erreichbarkeit, Effizienz, Ökonomisierung, Informationsflut, Digitalisierung und Beschleunigung beginnt. Wegen der permanenten Erreichbarkeit, sogar beim Essen oder Autofahren, fühlt sich der Mensch gehetzt und möchte am liebsten zwei Dinge gleichzeitig erledigen. Trotz immer schneller werdender Verkehrsmittel spart der unter enormem Leistungsdruck Stehende keine Zeit ein, die Inanspruchnahme einer digitalen Bordkarte versichern ihn einer Effizienz und seinen Erfolg misst er gemäß dem ökonomischen Prinzip nur noch an materiellen Dingen, was unweigerlich körperliche Veränderungen zur Folge hat und sich auf seine Gesundheit in Form von Stress oder Burn-out auswirken.

Kai Oppel schreibt weiter, wer wen in welcher Form zu begrüßen hat, wann ein Geschenk als Bestechung zu werten ist und dass wir uns immer nur auf eine Sache konzentrieren sollten. Er rät zu kritischer Abwägung, welchen sozialen Netzwerken man beitreten möchte, zur Überprüfung der Datenquellen auf Zuverlässigkeit sowie unseren Mitmenschen gegenüber mit mehr Interesse zu begegnen. Weiterlesen »

Ulrich Brinkhoff, der in den Jahren von 1963 bis 1971 als Botschafter für das Auswärtige Amt Bonn tätig war, stellt mit seinem Reisebericht Karneval am Titicacasee den letzten Teil seiner Trilogie vor. Mit seiner Frau SooRyun mietet er in Bolivien einen Bungalow, wo sich das Paar Katzen, Hühner und Lamas hält. Sein Auto muss er wegen des geringen Sauerstoffanteils in der Luft mit einem speziellen Vergaser ausstatten lassen, denn auch Flugzeuge können nur mit besonderen Triebwerken die hoch gelegene Stadt La Paz anfliegen. Immer wieder berichtet er von durch Erdrutsche versperrten Straßen, und häufig fährt das Paar mit dem Auto auf den Chacaltaya bis zum Plateau auf 5202 Metern, was sonst nirgendwo auf der Welt möglich wäre. Wie der Autor zu berichten weiß, war der Berg im Gegensatz zu heute damals noch von einem Gletscher überzogen.

Auf abenteuerliche Weise wird sein Fahrzeug während eines Ausflugs in Argentinien von einem LKW abgeschleppt, nachdem es im unwegsamen Gelände durch eine Panne fahruntüchtig wurde. Es überrascht Ulrich Brinkhoff auch nicht, wenn sich auf den Schotterpisten Kabel vom Anlasser lösen, die anstelle einer Verschraubung lediglich durch eine Steckverbindung gehalten werden. Kurzerhand fügt er sich in sein Schicksal und kriecht unter das Auto. Weiterlesen »

Erst vor fünf Jahren hat die mittlerweile vierunddreißigjährige Martina Bäck von ihrer Tante Uschi und deren Mann Karl erfahren, dass ihr Vater noch lebt. Von Uschi und Karl, bei denen sie aufgewachsen ist, hat sie immer nur gehört, dass er vor ihrer Geburt verschwunden wäre und ihre Mutter, an die sie keine Erinnerung hat, bei einem Autounfall ums Leben kam. Martina erfährt weiter, dass ihr an Schizophrenie erkrankter Vater inzwischen durch Lungenentzündungen und einen Schlaganfall geschwächt ist, womit ihr nicht mehr viel Zeit zum Kennenlernen verbliebe.

In einem ihr von der Tante ausgehändigten Tagebuch ihrer Mutter liest sie von den Veränderungen ihres Vaters und seiner Entmündigung. Aus Verzweiflung darüber und mit allen Sorgen allein gelassen, hat sie einen geplanten Suizid dem Tagebuch anvertraut. Ihren Zieheltern wirft Martina vor, Schuld am Tod der Mutter zu tragen, und sie wird von quälenden Gedanken heimgesucht, nicht früher von der Existenz ihres Vaters gewusst zu haben. Sie besucht ihren Vater zum ersten Mal mit gemischten Gefühlen in der Klinik und erfährt von seiner Ärztin, dass sich sein Zustand im Alter gebessert hätte. Die an einer Universität Unterrichtende begibt sich auf Spurensuche – Diagnose Schizophrenie und liest alles, was sie darüber finden kann. Den Großteil ihres Freundeskreises verliert Martina in der Folge und besucht fast täglich ihren Vater, der sich jedes Mal sehr darüber freut, und sie nimmt sogar Kontakt zu ihrer Verwandtschaft väterlicherseits auf. Weiterlesen »

Peter Coon beginnt seinen Erzählband mit einer Geschichte, in der es um die Verarbeitung oder besser Nicht-Verarbeitung eines Erlebnisses von Karl geht, der das Unglück in Ramstein mit dem Absturz von drei Kunstflugmaschinen im August 1988 miterlebt hat und den die Erinnerungen daran regelrecht verfolgen. Weiter geht es mit Lena und Lukas, die sich in einem Dunkelrestaurant kennengelernt haben. Nach vielen Gesprächen lädt Lena ihren neuen Freund zu sich nach Hause ein, doch auch dort treffen sie in völliger Dunkelheit aufeinander, wogegen sich im Verhalten von Elsa und Paul viele Paare wiedererkennen dürften, die schon längere Zeit zusammenleben. Die beiden beratschlagen, ob sie am Abend lieber gemeinsam lesen oder spielen sollen, oder doch eventuell besser fernsehen.

Einige Kurzgeschichten befassen sich mit Außenseitern wie Benni, der jeden Tag nach der Schule von einer Gruppe Jungen angegriffen wird. Er wartet förmlich darauf, dass sie ihm wieder auflauern, und als sie eines Tages ihre Taktik ändern, ist er perplex und fordert sie heraus. In einer anderen Geschichte ist Benni ebenfalls so ein Junge, dem noch nie jemand geholfen hat. Um so überraschender ist es für die Beteiligten an einer Auseinandersetzung, dass sich Maik gerade für ihn einsetzt. Weiterlesen »

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