
Aufbruch ins Ungewisse
Isabel ist 45 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist mit dem Physiklehrer Carsten verheiratet. Nicht nur das Verhältnis zur 16-jährigen Tochter Lisa gestaltet sich zunehmend schwierig – Isabel verliert auch noch ihren Job als Synchronsprecherin. Als ihr Mann sie für zu alt hält, um eine neue Rolle als Schauspielerin anzunehmen, und ihr stattdessen eine Kur empfiehlt, fühlt sie sich „ziemlich mitgenommen“. Sie will nur noch weg und frei sein.
Ohne Gepäck steigt sie kurzerhand in das Auto einer über Siebzigjährigen, die auf dem Weg nach Prag ist. Während der Fahrt erfährt Isabel von Viktoria, dass Prag nur die erste Station ist – das eigentliche Ziel lautet Istanbul. In der Türkei möchte die alte Dame ihren früheren Verlobten Can wiederfinden, den sie vor 48 Jahren zuletzt gesehen hat.
weiterlesenEine Reise zu sich selbst – Rezension zu „Ziemlich mitgenommen“ von Mia Sassen

Dr. Wilhelm Löhring hat einfach verdrängt, dass er nicht mehr als Finanzvorstand bei Rüssling & Huber tätig ist und erscheint am Tag nach seiner Verabschiedung wie gewohnt in seinem Büro. Er glaubt an einen Komplott des Vorstands und will gegen den Aufhebungsvertrag klagen. So wird er in den Hochreitner-Trakt, einem exklusiven Bereich für wohlsituierte Patienten der psychiatrischen Klinik St. Ägidius, eingewiesen. Doch Löhring glaubt, seine Ehefrau habe die Klinik gekauft und er soll nun das Unternehmen sanieren. Er möchte die Klinik zum Premiumanbieter in der Psychiatrie machen, doch da die Klinikleitung nicht mit ihm kooperieren will, gibt er dem Gesellschafterausschuss schriftlich die Empfehlung, den Geschäftsführer Herrn Fechtner abzusetzen. 
Der Roman
Die heutige „BRDgeneration“ setzt sich nach Uwe Helfrich aus Schildbürgern zusammen, die in der BRS leben, was gleichbedeutend mit „Bundesrepublik Schilda“ ist. In der Satire kritisiert der Autor unser Krankenkassensystem und die Pflegeversicherung sowie die Machenschaften in der Zeitarbeit und das Leid der Minijobber. Er greift das Thema Grundsicherung, Bild-Zeitung und die Schnulzen der TV-Sender auf. Lustig macht er sich über einen Fachmann der Pisa-Studie und erinnert den Leser ganz nebenbei daran, was in unseren Lebensmitteln steckt. Uwe Helfrich schreibt vom Schicksal der Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen ans Bett gefesselt sind und von den Kindern, die häufig Opfer der Streubomben werden. Er warnt vor den Gefahren, die vom Teflon, den Pestiziden, der Gentechnologie, des Fluglärms, der Atomkraftwerke, Resistenzen und Herbizide ausgehen sowie vor den Nebenwirkungen der Arzneimittel. Außerdem schreibt er von einem Genetiker, der zweifelhafte Versuche an der DNA anstellt und prangert die zunehmende Kluft zwischen Armen und Reichen an.
In seinem Buch „Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu!“ erklärt David Leukert dem Leser auf eine amüsante Weise den Schwachsinn einiger Bonusprogramme und wie es bei einem Speed-Dating abläuft. Mit einem vollautomatischen Handtuchkasten auf einer Toilette ereilt ihn ein Malheur und beim rheinischen Karneval bekommt er einen Kulturschock. Lustig macht er sich über die Carglas-Werbung sowie über ein Paar, das wie Kletten aneinander hängt, und er nimmt die Multitasking-Fähigkeit der Frauen aufs Korn. Ihm stoßen unsinnige Namensgebungen auf Speisekarten und schwachsinnige Dialoge in neuen Fernsehserien unangenehm auf, er geht Anglizismen auf den Leim und ärgert sich über Blumen, die anstelle von Freude nur Arbeit machen.
Wenn die Gäste während der Hochzeitsfeierlichkeiten „Verdammt, wo ist der Bräutigam?“ rufen, ist das sicher tragisch. In ihrem Buch hat Nicola Holzapfel solche und andere Peinlichkeiten beschrieben, der sie zumeist selbst als Zeugin beiwohnte. Zu vierundvierzig Stichworten schreibt sie nicht immer ganz ernst gemeint, wie ein Brautkleid ausgewählt werden sollte, über Sinn und Unsinn eines Junggesellenabschiedes und welch tieferen Sinn ihrer Meinung nach Einladungskarten haben. Sie führt Gründe an, die gegen eine Ehe sprechen und stellt ungewöhnliche Hochzeitsanträge vor. Als Gast kann man mit dem falschen Geschenk und der unpassenden Kleidung ins Fettnäpfchen treten und ganz besonders mit einer Diashow, in die versehentlich ein Foto vom Bräutigam mit seiner Ex gerutscht ist. Die Autorin deckt Wirrungen in der Namensgebung auf, zitiert Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen der Ehe und lässt auch das Thema Scheidung nicht aus.
„Studenten sind auch Menschen“ – und was für welche! – ist der Titel der Realsatiren aus Münster von Helmut Rücker. Zum Teil selbst Erlebtes gibt der Autor hier zum Besten, schreibt von dem Schabernack und den Streichen, die anderen Kommilitonen zugefügt wurden. Allerhand Kurioses ist da wieder aus der Versenkung geholt worden, denn der Autor ist Jahrgang 1939 und die Anekdoten ranken sich um die Jahre vor 1968.