Dr. Wilhelm Löhring hat einfach verdrängt, dass er nicht mehr als Finanzvorstand bei Rüssling & Huber tätig ist und erscheint am Tag nach seiner Verabschiedung wie gewohnt in seinem Büro. Er glaubt an einen Komplott des Vorstands und will gegen den Aufhebungsvertrag klagen. So wird er in den Hochreitner-Trakt, einem exklusiven Bereich für wohlsituierte Patienten der psychiatrischen Klinik St. Ägidius, eingewiesen. Doch Löhring glaubt, seine Ehefrau habe die Klinik gekauft und er soll nun das Unternehmen sanieren. Er möchte die Klinik zum Premiumanbieter in der Psychiatrie machen, doch da die Klinikleitung nicht mit ihm kooperieren will, gibt er dem Gesellschafterausschuss schriftlich die Empfehlung, den Geschäftsführer Herrn Fechtner abzusetzen.

In einer Therapiegruppe trifft er auf Keith Winter, einen Finanzmanager von Benderman Ley, dessen seltsames Verhalten autistische Züge aufweist, und Hubert Wienkamp, den ehemaligen Personalchef eines großen Beratungsunternehmens, der an einem amnestischen Syndrom leidet und sich an zwanzig Jahre seines Lebens nicht mehr erinnern kann. Zur Überraschung von Löhring hat Winter ohne Berichte und Analysen bereits einen kompletten Business-Plan erstellt, und Löhring beschließt, die St. Ägidius Klinik an die Börse zu bringen. Dabei unterstützt wird die Projektgruppe „Bad Homburg“ von der ehemaligen Chefsekretärin Karin Schlick, die ebenfalls eine Patientin der Klinik ist.

Obwohl es sich bei dem Roman Die Insassen um eine Wirtschaftssatire handelt, in der die Handlung überspitzt dargestellt wird, könnten sich die Ereignisse genau so auch in der Realität zugetragen haben. Die Vision des Protagonisten Löhring, dass exklusive psychiatrische Kliniken für krisengebeutelte deutsche Manager ein Zukunftsmarkt mit enormen Zuwachsraten sein könnte, ist gar nicht so weit hergeholt, wenn man das Treiben in den Chefetagen der Wirtschaft verfolgt. Die Autorin, die unter dem Pseudonym Katharina Münk schreibt, hat anscheinend ihr Insiderwissen als ehemalige Chefsekretärin oder als Personal Coach für Führungskräfte in den Roman eingebracht. Sie versteht es, den Leser mit Witz und Humor bestens zu unterhalten, der sich am Ende die Frage stellt, sind Die Insassen die Verrückten oder die Analysten und Investoren, die ihnen auf den Leim gegangen sind.

Katharina Münk, Die Insassen, Deutscher Taschenbuch Verlag 2013, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 978-3-423-21299-1, Preis: 8,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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