
Ein Nachlass, der zur Mahnung wird
Das Buch «Spreche morgen Rolf» versammelt im Wesentlichen jene Briefe, deren Veröffentlichung Reinhard Frank testamentarisch seinem Nachlassverwalter Christian Brückner anvertraute. Brückner, Notar und Dozent der Universität Basel, später außerordentlicher Professor für Privatrecht, erhielt von Frank die Aufgabe, die an dessen Mutter Hilde Frank (geb. Feldberg) gerichteten Schreiben zu sichten und zugänglich zu machen. Ebenso sollte er die Berichte von Franks Schwester Anita veröffentlichen, die im jüdischen Krankenhaus Berlin entstanden und als nahezu einzigartig gelten.
Hilde Franks Schicksal zwischen Hoffnung und Verlust
Brückner setzt seine Darstellung im Jahr 1932 an – dem Jahr, in dem Hilde Frank zur Witwe wurde und in die großzügige Villa eines Universitätsdozenten zog, wie eines der zahlreichen Fotos im Buch zeigt. Der ersten Fluchtwelle jüdischer Bürger schloss sie sich nicht an; ihre Bemühungen um eine Emigration nach Palästina kamen zu spät.
weiterlesenEin Vermächtnis in Briefen: Die erschütternde Geschichte hinter «Spreche morgen Rolf»







Die Medizinstudentin Vicky lebt mit ihrer Mutter Traude Becker, die als OP-Schwester in der Charité arbeitet, in Ostberlin, studiert jedoch in Westberlin. Sonnabends und in den Ferien jobbt sie in einer Fleischerei. Nach fast fünf Jahren ist es für sie und ihre Studienkollegen der letzte Sommer, bevor alle eigene Wege gehen werden. Die Familie ihres Freundes Achim leistet sich eine großzügige Wohnung, da sein Vater als ehemaliger russischer Agent eine einflussreiche Position im Ministerium von Erich Mielke bezieht. Längst ist Achim wegen seiner politischen Gesinnung im Elternhaus nur noch geduldet.
Als im November 1974 das Album