Für die erfolgreiche Geschäftsfrau Clare, die sieben Blumengeschäfte in verschiedenen Stadtteilen Londons betreibt, ist strikte Organisation eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit alles wie geschmiert läuft. So plant sie auch den Sex wie Termine bei der Kosmetikerin oder Fußreflexzonentherapeutin. Mit siebenunddreißig und nach fünf Ehejahren mit dem zehn Jahre jüngeren Investmentbanker Marc, sowie einer sorgfältigen beruflichen wie auch finanziellen Planung, wird sie endlich schwanger. Die Schwangerschaft verläuft präzise nach Plan, doch dann wird in der dreizehnten Woche festgestellt, dass sie Zwillinge bekommt. Sämtliche Vorbereitungen sind abgeschlossen, aber eine natürliche Geburt birgt Terminunsicherheit, die jede weitere Planung unmöglich macht. Am Heiligabend in einer Londoner U-Bahn-Station platzt Clare die Fruchtblase und die Wehen setzen ein. Für einen Transport in eine Klinik ist es zu spät und so werden die Zwillinge Rowan und Poppy an einem Zeitungskiosk geboren.

Da Clare und ihr Bruder während ihrer Kindheit einer langen Reihe wechselnder Kindermädchen überlassen wurden, möchte sie selbst es anders machen. Doch nach sechs Wochen fühlt sie sich mit den Zwillingen völlig überfordert und stellt das Kindermädchen Jenna ein. Innerhalb kurzer Zeit hat Jenna alles unter Kontrolle und Rowan und Poppy sind glücklich und zufrieden. Mit der Gewissheit, dass die Zwillinge gut versorgt werden, kann sich Clare wieder ihrem Unternehmen widmen.

Marc hatte gehofft, seine Ehefrau würde nach der Geburt der Zwillinge ihre Geschäfte aufgeben und ganz in der Erziehung der Kinder aufgehen. Denn die Karrierefrau ist der dominierende Partner in der Beziehung und Marc will ihr beweisen, dass er in der Lage ist für die Familie zu sorgen. Mit riskanten Börsengeschäften verliert er viel Geld und um seine Verluste wieder auszugleichen, nimmt er eine weitere Hypothek auf das Haus auf. Er entnimmt Geld aus Clares Geschäften und muss dann auch noch ihr Unternehmen als Sicherheit einsetzen, um an weiteres Geld zu kommen. Er betrinkt sich immer häufiger und es kommt zu Auseinandersetzungen und Konflikten. Marc will sich scheiden lassen und das alleinige Sorgerecht für die Kinder erlangen. Doch als sich ein Rosenkrieg anbahnt, wird Rowan von seinem Vater entführt…

Von den Problemen einer modernen Frau, die versucht, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, handelt Tess Stimsons Roman In guten wie in schlechten Zeiten. Der Konflikt der Protagonistin Clare – den Kindern eine gute Mutter zu sein, deshalb aber nicht auf eine berufliche Karriere zu verzichten – wird sehr realistisch geschildert. Doch ist die Handlung in einem elitären Milieu angesiedelt, und Leser in ähnlicher Lebenssituation können sich nur schwer in der Geschichte wiederfinden. Durch geschickte Perspektivenwechsel, in jedem Kapitel ist ein anderer Protagonist der Ich-Erzähler, gelingt es der Autorin, Neugierde auf den Fortgang der Handlung zu wecken. Eine sehr gut ausgefeilte Geschichte, die den Leser bestens unterhält, aber nicht vom Hocker reißt.

Tess Stimson, In guten wie in schlechten Zeiten, Rowohlt Verlag 2010, Taschenbuch, 416 Seiten, ISBN 978-3-499-25423-9, Preis: 8,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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