
Der Beginn einer ungewöhnlichen Karriere
Der Roman Es könnte so einfach sein* von Anne Handorf erzählt die Geschichte der Bestsellerautorin Vera Albach, die sich als Schriftstellerin in einer Männerwelt behaupten muss. In den 1960er Jahren arbeitet sie als Stenotypistin im Vorzimmer von Gustav Bigalke, dem Inhaber eines familiengeführten Verlags für Romanhefte und Bücher.
Als Siegfried Dunckel, Autor der erfolgreichen Heftroman-Serie „Klinik am See“, ein unvollständiges Manuskript einreicht und danach nicht mehr erreichbar ist, überarbeitet Vera einige Stellen nach ihren Vorstellungen und vervollständigt das Werk. Bigalke ist am nächsten Morgen von ihrer Arbeit begeistert – und so geht Veras erster Heftroman in den Druck. Die Serie wird erfolgreicher als je zuvor. Vera erhält zwar einen Autorenvertrag, doch zu ihrem Leidwesen erscheinen die Romane weiterhin unter dem Namen Siegfried Dunckel.
Schreiben unter fremdem Namen
Anfang der 1970er Jahre wird Veras erster Roman unter dem Pseudonym Hagen C. Wallner veröffentlicht. Viel lieber hätte sie ihren eigenen Namen auf dem Buch gesehen. Doch Verleger Bigalke ist überzeugt, dass Leser keine Bücher von Frauen verlangen. Der Roman verkauft sich überraschend gut, und auch das nächste Werk wird vom Buchhandel stark nachgefragt.
1973 bietet ihr der Münchner Verlag Gaudeo einen Autorenvertrag mit besseren Konditionen an. Vera wechselt den Verlag – übersieht jedoch bei der Vertragsunterzeichnung, dass ihre Werke weiterhin unter dem Pseudonym erscheinen dürfen. Zwei Jahrzehnte später, während einer Live-Sendung des Literaturkritikers Severin Urban auf der Frankfurter Buchmesse 1993, platzt ihr der Kragen: Sie bekennt öffentlich, dass sie die Autorin hinter Hagen C. Wallner ist. Für die Medien eine Sensation, für den Verlag eine Katastrophe – doch ihre Bücher werden zu Bestsellern.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Die Rahmenhandlung des Romans spielt im September 2005, vier Wochen vor der Wahl der ersten Kanzlerin. Vera Albach hat ihrem Mann Leo versprochen, ein letztes Buch zu schreiben, bevor sie sich zur Ruhe setzt. Achtundzwanzig Tage bleiben ihr, um den Roman zu vollenden.
In Rückblicken wird ihr Weg von der Stenotypistin Vera Langhoff, die 1963 den Schreiner Leo Albach heiratete, bis zur gefeierten Bestsellerautorin nachgezeichnet. Ihr literarischer Werdegang ist geprägt von der Suche nach Anerkennung in einer Zeit, in der Frauen noch die Erlaubnis ihres Ehemanns brauchten, um berufstätig zu sein. Handorf verknüpft persönliche und gesellschaftliche Themen zu einem vielschichtigen Porträt einer Frau, die sich in der Nachkriegszeit ihren Platz in der deutschen Literaturszene erkämpft.
Ein Roman über Selbstbehauptung
Besonders gelungen sind Anne Handorfs Reflexionen über das Schreiben selbst. Feinfühlig schildert sie Veras Ringen mit einer Schreibblockade und die Entwicklung des Plots sowie Momentaufnahmen, die Vera akribisch in einem Notizbuch festhält, um sie bei passender Gelegenheit in einen Roman einfließen zu lassen. Einige Passagen aus dem Werk, an dem die Protagonistin arbeitet, werden direkt in die Handlung integriert und verleihen dem Roman zusätzliche Authentizität.
Die Leser:innen begleiten Vera durch kreative Höhen und gesellschaftliche Widerstände. Es könnte so einfach sein* ist ein Roman über das Schreiben, das Leben und die Kraft, sich selbst zu behaupten – leise, klug und sehr berührend.
Es könnte so einfach sein von Anne Handorf

C. Bertelsmann Verlag 2025
Hardcover mit Schutzumschlag
320 Seiten
ISBN 978-3-570-10574-0
