Markus Wegener und seine Kollegin Nina Gerling ermitteln in einem Mordfall: Der Gymnasiast Tobias wird erstochen in seinem Zimmer aufgefunden. Bei der Befragung der Eltern fällt den beiden Kriminalbeamten auf, dass diese nicht das Geringste darüber wissen, wie ihr Sohn seine Freizeit verbracht hat, ob er Freunde hatte. Wegener und Gerling bringen in Erfahrung, dass es sich bei dem Toten um einen Heavy-Metal-Bandleader und Komponisten handelte. Sie finden auf seinem PC Nacktaufnahmen seiner Nachbarin und auch von einer seiner Lehrerinnen, mit der er sogar sexuellen Kontakt hatte. Von Jan, einem Bandmitglied, erfahren sie, dass er schon seit mindestens drei Jahren heimlichen Sex mit Tobias hatte. Damit nicht genug: Tobias nimmt an den Deutschen Meisterschaften zu dem Strategiespiel „Dominanz“ teil. Sie veranstalten LAN-Partys, bei der die Teilnehmer ihre PCs untereinander vernetzen. Von einem Computerspezialisten lassen sich die Ermittler erklären, dass es Tobias sogar gelungen ist, sich in fremde Netze zu hacken und so Zugriff auf deren E-Mail-Konten zu haben. So konnte er eine E-Mail entweder dem zugedachten Empfänger gar nicht zukommen lassen, sie nach seinen Wünschen verändern oder aber eine E-Mail mit falschem Absender an jemanden richten.

Während der Ermittlungsarbeit werden Markus Wegener und Nina Gerling das Gefühl nicht los, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Strategiespiel Dominanz und dem Mord. Einmal richtet sich ihr Verdacht gegen die Lehrerin, dann wieder auf einen Mitspieler, der von Tobias mit einem Trick hinters Licht geführt wurde und eine derbe Niederlage einstecken musste. Es könnte aber auch ein Nachbar oder ein Bandmitglied den Mord begangen haben, noch tappen sie im Dunkeln. Erst, als Markus Wegener Zahnschmerzen plagen und sein Zahnarzt ihm etwas von Querverbindungen der Zahnnerven erzählt, kommt ihm ein Einfall und die Handlung nimmt eine überraschende Wende…

In Sebastian Stammsens Krimidebüt Gegen jede Regel sieht sich der Leser schon im ersten Satz mit der Leiche konfrontiert und ist sofort mitten im Geschehen. Der Autor hat mit dem ermittelnden Kommissar Markus Wegener eine Figur geschaffen, die trockenen Humor und Gedankengänge voll bitterer Ironie vereint. Er erinnert sich an die Zeit, als man noch direkt, und nicht per E-Mail lügen musste. An anderer Stelle wirft er die Frage auf, wer noch Fantasie und Wirklichkeit bei einem Spiel unterscheiden kann. Er denkt, dass man in die Politik gehen kann, wenn man weiß, wie man eine Intrige einfädelt und erfolgreich für sich nutzt. Das Privatleben der beiden ermittelnden Beamten steht nicht im Mittelpunkt und ebenso stören keine überflüssigen Wiederholungen die aufkommende Spannung. Sebastian Stammsen hat mit Gegen jede Regel einen raffinierten, psychologisch ausgefeilten Krimi geschaffen und es bleibt zu hoffen, dass es eine Fortsetzung gibt.

Sebastian Stammsen, Gegen jede Regel, Grafit Verlag 2010, Taschenbuch, 379 Seiten, ISBN 978-3-89425-379-0, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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