Eigentlich betreiben die beiden Frauen Flick und Georgie die Agentur „Domestic Angels“ und sind für alle und jeden da. Ihre Kunden können Handelsvertreter und Geschäftspartner sein, um deren Appartement sie sich kümmern, wenn während deren Abwesenheit Handwerker beaufsichtigt werden müssen. Oder sie sind Anlaufstelle für Urlauber, die die Pflege und Fütterung ihrer Haustiere in Auftrag geben. Das ändert sich, als eine erste Kundin sie mit der Bitte aufsucht, ihren Ehemann zu überwachen, weil sie ihm ein Verhältnis mit einer anderen Frau unterstellt. Flick und Georgie nehmen diesen Auftrag mehr oder weniger aus Neugier an und begeben sich damit auf unbekanntes Terrain. Sie werden zu Rache-Engeln. Es ist nun ihre Aufgabe, im Auftrag der Ehefrau einem gewissen Ben Houghton hinterher zu spionieren, der seinerseits aber viel intelligenter ist, als es sich die beiden Frauen ausmalen können. Anstatt etwas über ihn in Erfahrung zu bringen, weiß er in Kürze alles über seine Beschatterinnen und konfrontiert sie mit seinen diesbezüglichen Ermittlungen.

Flick und Georgie übernehmen, dank einer Empfehlung, noch einen weiteren heiklen Auftrag dieser Art. Sie sollen einem gewissen Jackson einen Denkzettel verpassen und scheuen, um ihr Ziel zu erreichen, nicht einmal vor einem Auftritt in einem Nachtclub zurück. Dort räkelt sich Flick, nur mit einem Bikini bekleidet, an einer Stange, um besagtem Jackson so richtig einzuheizen und wird dabei von ihrer Kollegin Georgie gefilmt. Natürlich so, dass es die Beteiligten nicht merken. Die Aufnahmen, die auch Jackson dabei in eindeutiger Absicht zeigen, werden auf YouTube veröffentlicht und somit allen Kollegen von Jackson zugänglich gemacht. Der fühlt sich bloßgestellt und will diese Schmach nicht ungesühnt lassen…

Neben den Schwierigkeiten, in die Flick und Georgie nun beruflich schlittern, haben beide aber auch noch mit eigenen, privaten Problemen zu kämpfen. Georgie ist mit Ed verheiratet, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat und der seinerseits schon zwei Kinder aus einer früheren Ehe finanziell unterstützen muss. Georgie wünscht sich sehnlichst ein zweites Kind von ihm, was für Ed aber gar nicht in Frage kommt. Sie gesteht Flick, dass sie einmal mit Ed verkehrt hat, ohne verhütet zu haben. Aber da ihr Monatszyklus gerade nicht auf Empfängnis gestanden hätte, wäre das ja auch egal gewesen. Georgie erfährt durch Zufall von einem Verhältnis ihres Mannes. Diese Erkenntnis trifft sie wie ein Schlag und entzieht ihr den Boden unter den Füßen. Sie stellt ihren Mann zur Rede und hofft, ihre Ehe noch retten zu können. Flick wiederum ist Single, unterhält aber eine Beziehung zu einem verheirateten Mann. Durch ihre berufliche Herausforderung, Männern nachzuspionieren, die ihrer Ehefrau untreu geworden sind, wird ihr die Ironie zu ihrer eigenen Beziehung bewusst, denn sie selbst unterhält ja ein Verhältnis zu einem Mann, der seiner Frau ebenfalls untreu sein muss.

Der Roman von Annie Sanders verheißt schon durch seinen Titel Die Rache-Agentur, worum es geht und was den Leser erwartet. In flüssigem Schreibstil, gespickt mit Worten der modernen Kommunikation, wie E-Mail, YouTube, SMS-Versand, erzählt sie von den privaten Problemen zweier Frauen, deren beruflichen Erfahrungen sich kreuzen und vermischen. Die Autorin bedient sich einerseits solcher Klischees wie ungeschütztem Verkehr, wobei der Leser nur darauf wartet, wann die Folgen zu Tage kommen. Georgie scheint die Einzige zu sein, die bei ihren Übelkeitsattacken nicht an das Nächstliegende glaubt. Andererseits reißt Annie Sanders auch kurz kritische Themen wie erhöhte Studiengebühren, Luftverschmutzung oder CO²-Bilanz im Flugverkehr an. Auch so sinnreiche Vergleiche wie, dass manch einer mehr Geld als Verstand hat und ein anderer mehr Verstand als Geld, finden sich in ihrer Geschichte, die an einigen Stellen nicht nur amüsant, sondern auch voller Sarkasmus ist. Inhaltlich dürfte es keinem Leser schwer fallen, sich mit den Figuren zu identifizieren. Und unvorhergesehene Wendungen sorgen für Überraschungen. Da auf komplizierte Rückblicke verzichtet wird und auch sonst keine Passagen den Leser in seinen Denkstrukturen überfordern, ist Die Rache-Agentur ein Roman, den man sich gerne zur Unterhaltung mit an den Strand nehmen kann.

Annie Sanders, Die Rache-Agentur, Rowohlt Verlag 2011, Taschenbuch, 400 Seiten, ISBN 978-3-499-25513-7, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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