Die nordfriesische Insel Föhr zählt über 8.500 Bewohner und wird gerne auch als die friesische Karibik bezeichnet. Sie ist Schauplatz einer Romanreihe, in deren Mittelpunkt Oma Imke steht. Mit ihren fast achtzig Jahren kann sie nicht mehr sprechen, weil sie einen Schlaganfall erlitten hat und ist außerdem an einen Rollstuhl gebunden. Allerdings keinen gewöhnlichen, denn die exzentrische Dame liebt es immer noch poppig und weiß selbst noch in ihrem Alter die jüngere Generation zu schocken.

Sorgen bereitet Imke in Omas Erdbeerparadies ihr Sohn Arne, der ein altes Ausflugslokal gepachtet hat, aus dem er eine Disco machen will. Imke hat in dem Erdbeerparadies seinen Vater kennengelernt und die älteren Inselbewohner verbinden mit dem Lokal Jugenderinnerungen. Doch auf Föhr gibt es auch das Island Palace, das von der attraktiven Susanne geführt wird. Mit angesagten Schaumpartys macht sie Arne Konkurrenz. Nach Umsatzeinbußen bekommt er von seiner Bank keinen weiteren Kredit und weiß weder, wie er den alten abbezahlen, noch woher das Geld für die nächste Miete kommen soll.

Da trifft unerwartet Arnes Nichte Jade auf Föhr ein. Sie ist gerade achtzehn geworden und will ihr erworbenes Wissen als Praktikantin einer Investmentbank gewinnbringend für das Erdbeerparadies einsetzen. Kurzer Hand bietet sie Arne eine Teilhaberschaft an und setzt mit neuen Ideen alles auf eine Karte. Sie wendet sich an den gut aussehenden Momme, den sie von früheren Inselbesuchen kennt. Doch plötzlich lässt er sie im Stich und Susanne wird auch für sie zur Gegnerin.

Wie schon in den vorangegangenen, in sich abgeschlossenen Romanen dieser Reihe, hat Janne Mommsen auch in Omas Erdbeerparadies wieder über Bräuche und Traditionen der Insulaner geschrieben. So erfährt der Leser, dass es eine eigene friesische Sprache gibt, die tatsächlich auch heute noch, vornehmlich in Holland, gesprochen wird. Der Autor hat viel Reales in den Roman eingefügt. So ist die erwähnte Schneekatastrophe im Winter 1978/79 geschichtlich überliefert und auch der erwähnte Kaiserkeller in Hamburg, den die legendären Beatles berühmt gemacht haben, sowie ihren Freund Klaus Voormann gibt es wirklich. Auf Föhr besitzt der „Manhattan“ als Cocktail einen Kultstatus und die St. Laurentii-Kirche findet man ebenfalls auf Föhr, aber nicht den im Buch genannten Pastor. Nicht zuletzt existiert sogar das Erdbeerparadies, das auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken kann.

Omas Erdbeerparadies von Janne Mommsen ist ein „Gute-Laune-Buch“ und garantiert ein unbeschwertes Lesevergnügen, auch wenn es dieses Mal einen Grund zur Wehmut gibt. Der Roman macht Lust auf einen Nordseeurlaub und könnte durchaus wirksamer als jede Werbekampagne sein. Der Leser wird von der unkonventionellen Lebensweise der Insulaner regelrecht infiziert. Denn vieles wird, wie der Autor selbst in einem Interview geäußert hat, dort auf dem kleinen Dienstweg anders geregelt. Wen das Reisefieber noch nicht gepackt hat, den wird es spätestens bei der Lektüre dieses Buches voll erwischen.

Janne Mommsen, Omas Erdbeerparadies, Rowohlt Verlag 2013, Taschenbuch, 256 Seiten, ISBN 978-3-499-25956-2, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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