Robert Naumann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Hannah und Emma in Berlin. Die Familie bezieht Hartz IV und Robert hat längst gemerkt, dass es sich innerhalb dieser Bedarfsgemeinschaft, so die offizielle Bezeichnung, nicht lohnt, wenn einer berufstätig ist. So bleibt er lieber arbeitslos und wird regelmäßig im Jobcenter bei Frau Steputat im Zimmer 211 vorstellig. Als er nicht die vorgeschriebenen Bewerbungen vorweisen kann, werden ihm die Leistungen gekürzt. Ihm wird ein Job bei der Post angeboten, was bei ihm Erinnerungen an eine frühere Tätigkeit dort weckt. Doch schlecht bezahlte und sinnlose Arbeit lehnt er entschieden ab und stößt auf Unverständnis bei seiner persönlichen Ansprechpartnerin. Robert Naumann versucht sich als Spargelstecher und Hüpfburgbeauftragter und möchte eigentlich lieber Popstar werden.

Für ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch will er sich vorbereiten und spielt die Situation in einem Rollenspiel mit seiner Frau durch. Auf Fragen seiner Töchter, warum er sich mit Abitur und Studium nicht eine Arbeit aussuchen kann, die ihm Spaß macht, gerät er ins Straucheln. Denn er nimmt einen Job bei der Bühnendeko an, der ihm nur 1,50 Euro zusätzlich einbringt. Da möchte er dann schon lieber einen Roman darüber schreiben, was ein Arbeitsloser so an einem Tag erlebt. Schließlich muss er an einer Weiterbildung teilnehmen und hat sogar einmal 2,40 Euro zu viel kassiert! Klar, dass das Ärger gibt. Und da seit Jahren wegen chronischem Geldmangel kein Urlaub mehr finanziert werden kann, gibt es Urlaub nur noch vor der Haustür. Nachdem sich Robert auch noch von seiner Frau getrennt hat, will er endlich auch auf das regelmäßige Vorsprechen in Zimmer 211 bei Frau Steputat verzichten. Kein leichter Abschied!

Robert Naumann hat in Ich hartz dann mal ab auf ironisch-zynische Art einen Langzeitarbeitslosen begleitet. Sicher muss der Leser nicht alles auf die Goldwaage legen. Denn es scheint wohl leicht übertrieben, wenn sich Postbedienstete in der Nachtschicht an Konservendosen oder Kosmetikartikeln zum Eigengebrauch bedienen. Völlig richtig hält er aber einen Gedanken zu einem Ein-Euro-Job fest. Dass es nämlich entweder eine sinnvolle und wichtige Arbeit ist, die dann aber auch dementsprechend bezahlt werden muss. Oder es ist keine wichtige Arbeit, wieso sollte sie dann von einem Ein-Euro-Jobber erledigt werden? Derartige Gedanken stellt sich der Autor in seinem Buch als Figur Robert Naumann immer wieder. Voller Sarkasmus zieht er über die Gesetze und die, die sie ausführen, her und bringt an vielen Stellen den Leser mit Gags auf hohem Niveau zum Lachen. Dies gipfelt dann darin, dass er selbst als Figur Robert Naumann Bewerbungen an äußerst ungewöhnliche Adressaten verfasst. Diese Gedanken sind einfach genial und schon alleine dafür lohnt es sich, Ich hartz dann mal ab zu lesen. Obendrein ist das Buch mit einigen treffenden Comics gespickt, die das Lesevergnügen noch abrunden.

Robert Naumann, Ich hartz dann mal ab, Rowohlt Verlag 2011, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 978-3-499-62791-0, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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