„Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, dann sag es in Englisch!“, dieses Phänomen in der deutschen Werbelandschaft hat der Markenberater Bernd M. Samland beobachtet. In seinem Buch Übersetzt du noch oder verstehst du schon? hat er seine erstaunlichen Erkenntnisse über die 75 kuriosesten englischen Werbesprüche in Deutschland zusammengefasst.

Mit dem Spruch „We fly for your Smile“ wirbt die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines, was zu der Fehlinterpretation „Wir fliegen (dich) für ein Lächeln“ führen kann, denn bezahlt werden müssen die Tickets, auch wenn man lächelt. Und warum der Fernsehsender SAT.1 über vierzig Jahre nach Einführung des Farbfernsehens mit dem Slogan „Colour your life“ wirbt, ist genauso unverständlich wie der Hinweis eines Mobilfunkanbieters „O2 can do“, der zu so merkwürdigen Interpretationen wie „Mit Sauerstoff kann man arbeiten“ führte.

In kleinen Zwischenkapiteln zeigt der Autor weitere Abgründe in unserer Werbesprache auf. So bietet die Firma Biotherm unter der Bezeichnung „Aquasource Fluid“ Wasser an, dass man sich zur Erfrischung ins Gesicht sprühen kann und ohne diese klangvolle Bezeichnung wohl kaum für 40,- Euro (50 ml) verkauft werden könnte. Bei der Firma Lederfuchs werden körperbetonte „Bodybags“ angeboten. Peinlich, da dies die englische Bezeichnung für einen Leichensack ist.

Englische Modewörter in der Werbung hat der Autor in den Top Ten der Werbesprache einmal genauer unter die Lupe genommen, da deren Einsatz aus Sicht der Werbewirkung nicht immer sinnvoll erscheint. Werbung ist auch immer Unterscheidung vom Wettbewerber und so wirft der Autor die Frage auf, ob der inflationäre Einsatz des Wortes SALE im deutschen Einzelhandel noch funktioniert, wenn es vom Ramschladen bis zur Edelboutique verwendet wird. So können englische Werbeslogans durchaus internationaler und moderner wirken, aber auch zu Irritationen beim Verbraucher führen. Eine deutschsprachige Werbung ist in der Regel nachhaltiger.

In einem locker leichten Schreibstil schildert Bernd M. Samland in Übersetzt du noch oder verstehst du schon? die wunderlichen Kapriolen in der deutschen Werbelandschaft. Doch ist sein Buch nicht nur kurzweilige amüsante Unterhaltung, sondern ein Plädoyer für eine verständlichere Werbesprache und nicht nur im Marketing Beschäftigten zu empfehlen. Denn Samlands Buch schärft die Sinne für die über 3.000 Werbebotschaften, die uns täglich erreichen sollen. Und so wird der Leser den einen oder anderen unsinnigen Werbespruch entdecken, der in dem Buch noch nicht zu finden ist.

Bernd M. Samland, Übersetzt du noch oder verstehst du schon?, Herder Verlag 2011, gebunden, 160 Seiten, ISBN 978-3-451-30417-0, Preis: 12,00 Euro.

Wie bewerten Sie dieses Buch? schrecklichschlechtdurchschnittlichgutausgezeichnet 5 Stimme(n) | Bewertung 4,60 | Sie müssen sich registrieren, um am Leservoting teilzunehmen.
Loading...

Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.