Gleich zu Beginn erfährt der Leser, was das Ziel des Buches ist: Die Lektüre soll ihn in die Lage versetzen, die Fremdsprache „Bewerbisch“ zu erlernen, die jeder Personalchef und Headhunter bereits perfekt beherrscht. Françoise Hauser macht darauf aufmerksam, welche Redewendungen vom Bewerber unbedingt vermieden werden müssen und macht konkrete Verbesserungsvorschläge. In Tabellenform liefert sie eine entsprechende Übersetzung, wie sie jeder vom Erlernen einer Fremdsprache her kennt. Initiativbewerbungen sind laut Autorin Blindbewerbungen, da sie ins blinde Verderben führen.

Anhand einiger Beispiele von Stellenausschreibungen macht sie dem Leser deutlich, was die stilvollen Umschreibungen tatsächlich bedeuten. Denn auch hier bemächtigen sich die Unternehmen einer ähnlichen Sprache wie in einem Reiseprospekt, die Auslegungssache ist. Natürlich gibt Françoise Hauser auch Tipps, wie auf eine Stellenausschreibung geantwortet werden kann, zumal „Schwächen und Lücken vergoldet werden müssen“. Eine Tabelle Bewerbisch-Deutsch fehlt auch an dieser Stelle nicht. Zum Thema Lebenslauf rät die Autorin, die veralteten Berufsbezeichnungen durch zeitgemäße Begriffe zu ersetzen und selbstverständlich geht sie auf die wichtigsten Fragen ein, die bei einem Vorstellungsgespräch gestellt werden, wie beispielsweise Würden Sie für mich aus dem Fenster springen?. Es liegt auf der Hand, dass jeder auf eine solche Frage vorbereitet sein muss und man sollte auch die zehn absoluten Tabus kennen, die nicht angesprochen werden dürfen. Eine ganz besondere Bedeutung kommt dem Bewerbungsfoto zu. Für den Leser gibt es zum besseren Verständnis eine Auswahl von Bildern: Ein schlechtes Beispiel ist das mit einer WC-Bürste in der Hand schwingende und ein positives, wenn für eine Bewerbung bei einem Fitness-Studio ein freier Oberkörper mit dem Bizeps gezeigt wird. Letzten Endes gibt es auch eine Anleitung, um im Assessment-Center nicht in eine Falle zu tappen.

Das Buch Würden Sie für mich aus dem Fenster springen? von Françoise Hauser ist eine Persiflage auf die Methoden, die bei einer Stellenausschreibung und das eventuell folgende Kennenlernen von Unternehmen nur zu gerne angewendet werden. In amüsantem und satirischem Stil geht es um unbezahlte Überstunden, befristete Arbeitsverträge, arbeitnehmerischen Einsatz auf Abruf oder, um es mit einem Wort zu sagen, um Ausbeutung! Wenn man sich auch über einige Beispiele im Buch schlapp lachen könnte, so ist doch fraglich, ob den Betroffenen selbst das Lachen nicht schon längst vergangen ist. Als potentielle Leser bleiben fast nur noch die übrig, die sich auf Kosten der Arbeitsuchenden amüsieren. Vielleicht wäre es von der Journalistin Françoise Hauser besser gewesen, einzelne Sequenzen in einer Kolumne zu veröffentlichen, anstatt ihre ohne Zweifel guten Ideen und Umschreibungen in so geballter Form zu präsentieren.

Françoise Hauser, Würden Sie für mich aus dem Fenster springen?, Herder Verlag 2013, Taschenbuch, 176 Seiten, ISBN 978-3-451-06638-2, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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