Bierleichen von Su Turhan

BierleichenBierleichen bereiten den beiden Teams von Kommissariatsleiter Franz Weniger Kopfzerbrechen. Im Wittelsbacher Brunnen, genau in der Stadtmitte von München, finden sie die Leiche des Studenten Ömer Özkan, der zu einem Fall für das Sonderdezernat unter der Leitung von Zeki Demirbilek wird, das für Opfer oder auch Täter mit Migrationshintergrund zuständig ist. Einen weiteren Leichenfund gibt es für den Kriminalbeamten Pius Leipold und seine Kollegen nach einem Bierfestival. Die Bierkönigin Manuela Weigl, die in der Brauerei Mingabräu beschäftigt war, wird im Park mit einem Halswirbelbruch aufgefunden. Sie muss mit einem ungewöhnlichen Gegenstand niedergeschlagen worden sein. Eine Zusammenarbeit der Kommissare Zeki Demirbilek und Pius Leipold ist unumgänglich, als feststeht, dass der Henkel des zerbrochenen Bierkruges, den Ömer Özkan noch in seiner Hand hielt, von Mingabräu stammt. Obwohl die Obduktion einen stark alkoholisierten Zustand nachweist, soll er nach Zeugenbefragungen nie Alkohol zu sich genommen haben. Die tote Bierkönigin Manuela Weigl unterhielt, wie die Ermittlungen ergeben, ein kurzzeitiges Verhältnis mit Florian Dietl, dem Sohn des Hopfenbrauers Hannes Dietl. Florian ist jedoch mit der bedeutend älteren Karin Zeil befreundet. Seit zwei Wochen ist Süleyman Bayrak, der bereits in Izmir eine Brauerei besitzt, der neue Besitzer der Mingabräu. Karin Zeil ist seine Assistentin, die ihrerseits früher eine eigene Brauerei besaß, deren Lehrling Jochen Vester war, der heute ebenfalls bei Mingabräu beschäftigt ist.

Die Ermittler verfolgen eine Spur zur rechtsradikalen Szene, haben es mit einer nicht existierenden Firma zu tun, die angeblich die neue Malzsorte nach der Umstellung auf Naturtrüb liefert und müssen einen weiteren Tod aufklären. Sie stellen eine Festplatte sicher, nehmen am Flughafen eine Verfolgung auf und bitten den Kollegen Selim Kaymaz in Istanbul um Unterstützung.

Den Sonderdezernatsleiter Zeki Demirbilek, der wegen seines machohaften Verhaltens für alle ein „Pascha“ ist, trifft es in dem Kriminalroman Bierleichen von Su Turhan besonders schlimm, denn es ist ausgerechnet im August der islamische Fastenmonat Ramadan. So fällt es ihm oft schwer, sich zu konzentrieren, wenn er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken darf. Er setzt sich so ziemlich über alle Regeln hinweg, womit er seinen Kollegen Pius Leipold oft vor den Kopf stößt. Vor seinem Vorgesetzten hält er ermittlungsrelevante Zusammenhänge zurück, der ihn allerdings wegen seiner hohen Aufklärungsquote gewähren lässt. Die gewöhnungsbedürftigen türkischen Namen erfordern vom Leser eine erhöhte Aufmerksamkeit, zumal Su Terhan einmal nur die Vornamen, ein anderes Mal nur die Nachnamen nennt. Der Leser kann sich gut in die Situation eines Fastenden während des Ramadan hineinversetzen, der die Minuten bis zum Sonnenuntergang zählt. Dann schmeckt sogar das Leitungswasser am Abend besser als ein frisch gezapftes Weißbier! Su Terhan vermittelt dem Leser einen kritischen Eindruck vom pulsierenden Leben der erdbebengefährdeten Metropole Istanbul und von der Kultur des Islam. Die Brauerei Mingbräu ist ein Produkt seiner schriftstellerischen Freiheit, nicht allerdings der Wittelsbacher Brunnen oder das Branding, ein Brandzeichen früherer Sklaven, das heute als Zeichen der „Verschönerung“ gilt. Der verwobene Kriminalroman lebt von dem Verhältnis der unterschiedlichen Charaktere der Kommissare Zeki und Pius, die eine eher das Arbeitsklima belastende Beziehung zueinander pflegen, was jedoch auch den besonderen Reiz des Krimis ausmacht!

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Bierleichen von Su Turhan

  • Knaur Verlag 2013
  • Taschenbuch
  • 368 Seiten
  • ISBN 978-3-426-51364-4
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