Persönlichkeitsprofile werden heute von Psychologen erstellt, Firmen bedienen sich einem beruflichen Profiling bei der Auswahl ihrer Bewerber und in der Kriminalistik wird ein Täterprofil angelegt. Spezialist für die Erstellung eines Profilings ist Hauptkommissar Falko Cornelsen in dem Kriminalroman Sekundentod von Petra Mattfeldt: Die Bestsellerautorin Rebecca Ganter wird an einen Stuhl gefesselt, mit Ohropax in der Nase und einem mit Sekundenkleber verschlossenen Mund erstickt aufgefunden. Gestohlen wurden eine auffällige Armbanduhr und ein ausgefallenes Laptop. In Gesprächen mit ihrem Agenten, Verlagsleiter und ihrer Lektorin erfahren Falko Cornelsen und seine Kollegen Timo Breitenbach, Sarah Bischoff und Rolf Kramer, dass die Ermordete ein eher eigenwilliges Leben geführt hat. Als sie sich näher mit einem ihrer Romane beschäftigen, in dem sie detailliert die Foltermethode beschreibt, die zu ihrem Tod geführt hat, werden sie stutzig.

Falko Cornelsen stellt mit Miniaturbauten den Mord nach und versucht auf diese Weise, ein Profiling des oder der Täter zu erstellen. Doch der Fall scheint nicht auf Lüneburg begrenzt zu sein, denn von seinem Kollegen Harald Kunst aus Düsseldorf erhält er die Nachricht vom Tod zweier Frauen, die auch nach Methoden gestorben sind, die Rebecca Ganter in ihren Romanen beschrieben hat. Die nachgestellten Romanmorde ergeben für alle absolut keinen Sinn und sie konzentrieren ihre Suche auf die Armbanduhr und das Laptop. Die Fingerabdrücke auf der aufgefundenen Uhr führen die Ermittler zu Rafael Langer, der vom Jurastudenten zum Drogenabhängigen abgestiegen ist. So ungewöhnlich seine Vergangenheit ist, findet sich keine Verbindung von ihm zu Rebecca und keine zu den toten Frauen. Um endlich voran zu kommen, fährt Falko Cornelsen zu Harald Kunst nach Düsseldorf. Doch dort gehen neue Vermisstenanzeigen ein, es gibt weitere Leichenfunde, die Ermittlungen überschlagen sich und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Petra Mattfeldt legt mit ihrem ersten Kriminalroman einen spannenden und ausgefeilten Plot vor. Wenn der Leser für gewöhnlich am Ende eines Romans mit einer Wendung überrascht wird, gelingt es der Autorin hier bereits im Prolog. Denn nicht etwa der liebevolle Ehemann will seine Frau Kerstin überraschen, sondern ihr Entführer lauert ihr auf. Ihr Schicksal und das weiterer Frauen lässt den Leser mit ihnen zittern, wobei die Autorin nicht mit brutalen Schilderungen spart. Diese scheinbar in keinem Zusammenhang stehenden Kapitel wechseln mit der Aufklärung des Mordfalls an Rebecca Ganter, wobei das Privatleben von Falko Cornelsen auch nicht zu kurz kommt. Er hat es mit komplizierten Charakteren zu tun und so undurchsichtig sich die Mordmotive für ihn und den Leser darstellen mögen, so logisch baut Petra Mattfeldt die Handlung auf und es fügt sich am Ende alles zu einem Ganzen. Ihrem Protagonisten verleiht sie eine starke Persönlichkeit, der sich in jeder Situation tadellos verhält und dank seiner operativen Fallanalysen hohe Aufklärungsquoten erzielt. Der Autorin ist mit Sekundentod ein mitreißender und überaus beachtlicher Krimi gelungen, der durchweg so spannend ist, dass man glauben könnte, durch schnelleres Lesen Falko Cornelsen zu einer schnelleren Auflösung zu verhelfen.

Petra Mattfeldt, Sekundentod, Knaur Verlag 2014, Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN 978-3-426-51445-0, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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