Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte von Emmy Abrahamson

Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebteNach einer nur zweiwöchigen Ausbildung als Englischlehrerin unterrichtet die aus Schweden stammende Julia an einer Berlitz-Schule in Wien. Die neunundzwanzigjährige, ehemalige Journalistin wohnt in einem Altbau, und da sie von einem Erfolg als Schriftstellerin träumt, bewundert sie ihre Nachbarin Elfriede Jelinek, eine Nobelpreisträgerin. Nach dem Ende einer Beziehung langweilt sich Julia und sieht so viele Serien im Fernsehen an, dass sie schon glaubt, eine der Figuren zu sein. Sie hat ein Date mit Stephan, weiß aber schnell, dass es kein weiteres Treffen mit ihm geben wird. Ihre Langeweile hält an, bis sie mit einem Penner ins Gespräch kommt, der sich ihr als Ben vorstellt. Er hat nicht nur schmutzige Hände, sondern auch Füße, da er keine Schuhe trägt. Seine Haare sind verfilzt, er stinkt und nennt eine Hecke im Stadtpark sein Zuhause. Aber der aus Kanada stammende junge Mann ist humorvoll, was Julia imponiert. Während sie noch nicht davon überzeugt ist, ihn jemals wiederzusehen, spricht er schon von Heirat und Kindern.

Julia erzählt ihre Geschichte, Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte in der Ich-Form. Nur kurz und ganz nebenbei lässt Emmy Abrahamson kritische Anmerkungen in den Plot einfließen: Mal sind es Kinder, die nach der Tschernobyl-Katastrophe ohne Gliedmaßen zur Welt kamen oder die seit Ende der 1990er Jahre drastisch zunehmende Bedrohung der kanadischen Kiefernwälder durch den Bergkiefernkäfer, ein anderes Mal sind es bettelnde Indianer. Der Leser erfährt, dass seit 2011 in Kanada Banknoten nicht mehr aus Papier, sondern aus einer Kunststoff-Folie bestehen, weshalb sie einige als Plastik-Banknoten bezeichnen, und er erlangt auch Kenntnis über das Slumviertel Downtown East Side in Vancouver, in dem man vergeblich gegen den Drogenkonsum ankämpft.

Die Textpassagen, in denen Julia zum größten Teil Arbeitslose unterrichtet, ziehen sich in die Länge, weil sich vieles wiederholt. Interessanter wird der Plot immer dann, wenn Julia mit Ben ins Gespräch kommt. Aber auch, als sie selbst nach Kanada reist und mit einer Gruppe zum Zelten aufbricht, kann die Autorin das Interesse des Lesers mit vielen neuen Informationen wecken. Allerdings stellt sich die Frage, wie die Protagonistin einen Badezimmerschrank haben kann, wenn die Dusche in der Küche ihrer Altbauwohnung untergebracht ist. Doch davon abgesehen, wird der Leser durch die ungewöhnliche Idee, dass sich eine bürgerliche, junge Frau mit einem Nichtsesshaften einlässt, und dem flotten Schreibstil von Emmy Abrahamson gut unterhalten.

Emmy Abrahamson, Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte , dtv 2018, Taschenbuch, 288 Seiten, ISBN 978-3-423-21726-2, Preis: 9,95 Euro.

Bildquelle: dtv

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