Fanø ist eine dänische Insel im Wattenmeer, nördlich von Sylt gelegen. Auf diese Insel wird Klara ganz überraschend von ihrer Mutter Elisabeth eingeladen, weil deren Mann beruflich verhindert ist und sie nicht begleiten kann. Klara fällt die Entscheidung nicht leicht, denn zum einen hat sie noch eine Menge Arbeit für ihren Verlag zu erledigen, und eine Woche zusammen mit ihrer durchorganisierten und hektischen Mutter würde nicht gerade eine Erholung werden. Schließlich willigt sie im Hinblick auf die abgekühlte Liebe und angespannte Beziehung zu ihrem Mann Johann doch ein.

Nach einer heftigen Auseinandersetzung der beiden Frauen kommt es auf regennasser Fahrbahn zu einem Unfall. Zum Glück eilt ihnen sofort Mads Olsen zu Hilfe und fährt sie zum nächsten Krankenhaus. Vom behandelnden Arzt erfährt Klara, dass ihre Mutter infolge des Schocks ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Untersuchungen an der an einer vorübergehenden Amnesie Leidenden ergeben aber auch einen weiteren beunruhigenden Befund. Klara benachrichtigt sowohl ihren Vater, als auch ihren Bruder Ben. Doch zu ihrem Erstaunen sind die völlig überrascht, als sie erfahren, dass sich Mutter und Tochter auf Fanø befinden. Hat ihre Mutter nicht gesagt, wohin sie fährt? Für Klara ergibt das alles keinen Sinn. Noch mehr ist sie von dem Inhalt eines Briefes überrascht, den sie bei den Sachen ihrer Mutter vorfindet und von dem diese offensichtlich niemandem etwas sagen wollte. Erst, als Klara zufällig ein Gespräch ihres Vaters belauscht, wird ihr einiges klar. Doch muss sie mit Äußerungen vorsichtig sein, weil sie nicht wissen kann, wer aus ihrer Familie wie viel weiß.

Anette Beckmann hat in ihrem Roman Wann, wenn nicht morgen das Hauptaugenmerk auf die Beziehung von Mutter und Tochter, sowie auf die sich anbahnende Affäre zwischen Klara und Mads gelegt, wobei nicht eindeutig ist, ob es der Autorin in erster Linie um eine Liebesbeziehung ging, die einen Rahmen brauchte, oder eine Mutter-Tochter-Beziehung, bei der eine Romanze der Auflockerung dienen sollte. Auf jeden Fall versteht sie es, alle Handlungen und Orte sehr detailreich zu beschreiben, so dass sich der Leser mitten ins Geschehen hineinversetzt fühlt und vor seinem geistigen Auge alles lebendig werden lassen kann. Er wird mitgenommen in das tatsächlich existierende Café Nanas Stue und auch in das von allen Gästen hoch gelobte, edle, aber teure Hotel Kro.

Wirklich viel ereignet sich nicht, was allerdings nicht bedeutet, dass die Handlung für die Protagonisten nicht große Veränderungen mit sich bringt. Schließlich lernt Klara erst durch den Autounfall Mads kennen und lieben. Einen Mann, der sich rührend um sie kümmert und ihr zeigt, dass sie ihm etwas bedeutet. Von ihrem sehr erfolgreichen Mann Johann ist sie ohnehin enttäuscht und glücklich wähnt sie sich schon seit langem nicht mehr. Sie weiß, dass sie mit ihm reden und zurück nach Hamburg fahren muss, aber Wann, wenn nicht morgen?

Anette Beckmann, Wann, wenn nicht morgen, Deutscher Taschenbuch Verlag 2016, Klappenbroschur, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-26100-5, Preis: 14,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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