Im Naturschutzgebiet Silberbirke wird am Greifensee die Leiche eines alten Mannes gefunden, deren eine Gesichtshälfte zerschlagen ist. Werner Meier von der Kantonspolizei Waldstadt soll die Ermittlungen direkt im Anschluss an seinen dreimonatigen Vaterschaftsurlaub leiten. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Toten um Johan Havemann, den Besitzer der Pension Seeblick, der erst am Abend zuvor an einer Versammlung in Waldbach teilgenommen hat. Unter Leitung ihrer Präsidentin Hannah Lienert hat die Gemeinde ihre Zustimmung für ein ökologisches Luxusresort, das VillageGreen gegeben, deren Projektleiter Felix C. Blauwyter ist. Der Mordverdacht fällt auf den Ranger Birk Hahn, weil er gegen das Projekt war. Werner Meiers Assistentin Sabine Barras, kurz Beanie genannt, wird von Staatsanwalt Kretschmer, dessen Chef Fausto Signoretti ist, zusätzlich mit der besonderen Aufgabe betreut, eine undichte Stelle unter den Kollegen zu finden. Seiner Ansicht nach muss es einen Maulwurf geben.

Werner Meier quält jedoch nicht nur die äußerst verzwickte Suche nach dem Mörder, sondern auch noch ein hartnäckiger Hexenschuss, dem er mit rosa Pillen auf den Leib rückt. Außerdem steht es um sein Verhältnis zu Zita Schnyder, der Mutter seines achtmonatigen Sohnes Finn, gerade nicht zum besten, so dass er oft genötigt ist, den Kleinen mit zum Dienst zu nehmen oder in die Obhut seiner Sekretärin oder in die seiner Vermieterin Helen Himmel zu geben. Die wiederum sorgt sich um ihre verschwundene Tochter Marie, ohne zu ahnen, dass die ein Verhältnis zu Blauwyter unterhält, der nichts anderes im Kopf hat, als Luxuswohnungen für Betuchte auf zu Bauland erklärtem Feld in dem nur eine halbe Stunde von Zürich entfernten Dorf zu errichten.

Bei den Ermittlungen stößt Werner Meier auf allerhand Ungereimtheiten. Aus Lilo Lienert, der Mutter von Hannah, wird er nicht schlau und noch weniger aus der stummen Josefa, Tochter des ermordeten Johan Havemann. Der einzige, der die Fäden zieht und alle um den Finger wickeln kann, ist Frauenschwarm Blauwyter.

Bei dem Kriminalroman Sicht Unsichtbar von Gabriela Kasperski handelt es sich bereits um den dritten Fall einer Serie, dem durch diverse Irrungen auch der Stempel einer Kriminalkomödie aufgedruckt werden könnte. Immer wieder verlässt eine Person gerade einen Ort, der unmittelbar darauf von einer anderen aufgesucht wird. Häufig laufen so dummerweise einige aneinander vorbei, obwohl sie sich seit Stunden suchen. Es kommt aber auch vor, dass eine für Werner Meier wichtige Information ihn nicht erreicht, weil er sich mit der Begründung entfernt, dass er Wichtigeres zu tun hat und ganz dringend weg muss. So befindet sich auch sein kleiner Sohn häufig überall und nirgends und weder er, noch seine Lebensgefährtin behalten den Überblick.

Der durchweg in einem flüssigen Schreibstil, gespickt mit einigen schweizerischen Besonderheiten in den Ausdrücken, gehaltene Kriminalroman Sicht Unsichtbar erstreckt sich auf einen Handlungsspielraum von vier Tagen. Mit witzigen Wortspielereien der leicht schusseligen Beamten oder einer völlig überraschenden, amüsanten Erklärung eines Poetry-Slam-Auftritts sorgt er für gute Unterhaltung. Die Autorin hat sich für eine ihrer Figuren mit einem Storchennest ein höchst ungewöhnliches Versteck ausgedacht und besonders weibliche Leser bringt sie durch die Überforderung von Werner Meier mit seinem Baby zum Schmunzeln. Trotz einer nicht zu entbehrenden Komik greift Gabriela Kasperski aber auch mit einem Giftmüllskandal, der sich hinter dem Öko-Projekt verbirgt, ein ernstes und brisantes Thema auf. So geht sie auch auf die Beziehung von Werner Meier und Zita Schnyder, die so ganz nebenbei oft mehr weiß als der Ermittler selbst, ausführlich ein und ebenso auf so manche Mauschelei im Dorf. Mit einer unvorhersehbaren Auflösung, die ein dunkles Kapitel zu Tage fördert, kann sie den Leser einmal mehr überraschen.

Gabriela Kasperski, Sicht Unsichtbar, Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat 2016, Broschur, 408 Seiten, ISBN 978-3-95645-767-8, Preis: 20,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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