Triceratops von Stephan Roiss

TriceratopsIm Leben des namenlosen Protagonisten des Romans „Triceratops“ existieren glückliche Tage nur noch in der Erinnerung. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr war er Bettnässer, er leidet an einem stark juckenden Ekzem, das mit Cortison behandelt wird, er kaut an seinen Nägeln und in sein Schulheft malt er Monster. Seine Mutter wurde mehrmals in einer geschlossenen Anstalt aufgenommen, mit Stromschlägen malträtiert und mit Neuroleptika behandelt. Der Vater, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und dennoch die Schule mit der Matura abschloss, hatte eigentlich studieren wollen, doch ein Unfall, so hat es die Großmutter aus Aschbach dem Protagonisten erzählt, hat ihn frühzeitig zum Vater einer kleinen Tochter gemacht. Deren Blicke gehen häufig nur ins Leere, anderen Menschen sieht sie kaum in die Augen.

Wenn die Mutter in die Klinik geht und der Vater zur Arbeit muss, wird der Junge zu seiner Aschbach-Großmutter oder zur Tante gegeben. Mit anderen Firmlingen verreist er und spricht von der zur Gruppe gehörenden Silvana als seiner zweiten großen Liebe. Später macht er die Bekanntschaft eines Mädchens mit Irokesenschnitt, die sich Helix nennt und sich darüber wundert, dass er weder raucht, noch trinkt. Da er ihr nicht antwortet, hält sie ihn für stumm.

Als erstes fällt bei dem Roman „Triceratops“ von Stephan Roiss auf, dass der Protagonist von WIR redet, wenn er nur sich selbst meint. Der Zeitpunkt der Handlung muss noch vor dem Jahr 2002 liegen, da der Schilling Zahlungsmittel ist. Vom Protagonisten wird nicht nur sein Name verschwiegen, sondern auch sein Alter. Lediglich die Hinweise, dass er ein Firmling ist und ein Kondom verwendet hat, können dem Leser einen ungefähren Anhaltspunkt auf dessen Alter geben. Die Handlung selbst erstreckt sich wohl über einige Jahre, da seine Schwester in diesem Zeitraum ihren Freund heiratet und ein Kind bekommt.

Auch wenn der Protagonist zu den geschilderten Ereignissen seiner Klaff-Großeltern noch nicht auf der Welt war, so wird in dem Roman in Erzählform berichtet, dass sein Großvater im Krieg war, in Gefangenschaft geriet und sich später erhängt hat. Der Autor thematisiert das Leben nach dem Krieg und äußert kritische Worte, wenn er von einer „Erziehung durch Gürtel und Teppichklopfer“ schreibt. Der Heranwachsende verbindet mit seiner Aschbach-Großmutter viele Erinnerungen. Seine Mutter, die er zur Beruhigung streichelt, ist zwar fürsorglich, verliert aber leicht die Nerven. Offensichtlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass er zu seiner Mutter geht, wenn sie weint, welches er jedoch eines Tages bricht, sich in sein Zimmer verbarrikadiert und das Radio aufdreht.

„Triceratops“ ist der Debütroman von Stephan Roiss. Auszüge daraus wurden bereits in den Jahren 2016 und 2018 mit Förderpreisen ausgezeichnet. Doch vor dem Hintergrund, dass der Plot größtenteils aus übergangslos aufeinanderfolgenden Fragmenten besteht, die entweder schwer, oder gar nicht zuzuordnen sind, überraschen diese Auszeichnungen. Bis zum Schluss irritiert es, wenn der Protagonist von sich in der WIR-Form redet und oftmals wird sich ein Leser fragen, was ihm der Autor mit dem einen oder anderen Absatz sagen will. Zweifellos geht es in dem Roman in erster Linie um einen einsamen Menschen, der Halt sucht und aus dem Alltag auszubrechen versucht, aber auch um die Mutter und Schwester, die beide mit ihrem Leben nicht zurechtkommen. Eine breite Leserschaft wird Stephan Roiss mit diesem ungewöhnlichen Schreibstil wohl nicht erreichen.

Triceratops von Stephan Roiss

Triceratops
Kremayr & Scheriau 2020
Hardcover mit Schutzumschlag
208 Seiten
ISBN 978-3-218-01229-4

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Bildquelle: Kremayr & Scheriau


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