Friss oder stirb von Barbara Rieger

Friss oder stirb„Essstörungen“, so ist auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit zu lesen, „gehören zu den häufigsten chronischen psychischen Störungen im Erwachsenenalter.“ In dem Roman „Friss oder stirb“ hat Barbara Rieger das Leben einer Frau mit Essstörungen über einen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren nachgezeichnet. Ihre Protagonistin Anna sitzt mit siebenunddreißig Jahren bei einer Therapeutin, mit der sie die Ursachen ihrer Störungen ergründen will. Zwecks Erinnerung blättert sie in ihren umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen:

Mit vierzehn Jahren besucht Anna das Gymnasium. Sie wohnt mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Heinz zusammen. Ihren leiblichen Vater kennt sie nicht. Vom wenigen Essen ist ihr häufig schwindelig, was andere jedoch auf ihr Wachstum oder den Kreislauf zurückführen. Mit ihrer besten Freundin Petra, Edi und Kurt probiert sie ihren ersten Joint. Ihre Mutter verbietet Anna, mit Kurt, den sie liebt, zu schlafen, was sie jedoch missachtet.

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Und wie wir hassen! von Lydia Haider (Hrsg.)

Und wie wir hassen!Das Buch „Und wie wir hassen!“ ist eine Anthologie mit Hetzreden, die an Absurdität und Eigentümlichkeit kaum zu überbieten sind, für das die Herausgeberin Lydia Haider fünfzehn Autorinnen gewinnen konnte. In zwei Geschichten werden ohne erkennbaren Zusammenhang Dinge benannt, gegen die eine Person abgrundtiefen Hass empfindet. Jemand stellt in einem Brief an eine Jury mit Bedauern fest, dass die Erwartungen des Literaturgerichts nicht erfüllt werden können, während jemand anderes einen Brief von einer Person erhält, die sich für ein Genie hält. Eine Mutter verachtet ihren mittlerweile zwanzigjährigen Sohn zutiefst, einem Tagebuch wird all das anvertraut, was dem Schreiber missfällt, und in Gedichtform macht ein Mensch in vier Teilstücken, die sich über das Buch erstrecken, auf die Ungerechtigkeiten in dieser Welt aufmerksam.

Eine Geschichte handelt von den Erinnerungen an die Schulzeit. Eine Person schreibt über vier Zumutungen samt einem Nachschlag, eine andere klagt Wichtigtuer, Dummschwätzer, Vollpfosten und alle an, die sich in diese Liste einreihen können.

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Wenn Rot kommt von Petra Piuk

Wenn Rot kommtEin junges Paar verbringt einige Tage in Las Vegas. Noch berauscht vom letzten Abend wacht Lisa in einem Hotelzimmer auf. Es fällt ihr schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie erinnert sich daran, Mojito getrunken zu haben, aber auch daran, dass sie nicht so viel trinken wollte, da sie mit ihrem Freund nach Hause fliegen muss. Doch wo bleibt Tom? Ihr Reisepass scheint auch nicht im Zimmer zu sein. Sie kann kaum aufstehen und ihr fehlen zwölf Stunden, die einfach aus ihrem Gedächtnis gelöscht sind. Irgendjemand muss Drogen in ihren Drink gemischt haben. Hat Tom ihr die Drogen untergemischt? Sie muss sich aufraffen und ihn finden. Hat er das Geld für den Rückflug verspielt? Oder ist er bei einer anderen? Immerhin hat er sie schon einmal betrogen. Nach ihrer ergebnislosen Suche stellt sie mit Entsetzen fest, dass ihr nur noch dreißig Minuten zum Packen und Duschen bleiben, bevor sie sich auf den Weg zum Flughafen machen muss.

Die Geschichte „Wenn Rot kommt“ verwirrt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Zunächst fällt auf, dass die Kapitel numerisch nicht geordnet sind. Das Schriftbild wechselt in Größe und Farbe, gelegentlich ist der Druck auch fett und die Sätze sind oftmals nicht vollständig, denn das letzte Wort fehlt.

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Triceratops von Stephan Roiss

TriceratopsIm Leben des namenlosen Protagonisten des Romans „Triceratops“ existieren glückliche Tage nur noch in der Erinnerung. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr war er Bettnässer, er leidet an einem stark juckenden Ekzem, das mit Cortison behandelt wird, er kaut an seinen Nägeln und in sein Schulheft malt er Monster. Seine Mutter wurde mehrmals in einer geschlossenen Anstalt aufgenommen, mit Stromschlägen malträtiert und mit Neuroleptika behandelt. Der Vater, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und dennoch die Schule mit der Matura abschloss, hatte eigentlich studieren wollen, doch ein Unfall, so hat es die Großmutter aus Aschbach dem Protagonisten erzählt, hat ihn frühzeitig zum Vater einer kleinen Tochter gemacht. Deren Blicke gehen häufig nur ins Leere, anderen Menschen sieht sie kaum in die Augen.

Wenn die Mutter in die Klinik geht und der Vater zur Arbeit muss, wird der Junge zu seiner Aschbach-Großmutter oder zur Tante gegeben. Mit anderen Firmlingen verreist er und spricht von der zur Gruppe gehörenden Silvana als seiner zweiten großen Liebe.

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Micky halbiert sich (nicht) von Michael Klemsch

Micky halbiert sich (nicht)Michael Klemsch kann ein Lied davon singen, wie er über Jahrzehnte immer wieder erfolglos versucht hat, dauerhaft Gewicht zu verlieren. In seinem autobiografischen Buch „Micky halbiert sich (nicht)“ hat er Stationen seines Lebens aufgezeichnet. So war er als Kind, und auch noch als Jugendlicher sportlich und dünn gewesen. Doch mit drei-/vierundzwanzig Jahren setzte eine kontinuierliche Gewichtszunahme ein, die rasch zum ersten Mal die 200 kg Grenze erreichte, was er darauf zurückführt, dass er beruflich bedingt keinen Sport mehr treiben konnte. Der Wiener meldet sich bei der österreichischen Rality-Show „Du bist, was du isst“, beantragt eine Kur und wird Vater eines Sohnes. Mit ihm geht er heute gerne zum Schwimmen und fährt auf einem speziellen, für sein Gewicht ausgelegtes Rad.

Kurzfristig zeitigen alle seine Diäten einen Erfolg, doch der Jojo-Effekt schlägt unbarmherzig zu. Michael Klemsch hilft auch nicht eine Ausbildung zum Ernährungsvorsorgecoach, denn trotz seiner Kenntnisse begeht er beim Essen weiterhin Fehler. Er vermutet, dass die Psyche den „Verstand gekonnt ausspielt“.

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Sonnenkönige von Marianne Jungmaier

SonnenkönigeAidan Ignis arbeitet als Journalist bei einem Verlagshaus in Kreuzberg, wo er auch Hannah kennengelernt hat. Er führt mit ihr eine offene Beziehung und lebt sowohl mit ihr, als auch mit Cherry und Sam zusammen. Sie lieben es, auf Partys zu gehen, Drogen zu konsumieren und teilen die Vorliebe für die Berliner BDSM-Szene. Für das Wüstenfestival Favilla in Nevada baut Aidan in seinem Keller einen Drachen aus Esche, der dort in Flammen aufgehen soll. Als es für ihn mit einem unbefristeten Vertrag beruflich aufwärts geht, ist Hannah verärgert, da sie sich schon seit längerem als Anwärterin auf diesen Posten gesehen hat. Der Ärger führt zu einer Beziehungspause, doch kann Aidan diese Lücke schnell mit Bill besetzen, den er auf einer Party im Wald kennengelernt hat.

Die Handlungspersonen in dem Roman „Sonnenkönige“ von Marianne Jungmaier leben in einer Welt, die den meisten Menschen fremd ist. Sie rauchen Joints, konsumieren Kokain, LSD sowie Ketamin und saugen das in den Kapseln der Sahnespender enthaltene Lachgas zu Rauschzwecken ein.

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Tau von Thomas Mulitzer

TauEin junger Mann reist im Auftrag von Professor Lavie in seinen Heimatort zu seinem Großvater, um in dem Gebirgsdorf Weng die Überschneidungen des Lebensweges seiner Großeltern mit dem eines Literaten zu ergründen, der einen skandalträchtigen Roman über das Dorf geschrieben hat. Der junge Mann soll vor Ort alles schriftlich aufzeichnen, die Begegnungen und Gespräche sowie seine Gedanken und die Erzählungen seines Großvaters, der ihm von der Zeit des Krieges und den Einheimischen berichtet. Als ihn sein Enkel auf den Schriftsteller und dessen Roman anspricht, reagiert der Großvater empört und behauptet, das Buch würde nur Lügengeschichten enthalten. Um mehr über jenen Autor zu erfahren, holt der junge Mann Erkundigungen im örtlichen Museum ein. Er besucht Lesungen und eine Podiumsdiskussion, nimmt an einer Tagung teil, unternimmt Wanderungen und begleitet seinen Großvater immer wieder zum Gottesdienst. Außerdem trifft er auf seine Jugendliebe Julia, wobei er besonderes Interesse an dem Schicksal ihres in einem Armenhaus untergekommenen und später verschwundenen Urgroßvaters zeigt.

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