Bei der Geburt von Egon im April 1933 stirbt seine Mutter Anna und der kleine Junge wird von einer Pflegemutter zur nächsten gereicht. Das ändert sich erst, als sich sein Vater mit Annemarie vermählt, die sich liebevoll um Egon kümmert. Seine Leidenschaft gilt dem Fußballspiel sowie dem Verein Hertha BSC Berlin und er träumt davon, einmal in letzter Minute ein entscheidendes Tor zu schießen. Egon mag anfangs den neu hinzugezogenen Jungen Karl-Heinz, kurz Kalle, gar nicht. Doch dann muss er notgedrungen mit ihm in einer Mannschaft spielen. Langsam freunden sich die beiden an, kleben Sammelbilder der Fußballstars in Alben ein, sehen den Mädchen scheu hinterher und schießen mit Mit Erbsen auf Soldaten. Eines Tages erreicht Egons Vater der Gestellungsbefehl.

Der Krieg beschert ewigen Hunger und beim Blick in den leeren Kühlschrank träumt Egon von Sonntagsbraten und Eierkuchen mit Blaubeeren. In Trümmern sucht er nach Essbarem und teilt das Wenige noch mit seinem Kumpel Heinrich und seiner Familie, denen es noch schlechter geht. Egon sorgt sich um seinen Vater und wartet ungeduldig auf Nachricht von ihm. Die Reihen in den Klassen lichten sich und auch die älteren Jungen, mit denen er Fußball spielte, sind bereits zum Kriegsdienst eingezogen worden. Egon leidet unter Schlafstörungen und ebenso wie Kalle, der mittlerweile sein bester Freund ist, fürchtet er sich vor einem Einsatz als Flakhelfer. Endlich geht für die Jungen ein Traum in Erfüllung und die Chance auf eine Karriere als Fußballer rückt in greifbare Nähe. Doch nur einer kann aufgenommen werden, wobei Kalle damit der Kriegsdienst erspart werden könnte. Verzweifelt muss Egon eine Entscheidung treffen.

Barbara Schilling lässt in dem Buch Mit Erbsen auf Soldaten den Protagonisten Egon in der Ich-Form erzählen. Sie erinnert den Leser an Zeiten, als Männer noch zum Frühschoppen gingen und eine hohe Kinderzahl mit einer hohen Kindersterblichkeit einherging. Die allgemeine Wohnsituation war schlecht und auf dem Flur musste man vor der einzigen Toilette Schlange stehen. Durch die Bombenangriffe während des Krieges verbrachten die Menschen oft Stunden in den Luftschutzräumen und die Kinder kamen zur Kinderlandverschickung. Wer keine Schuhe besaß, hatte stattdessen nur Lumpen an den Füßen und der „Kriegskuchen“ bestand lediglich aus „etwas Mehl, Kaffeesatz, Zichorie und Kunsthonig“. Doch bei aller traurigen Realität erfasst den Leser nicht die Depression, denn Barbara Schilling beschreibt vieles in einem amüsanten Ton. So werden einmal Bonbons als Gastgeschenk überreicht, von denen Egon zuvor die umhüllende Schokolade abgelutscht hat und auch mit der Episode im Schwimmbad wird die Autorin den Leser zum Schmunzeln bringen, in der die Jungen durch kleine, in die Wände gebohrte Löcher den Mädchen beim Umziehen zuschauen. Obwohl Barbara Schilling die Kriegsjahre selbst nicht miterlebt hat, so legt sie mit dem Roman Mit Erbsen auf Soldaten ein erstaunliches Zeitzeugnis vor. Allerdings scheint fraglich, ob zur damaligen Zeit bei einer „monströsen Vereiterung“ im Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung der „Kopf hinter dem Ohr aufgemeißelt“ wurde, wie von der Autorin geschildert. Ihr flüssiger Schreibstil ist hervorzuheben, was allerdings vom Lektorat nicht behauptet werden kann. Die Zahlen des Klappentextes passen nicht zum Inhalt des Buches, denn Egon konnte im Jahr 1944 noch nicht vierzehn sein, weil er erst 1933 geboren wurde.

Barbara Schilling, Mit Erbsen auf Soldaten, Rosenheimer Verlagshaus 2013, Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-475-54189-6, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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