Mit dem dritten Teil, dem autobiografischen Roman Ost – Nord – West, schließt Barbara Endres ihren Lebensbericht ab. In der Verkörperung von Eva zieht sie mit ihrem Mann Michael von Hellingen nach Köln zurück, wo sie auf Freunde stößt, die sie seit Jahrzehnte aus den Augen verloren hat. Die erwachsenen Töchter Sandra und Anni sind in Norddeutschland geblieben und besuchen mit ihren Familien gelegentlich die Eltern in Köln. So auch zum Karnevalsumzug, zu dem sie die vier Enkelkindern mitnehmen. Nach dem Tod ihres Bruders Rolf ist ihr Elternhaus in Klappendorf verkauft worden. Eva hängt häufig alten Erinnerungen nach, an die frühen Kindheitstage in Pollin, an die Flucht, oder wenn sie nur einen Blick aus der neuen Wohnung auf den Rhein wirft, wo ihr Vater ihr das Schwimmen beibrachte.

Der Leser erfährt, wie das erste Weihnachtsfest und der Jahreswechsel in der neuen „alten“ Heimat gefeiert wurden. Eva verbringt mit Michael den Hochzeitstag in Venedig, sie gehen zu Konzerten und den Kölner Lichtern (dem größten musiksynchronen Feuerwerk Deutschlands), sie beschreibt ihren Tagesablauf im Alltag und stellt ihre Bilder aus, wobei sie auch einzelne Werke verkaufen kann. Die Autorin verrät, dass sie mit ihrem Mann viel spazieren geht und wohin sie ihre Urlaubsreisen geführt haben. Sie schreibt von Treffen mit Verwandten und von den Vorbereitungen zur Goldenen Hochzeit.

Mit Entsetzen hat die Autorin vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs gehört und enttäuscht war sie über die billigen Kaufhauskostüme zum Karneval, die sie aus „ihrer Zeit“ nicht kannte. Sie beklagt die allerorts wachsenden Billigläden, die alteingesessene Fachgeschäfte verdrängen. Die allgemeine Gleichgültigkeit und Gefühlskälte bedauert sie genauso, wie das viele Fast-Food Essen. Facebook ist anstelle von Verstecken spielen angesagt. Auch wenn Barbara Endres damit vielen Lesern aus der Seele sprechen wird, so reicht das nicht aus, ihn an das Buch zu fesseln. Mit diesem letzten autobiografischen Roman Ost – Nord – West kann sie leider nicht an die Erfolge der ersten beiden Bände anknüpfen. In Pollin hat sie sehr anschaulich, spannend und ergreifend ihre Flucht zum Ende des Zweiten Weltkrieges geschildert und auch die Fortsetzung Kölner Mosaik bietet als Milieustudie viel Unbekanntes und Interessantes gerade für Leser, die diese Zeit nur vom Hören und Sagen kennen. Doch kaum einen Außenstehenden interessieren die Geburtstags- und Hochzeitsgeschenke, die Beobachtungen vom Balkon, der Wein und die Tapas im Urlaub, Berichte über Familientreffen einschließlich der Informationen, welche Kleidungsstücke getragen werden und wer zum Fest kommt und wer nicht bzw. warum nicht. Für Verwandte oder Bekannte von Barbara Endres mag das selbstverständlich anders sein, zumal das Buch in einem flüssigen Schreibstil gehalten ist. Last but not least finden sich einige Bilder der Künstlerin an entsprechenden Stellen im Buch, zu denen der Leser erfährt, unter welchen Umständen sie entstanden sind. Immerhin hat sich die Autorin mit dieser Reihe einen Lebenstraum erfüllt, was nicht jeder von sich behaupten kann und darauf kann sie stolz sein!

Barbara Endres, Ost – Nord – West, Pro Business Verlag 2013, Broschur, 170 Seiten, ISBN 978-3-86386-444-6, Preis: 13,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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