Das Kind der Wellen von Rebecca Martin

Das Kind der WellenFamilie Sommer besitzt ein Ferienhaus an der Nordseeküste. Als Lisa mit ihrem Mann Lukas sowie den Kindern Johnny, Neo und Millie vor gut einem Jahr in der Villa Urlaub gemacht haben, passte sie nur einen Moment nicht auf und die dreijährige Millie ertrank in den Fluten. Seitdem ergeht Lisa in Selbstvorwürfen und hat schon versucht, sich in der Badewanne zu ertränken. Da sie sich kaum noch um ihre beiden Söhne kümmert, leidet auch das Verhältnis zu ihrem Ehemann, der mit der Zeit kein Verständnis für das Verhalten seiner Frau aufbringen kann. Schließlich fasst Lisa den Entschluss und fährt mit dem Vorsatz, ihrer Tochter zu folgen, an die Nordseeküste.

Bei der Inspektion der alten Villa entdeckt Lisa einen Wasserschaden. Sie fragt ihre Nachbarin Anke Peters um Rat, die sie zur Schreinerei Claassen schickt. Jonas Claassen, der lange Zeit zu Forschungszwecken in der Antarktis verbracht hat, ist zunächst nicht darüber erfreut, dass sein Vater Lars, dessen Frau vor Monaten verstarb und der die Schreinerei längst aufgegeben hat, der Frau helfen will.

Als Lisa auf dem Dachboden stöbert, entdeckt sie in einem alten Ofen einige handschriftliche Blätter und Fotos sowie Zeichnungen nebst einem Aquarell, das zu ihrem Erstaunen ausgerechnet den Strandabschnitt zeigt, an dem ihre Tochter Millie umkam. Sie wendet sich abermals an Anke Peters, aber auch an Lars, der einiges über die Vergangenheit der Villa weiß. Die im Ofen versteckten, in altdeutscher Schrift verfassten Papiere beinhalten ein Märchen, das jemand vor langer Zeit verfasst haben muss. Die drei sind sich nicht sicher, ob es sich nicht doch um eine reale Begebenheit handelt. Ihre Recherchen führen zur Familie Schwayer, die früheren Besitzer des Ferienhauses. Anke findet sogar noch Fotos aus der Zeit, die ihre Mutter Sontje aufgehoben hat und Familie Schwayer bei einem Sommerfest zeigt.

Rebecca Martin erzählt ihren Roman „Das Kind der Wellen“ in zwei Handlungssträngen. Zum einen geht es um die Geschehnisse des Jahres 2019, zum anderen um die Ereignisse vor einhundert Jahren: Hermann und Leopoldine Schwayer leben nach dem 1. Weltkrieg in der von den Franzosen im Zuge der alliierten Rheinlandbesetzung besetzten Stadt Mainz. Ihre siebzehnjährige Tochter Vicky verliebt sich in den Besatzungssoldat Jamal Boissier, was besonders ihrem Bruder Hagen ein Dorn im Auge ist. Heimlich trifft sich das junge Paar in einer Gartenlaube.

Befremdlich ist das Verhältnis zwischen Lisa und Lukas, denn nach ihrem Rückzug an die Nordseeküste lassen beide zunächst nichts voneinander hören, obwohl sie ein Handy besitzt und Whats-App-Nachrichten verschicken kann. Erst, nachdem sie schon ein halbes Jahr fort ist, will Lukas von seiner Frau wissen: „Sag mal, wie lange willst du denn eigentlich noch da oben bleiben?“ Immerhin hat Lisa noch zwei minderjährige Söhne beim Vater zurückgelassen, um die sie sich scheinbar keine Sorgen gemacht hat.

Ein gestörtes Vater-Sohn-Verhältnis liegt auch bei Jonas und Lars Claassen vor, wobei Rebecca Martin die Ursache nicht näher beleuchtet. Wenn sie auch historische Ereignisse wie das Kriegsende in Mainz oder den Kapp-Putsch vom März 1920 in Mecklenburg-Vorpommern in ihren Roman „Das Kind der Wellen“ eingebaut hat, so bietet der Plot nichts Neues. Die Herangehensweise, zwei miteinander verwobene Handlungsstränge, nämlich eine tragische Liebesgeschichte aus vergangenen Tagen in einen Rahmen neuzeitlicher Geschehnisse zu verpacken, hat sich in der Literatur bewährt. Die Ereignisse sind größtenteils vorhersehbar: Eine weitere Romanze, stets jugendfrei, und ein wenig Missgunst bei dem Stubenmädchen Ilse sorgen zumindest dafür, dass Herzschmerz liebende Frauen den Plot verschlingen, wenngleich sie auch auf keinerlei Überraschungen hoffen dürfen.

Das Kind der Wellen von Rebecca Martin

Das Kind der Wellen
Diana Verlag 2020
Klappenbroschur
448 Seiten
ISBN 978-3-453-36072-3

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Bildquelle: Diana Verlag
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