Helenenplatz, der zweite Roman der Schweizerin Simona Ryser, ist ein modernes Märchen von Menschen, die in der nüchternen Zeit der virtuellen Partnerbörsen auf der Suche nach dem Leben und der großen Liebe sind. Die Autorin verarbeitet auch in diesem Roman Themen, die schon in ihrem ersten Werk Maries Gespenster eine große Rolle spielten.

Die Protagonisten des Romans sind drei Stadtmenschen, die scheinbar ziellos durch die Großstadt streifen, immer auf der Suche nach dem einen Date, das die ganz große Liebe verspricht. Da ist Hanna, die unter dem Burn-out Syndrom leidende Treuhänderin, die der Trostlosigkeit ihres Daseins durch das Klauen von Kleidung und Schminke in Kaufhäusern zu entfliehen versucht. Auf der Suche nach einem Mann bedient sie sich der virtuellen Partnerbörse. Doch jedes Date, das sie online verabredet, verlässt sie fluchtartig, sobald der unbekannte Dating-Partner am Treffpunkt auftaucht. Da ist Sabine, ihre Assistentin, die zunehmend Hannas Aufgaben übernimmt und ihr neue Dates vermittelt, und die selbst davon träumt, der großen Liebe zu begegnen. Und dann ist da Georg, der Gamedesigner, der sich eine Auszeit genommen hat und bei seiner Suche nach einer neuen Partnerschaft auf Hanna trifft. Doch letztendlich finden durch die Vermittlung von Hanna Sabine und Georg zusammen.

In Bruchstücken erzählt die Autorin vom einsamen Streifen ihrer Hauptpersonen durch die große Stadt. Etwas Ganzes formt sich aus den Fragmenten nicht. Die Charaktere bleiben sehr an der Oberfläche und damit dem Leser fern, es entwickelt sich weder eine positive, noch eine negative Beziehung, die eine Identifikation mit den handelnden Personen möglich machen würde. Das Leben der drei Singles bedient zu viele nur allzu bekannte Klischees über die Liebe in den Zeiten von Onlinedating und Partnerbörsen, um wirklich interessant zu sein.

Die Sprache von Simona Ryser ist sehr bildhaft. Leider ist durch die sehr langen, verschachtelten Sätze das Lesen des Buches nicht einfach und bedarf einer recht hohen Konzentration. Und auf Leser, die der italienischen Sprache nicht mächtig sind, werden die ständig eingestreuten italienischen Satzfragmente nach kurzer Zeit sicherlich sehr abschreckend wirken. Zu Anfang des Buches erscheint der Erzählstil noch sehr frisch und neu, teilweise sogar musikalisch. Leider verliert sich dieser Eindruck durch die ständigen Wiederholungen im Laufe der Handlung, die vor allem im zweiten Teil für einige Längen sorgen.

Helenenplatz ist ein Roman, der weder durch Sprache noch Handlung überzeugt. Ein großer Wurf ist der Autorin, die als Multitalent von sich Reden machte, sicherlich nicht gelungen. Den Roman kann man lesen, muss man aber nicht.

Simona Ryser, Helenenplatz, Limmat Verlag 2011, Hardcover, 140 Seiten, ISBN 978-3-85791-640-3, Preis: 26,70 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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