Mac Faraday, ein suspendierter Drogenfahnder der Bundespolizei, hat sich als Schmied unweit von Melbourne niedergelassen. Als sein bester Freund Ned von dessen heranwachsendem Enkel Lew erhängt aufgefunden wird, glaubt Mac nicht an einen Suizid und nimmt den verstörten Jungen bei sich auf. Wie Detective Shea erklärt, liefert auch die gerichtsmedizinische Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis. Beim Ausräumen der Wohnung seines Freundes stößt Mac auf Zeitungsartikel, die von der nackten Leiche einer jungen Frau in einem ehemaligen Bergwerk berichten. Aus dem Arbeitstagebuch von Ned erfährt er weiter, dass sein Freund unvermittelt die Arbeiten an dem Mädchenheim Kinross Hall eingestellt hat. Ein Besuch bei der Direktorin Marcia Carrier soll klären, ob dort in einem bestimmten Zeitabschnitt Mädchen vermisst wurden.

Während Mac und Lew als Aushilfen bei dem Landschaftsgärtner Stan Harrop, der das Anwesen Harkness Park für Leon und Anne Karsh neu gestalten soll, arbeiten, wird Dr. Ian Barbie, der als Arzt in Kinross Hall tätig war, tot aufgefunden. Nicht nur Mac, sondern auch seinem früheren Kollegen Berglin fällt nach weiteren Leichenfunden die Häufung der Todesfälle in seinem Umfeld auf. Mac will unbedingt in Erfahrung bringen, welchen Anlass es für seinen Freund Ned gegeben hat, sich einige Wochen vor seinem Tod bei der Polizei über Kinross Hall zu beschweren und vor allem, wer die Ermittlungen seinerzeit eingestellt hat. Er stößt dabei auf Die Schuld vergangener Tage und weiß nicht mehr, wer ihn belogen hat und wem er noch trauen kann.

Peter Temple hat mit seinem Protagonisten Mac jemanden geschaffen, der sich bei einem Glas Bier zwanglos mit seinen Freunden unterhält und auf diese Weise an nützliche Informationen kommt. Das entspricht so gar nicht der Vorstellung von der Arbeit eines Ermittlers, sei er bei der Polizei oder als Privatdetektiv tätig. Vielmehr scheint diese lockere Lebensart charakteristisch für die Bewohner des australischen Kontinents zu sein. Dementsprechend derb und rau sind auch die Redensarten der Handlungspersonen. Mac, der in einer Football-Mannschaft spielt, geht mit Leuten, die er in die Mangel nimmt, nicht gerade zimperlich um, was ihm Authentizität verleiht.

Es ist nicht einfach, dem Plot zu folgen, der von Mac in der Ich-Form erzählt wird. Immer neue Orte und Personen finden teilweise nur einmal eine Erwähnung, was leicht zu Verwirrungen führen kann. Dasselbe gilt für die im Buch genannten Daten des Jahres 1985, die sich auf die an Mädchen begangenen Verbrechen beziehen, aber noch nicht weit in der Vergangenheit liegen, was sich dadurch erklärt, dass der Roman bereits 1998 erstmals erschienen ist.

Des Weiteren geht der Autor mit Informationen für seine Leser nur sehr sparsam um. Dass Mac früher bei der Bundespolizei gearbeitet hat, können sie sich lange Zeit nur zusammenreimen, und auch bei anderen Erwähnungen müssen sie eins und eins zusammenzählen. Beeindruckend sind die eher ungewöhnlichen und ausgefallenen Beschreibungen von Personen oder Umständen, wenn beispielsweise ein Pullover als ein Kleidungsstück beschrieben wird, „das auch als strategische Ölreserve hätte dienen können“. Wenn der Protagonist vermutet, dass ein Barkeeper neben einigen Vorstrafen sicher auch einen „Abschluss in Knastologie und Gitterkunde“ hat oder beim Stillen das „Kindschiff“ an das „Mutterschiff“ andockt.

Wer bei dem recht ungewöhnlichen Thriller Die Schuld vergangener Tage eine Gänsehaut erzeugende Spannung erwartet, wird enttäuscht. Denn Peter Temple hat nicht nur Football-Spiele in die Handlung eingebaut, sondern ausführlich über die Gartenarbeit in Harkness Park geschrieben, die der Leser erst sehr viel später in einen Bezug zum Thema setzen kann. Wer trotz der über weite Strecken ausbleibenden Spannung das Buch nicht zur Seite legt, wird mit einem raffinierten Plot belohnt, der zum Ende so richtig in Fahrt kommt und für Überraschungen sorgt.

Peter Temple, Die Schuld vergangener Tage, Penguin Verlag 2016, Taschenbuch, 331 Seiten, ISBN 978-3-328-10070-6, Preis: 10,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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