Der Serienkiller, der keiner war von Dan Josefsson

Der Serienkiller der keiner warMitunter ist es schwierig, einen Täter zu einem Geständnis zu bewegen. Ganz anders verhält es sich jedoch in dem Sachbuch Der Serienkiller, der keiner war , in dem Dan Josefsson der Frage nachgeht, wie es möglich ist, dass ein Mensch 39 Morde gesteht, aber keinen einzigen davon begangen hat. Als der Autor zur Beerdigung seines Freundes Hannes Råstam fährt, der 2008 den größten Justizskandal des Jahrhunderts um den Fall Sture Bergwall aufdeckte, bittet ihn kurz darauf der Bruder des angeblichen Killers, bisher noch unerwähnte Details in einem Buch zu veröffentlichen. Um dieser Bitte nachzukommen und die Arbeit seines verstorbenen Freundes fortzusetzen, beginnt Dan Josefsson mit der Recherche:

Im Jahr 1991 wird der Drogenabhängige Sture Bergwall wegen Diebstahls in die Forensische Psychiatrie in Säter eingeliefert und im selben Jahr beginnt er eine Therapie. Die Psychologen erstatten der zu Therapiebeginn bereits 77 Jahre alten Psychoanalytikerin Margit Norell Bericht, da sie die Supervision übernommen hat und Stures Aussagen einer Deutung unterziehen will. So wird Sture Bergwall, der während der elfjährigen Therapie seinen Namen offiziell in Thomas Quick ändert, aufgrund der Befragungen des Ermittlungsleiters Seppo Penttinen von der Polizei in Sundsvall, des Staatsanwaltes Christer van der Kwast, der Psychotherapeutin Brigitte Ståhle, des Gedächtnisforschers Sven Å. Christianson und des Strafverteidigers Claes Borgstrom in den Jahren von 1994 bis 2001 für schuldig befunden, acht Morde begangen zu haben. Dem Verurteilten werden ständig hohe Dosen eines Betäubungsmittels verabreicht, um Panikattacken vorzubeugen, so die Rechtfertigung der Therapeuten. Erst die Enthüllungen von Hannes Råstam führen dazu, dass der Rechtsanwalt Thomas Olsson im Jahr 2009 den ersten Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens in einem Mordfall stellt, der mit einem Freispruch für Sture Bergwall endet und dem noch sieben weitere Freisprüche folgen.

Neben grundlegenden Erklärungen zur Psychoanalyse und den Arbeiten von Sigmund Freud beschreibt Dan Josefsson in seinem Buch jeweils im Wechsel die Lebensläufe von Margit Norell und Sture Bergwall, der aus einer gebildeten Familie stammt und dem eine hohe Intelligenz bescheinigt wird. Wegen seiner homosexuellen Neigung vereinsamte er bereits als Jugendlicher und hatte keine Freunde. Ausführlich gibt der Autor die Gespräche wieder, die er mit Sture und einer Vielzahl an Zeitzeugen führte, und er stellt fest, dass Stures Therapeuten durch Suggestivfragen die Gesprächsführung manipuliert haben. Dan Josefsson sieht darin den Nährboden für die Geburt des Serienkillers Thomas Quick und macht in erster Linie die Supervisionärin Margit Norell für den Justizskandal verantwortlich. Weiter zitiert er aus Gutachten, den Vernehmungsprotokollen aus der Patientenakte und den Protokollen der Gerichtsverhandlungen.

Dan Josefsson hat vor seiner Journalistentätigkeit als Pfleger in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik gearbeitet, so dass er von Anfang an mit der Materie vertraut war. Für die rechercheintensive Arbeit an seinem Sachbuch Der Serienkiller, der keiner war hat er umfangreiche Literatur herangezogen und weit über 500 Anmerkungen aufgelistet. Die Lektüre der fast minutiösen Wiedergabe sämtlicher Ereignisse kann auf Laien ermüdend wirken. Doch werden Fachleute das Buch gerade wegen der Ausführlichkeit loben, was sich auch in den Auszeichnungen widerspiegelt, die der Autor für sein Werk erhalten hat.

Dan Josefsson, Der Serienkiller, der keiner war , btb Verlag 2017, Broschur, 591 Seiten, ISBN 978-3442-71566-4, Preis: 12,00 Euro.

Bildquelle: btb Verlag

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