Mark Van Strydonck gibt historisch und archäologisch interessierten Lesern in seinem Buch Von Myotragus zu Metellus diesbezüglich umfassende Informationen über die Inselgruppe der Balearen. Seine Ausführungen beginnen mit der Entstehungsgeschichte vor 200 Millionen Jahren und enden bei der heutigen Gebirgsformation. Auf den vier größten Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera hatten die klimatischen Veränderungen über Jahrtausende natürlich auch Auswirkungen auf die Vegetation, die sich wegen der verschiedenen Winde nicht auf allen Inseln in gleichem Maße vollzogen. Inseltypische Spezies haben sich herausgebildet, die größtenteils wegen fehlender Immunität während der ersten Besiedlung durch die Menschen ausgelöscht wurden. Wann das der Fall gewesen ist, darüber existieren lediglich Hypothesen. Der Autor macht deutlich, wie Umweltfaktoren und Lebensbedingungen einen Einfluss auf die genetische Anpassung der Tiere hatten.

Sehr detailliert geht Mark Van Strydonck auf die unterschiedlichen Wohnformen und Bestattungsarten ein, wobei einige Nekropolen, künstlich geschaffene oder natürliche Grabhöhlen, in jüngster Zeit gerne von Hippies vereinnahmt wurden. Die Forscher können aus den in den Grabhöhlen gefundenen sterblichen Überresten Rückschlüsse ziehen, welches Durchschnittsalter die Menschen erreicht haben. Dem Leser erklärt der Autor, was Navetas, Taulas und Talayots sind und was man bis heute darüber weiß. Bei den Talayots auf Mallorca und Menorca gibt es erstaunliche Unterschiede und nachfolgende Generationen haben in späteren Jahrhunderten, noch vor unserer Zeitrechnung, einige der Talayots zerstört und neue Siedlungen auf den alten errichtet. Der Autor geht weiter auf den Einfluss ein, den Nachbarkulturen auf die sich entwickelnden Kulturen auf den Balearen ausgeübt haben und auch auf die Geschicklichkeit damaliger Inselbewohner, die während des Römischen Reiches unter der Armee von Hannibal als Söldner mit der Steinschleuder umgehen konnten. Mark Van Strydonck, der seit vielen Jahren archäologische Forschungen speziell auf Mallorca und Menorca betreibt, gibt zu, dass sich die Archäologen über jede zufällige Entdeckung freuen, diese aber häufig auch weitere Fragen aufwirft. So ist bis heute nicht geklärt, warum Fisch für den Speiseplan der früheren Inselbewohner keine bedeutende Rolle gespielt hat.

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um ein Sachbuch, das besonders Hobbyarchäologen ansprechen wird. Das Buch bietet viele grandiose Fotos, wovon der größte Teil von Mark Van Strydonck stammt. Durch das verwendete Papier kommen die Farben besonders zur Geltung. Wer schon einmal die Balearen bereist hat, wird die akkurate Aufschichtung der Steine, mit denen man endlos lange Einfriedungen gezogen hat, bewundert haben. Der ein oder andere Tourist hat vielleicht auch schon einmal eine der erwähnten Grabstätten besucht, doch spätestens beim Anblick der Fotos wird deutlich, dass es sich dabei um eine sehr alte Tradition handeln muss. Außer Landschaftsaufnahmen zeigt das Buch Von Myotragus zu Metellus auch Darstellungen von Fossilien und Höhlen, Grundrisszeichnungen, Siedlungspläne und eine Zeittafel am unteren Rand jeder Seite. Wer daran interessiert ist, was es abseits der von Touristen bevölkerten Strände auf Mallorca oder Menorca noch zu entdecken gibt, wird von dieser Reise in die Ur- und Frühgeschichte begeistert sein.

Mark Van Strydonck, Von Myotragus zu Metellus, Librum Publishers 2014, Broschur, 160 Seiten, ISBN 978-3-9524038-8-4, Preis: 35,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

1 Kommentar

  1. Unter dem Titel From Myotragus to Metellus ist das Buch auch in einer englischsprachigen Ausgabe erhältlich.

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