Ursprünglich zählte der heute nur noch zu einem kümmerlichen Rest fast vollständig verlandete Aralsee zu den weltweit vier größten Binnenseen, was natürlich für die Bevölkerung katastrophale Folgen nach sich gezogen hat. Um die schmutzigen Geschäfte der Bank German Global Credit aufzudecken, die neue Technologien zur Wasser- und Bodenentsalzung fördert, hat Marie-Luise, kurz Malu, eine anonyme Aktionszelle gegründet. Mit ihrem Freund Leon, dem Libanesen Habibi und Hacker Sanctus, der sich vor einem Jahr in die Bank eingeschleust hat und dort mit seinem Stellvertreter Hellcamp in der IT-Abteilung tätig ist, will sie erreichen, dass deren Manager die Verantwortung für ihre Entscheidungen tragen und in der Bevölkerung ein allgemeiner Bewusstseinswandel einsetzt. Sie entführen den skrupellosen Vorstandsvorsitzenden Harald Lengsfeld, damit er ihnen detailliert Auskunft darüber gibt, in welche Manipulationen die Bank verstrickt ist und wie sie Zahlungen verschleiern.

Doch scheinbar hat irgendjemand ihren Plan nachgeahmt, denn plötzlich wird es mit der Entführung von Joachim Focker Das Spiel der Anderen. Nach einem anonymen Hinweis finden Kommissarin Kara Menzel und ihr Kollege Jörg Olvers den zweiten Vorstandsvorsitzenden verbrannt in seinem Auto. Die beiden sollen die Umstände seines Todes klären, während Kriminalrätin Dr. Vera Werchteshaus Kommissar Leininger in dem Entführungsfall ermitteln lässt. Wegen der prominenten Opfer gilt Alarmstufe drei und eine absolute Nachrichtensperre. Im Zuge der Ermittlungen besuchen sie die dritte Vorsitzende, Gerlinde Schindhelm, die ihnen Einblicke in die Arbeitsabläufe der Bank gewährt, und der Haustechniker Ole Ranke weiß von internen Gebäudestrukturen zu berichten. Die Ermittler suchen Georg Ducasse auf, einen ehemaligen Abteilungsleiter, der die Bank verklagt und sich als letzter mit Focker treffen wollte. Als ein Erpresserbrief eingeht, wird deutlich, dass es sich nur um einen Trittbrettfahrer handeln kann.

Sanctus fürchtet unterdessen eine Aufdeckung seiner Systemmanipulationen als Administrator durch Hellcamp. Aus den eingehenden Erpresserbriefen liest er Botschaften heraus, die sich an sie, die tatsächlichen Entführer richten, die alles von langer Hand geplant haben und Scheingeschäften nachgehen. Außerdem hält er engen Kontakt zu Malu, Leon und Habibi, die weiterhin den entführten Harald Lengsfeld zu erpressen versuchen. Da Kara und Jörg wichtige Daten nicht zugänglich gemacht werden, bittet Kara ihren schwedischen Freund Thure von der Rikspolisen um Hilfe. Vorsitzende Gerlinde Schindhelm setzt dagegen mehr auf die Sicherheitsexperten des Kerberos-Ten-Teams, deren Chef Li ist, vor denen Kara allerdings von Thure gewarnt wird.

Carlo Feber macht es den Lesern seines Thrillers Das Spiel der Anderen nicht leicht, bei den vielen Namen den Überblick zu behalten. Denn anders als gewohnt hat man es bei diesem Buch nicht nur mit einem Entführer oder einer Bande zu tun, sondern gleich mit einem weiteren Unbekannten. Dadurch, dass niemand weiß, wie viel und was die anderen wissen, erreicht der Thriller ein Höchstmaß an ungeahnten Konstellationen. Der Leser weiß mehr als die Ermittler, worunter allerdings die Spannung nicht leidet.

Im steten Wechsel schreibt der Autor von der Befragung des Entführten durch das Team um Sanctus und den polizeilichen Ermittlungen, die sich zunächst auf die direkte Verbindung der Tiefgarage mit der Vorstandsetage der Bank konzentriert, und natürlich auch von den forensischen Ergebnissen im Fall des im Auto verkohlten Vorsitzenden Focker. Das Spiel der Anderen ist ein äußerst intelligenter Thriller, der politische Abgründe aufzeigt und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lesers fordert, wie ihn wohl nur ein Politologe wie Carlo Feber schreiben kann.

Carlo Feber, Das Spiel der Anderen, Grafit Verlag 2016, Taschenbuch, 416 Seiten, ISBN 978-3-89425-472-8, Preis: 12,00 Euro.

Wie bewerten Sie dieses Buch? schrecklichschlechtdurchschnittlichgutausgezeichnet 2 Stimme(n) | Bewertung 3,50 | Sie müssen sich registrieren, um am Leservoting teilzunehmen.
Loading...

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.