Da wo sonst das Gehirn ist von Sebastian Stuertz

Da wo sonst das Gehirn istDie siebzehnjährige Alina Beinert wurde an ihrer alten Schule von ihren Mitschülern gemobbt, und nach einem Horrorjahr am Gymnasium wechselt sie für das Abschlussjahr an eine Freie Kreativschule. Das neue Schuljahr beginnt mit einem Klassenabend, an dem sich Lehrer, Schüler und Eltern kennenlernen können. Alina bittet ihre Mutter Ulli, die beruflich als Clown und gelegentlich als Putzfrau arbeitet, bei dem Treffen keine peinlichen Zaubetricks vorzuführen. Nachdem ein Nerd namens Corvin mangels weiterer Bewerber einstimmig zum Klassensprecher gewählt wurde, wird Alinas Mutter und Corvins Vater Urs Carstensen, der ein Auge auf die vollbusige Ulli geworfen hat, zum Festkomitee gewählt, das die Weihnachtsfeier organisieren soll. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, denn auch Ulli hat Gefallen an dem attraktiven Urs gefunden.

„Der freie Freitag“ ist zur persönlichen künstlerischen oder handwerklichen Entfaltung der Schüler gedacht. Dabei geht es um die kontinuierliche Arbeit an einem Langzeitprojekt, das vor den Winterferien den Eltern präsentiert werden soll. Alina kann es kaum glauben, dass sie während der Schulzeit an ihrer Web-App programmieren darf. Mit ihrem kleinen sozialen Netzwerk, einer Messenger-App, in der nur ihre Mitschüler Beiträge anonym posten können, landet sie einen Hit in ihrer neuen Klasse.

Als kurz darauf Alina vor der WG-Wohnung steht, in der sie mit ihrer Mutter untergekommen ist, kann sie nicht hinein, denn das Türschloss wurde ausgetauscht. Ulli hatte dem Wohnungsinhaber Ray seit Monaten keine Miete mehr überwiesen. Die beiden ziehen kurzerhand bei Corvin und seinem Vater Urs ein, mit dem Ulli seit dem Klassenabend eine Affäre hat. Doch dann taucht Corvins Schwester Nina zum Geburtstag der toten Mutter auf. Sie will das Familiengeheimnis lüften und aufdecken, wie es wirklich war.

Die Handlung des Romans „Da wo sonst das Gehirn ist“ hat Sebastian Stuertz im Sommer 2019 in Hamburg angesiedelt, und er erzählt die Geschichte eines Teenagers auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Die Protagonistin Alina versucht, mit einigen Tipps ihrer Therapeutin gelegentliche Wutausbrüche in den Griff zu bekommen. Bei ihrer Mutter, die völlig unbeschwert durch das Chaos ihres Lebens balanciert, findet sie nicht den nötigen Rückhalt. Und von ihrem Vater, der inzwischen eine neue Familie mit drei anderen Kindern gegründet hat, fühlt sie sich alleingelassen. Um ihre Probleme besser zu bewältigen, schreibt sie nur für sich persönlich über das, was sie bewegt, in einem Blog.

Der Roman besticht durch seinen lebendigen umgangssprachlichen Erzählstil, wodurch der Plot lebensnah und sehr authentisch wirkt. Die kurzen, in einem angenehmen Schreibstil verfassten Kapitel überraschen mit unvorhersehbaren Wendungen, durch die sich manchmal neue Probleme auftun oder aber alles zum Guten hin entwickelt. Mal wird es heiter, ein anderes Mal wiederum ernst, eine Achterbahnfahrt, wie sie Teenager erleben. Natürlich geht es auch um Liebe und Freundschaft, die ersten Erfahrungen mit Drogen und Alkohol, doch vor allem geht es um Beziehungsprobleme, die sich innerhalb der Familien abspielen. „Da wo sonst das Gehirn ist“ von Sebastian Stuertz ist ein unterhaltsamer Coming of Age-Roman, bei dem weder der Ernst des Lebens noch der Humor zu kurz kommen.

Da wo sonst das Gehirn ist von Sebastian Stuertz

Da wo sonst das Gehirn ist
btb Verlag 2022
Hardcover mit Schutzumschlag
352 Seiten
ISBN 978-3-442-75948-4

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Bildquelle: btb Verlag