William Andrews verlässt nach drei Jahren das Harvard College in Boston. Als er nach zweiwöchiger Fahrt mit der Kutsche und der Eisenbahn in Kansas ankommt, sucht er in Butcher’s Crossing den Fellgerber J.D. McDonald auf, um ihm Grüße seines Vaters auszurichten. Da Andrews unbedingt das Land kennenlernen möchte, schickt ihn der Fellgerber zu dem Büffeljäger Miller, weil der das Land wie kein anderer kennen würde. Andrews trifft ihn in einer Bar, und er lässt sich zu einer gemeinsamen Jagd überreden. Schnell werden sie sich darüber einig, dass Andrews für sämtliche Kosten aufkommen muss und sie legen seinen Anteil am Gewinn fest. In zwei Wochen wollen sie mit Charley Hoge und dem Häuter Fred Schneider aufbrechen. Doch Schneider ist skeptisch, ob es in den Bergen von Colorado überhaupt noch Büffel mit dem begehrten Winterfell gibt, da Miller vor fast zehn Jahren zuletzt dort war.

Der Ritt führt die vier Männer zunächst durch eintöniges, flaches Land. Voller Hoffnungen auf ein saftiges Steak verzehren sie Bohnen, Speck sowie Zwieback und trinken dazu Kaffee. Als aber ihre Wasservorräte zu Neige gehen, quält sie der Durst und sie sehen nur ausgedörrte Erde. Völlig erschöpft und mit aufgesprungenen Lippen stoßen sie endlich auf Wasser. Die Berge kommen in Sicht und schließlich auch eine gewaltige Büffelherde. Bald stapeln sich die Felle der zahlreichen erlegten Tiere und es herrscht Uneinigkeit darüber, wann der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr ist.

John Williams, der bereits 1994 verstorben ist, zeichnet in seinem Roman Butcher’s Crossing sehr eindrucksvoll die Büffeljagd nach. Das beginnt bereits damit, wie detailliert er von Stiften eines Jochbalkens schreibt, der aus einem Geschirr gerissen werden muss, um Ochsen von einem Gespann zu lösen. Der Autor erklärt, wie sich die Jäger, ähnlich einer Katze, regelrecht an die Büffel pirschen mussten, was wiederum für seine Kenntnisse über das Verhalten der Büffel spricht. Auch beim Umgang mit der Schusswaffe gibt er sein Wissen in Bezug auf die Reinigung der Waffe und sogar das vorherige Gießen der Bleikugeln in einer Kokille sehr anschaulich wieder. Nach seinen Schilderungen kann sich der Leser schließlich bildhaft vorstellen, wie einem Büffel von einem Häuter gekonnt das Fell abgezogen wird.

Die Person des Büffeljägers Miller zeichnet John Williams als umsichtigen und vorausschauenden Menschen, der jedoch zunehmend von einer Gier nach immer noch mehr gepackt wird, was letztlich der Truppe zum Verhängnis wird, weil er die Tücken der Natur unterschätzt hat. Der Leser leidet mit den Männern, die Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert sind und denen Hunger und Durst zusetzen. Aber auch mit den Ochsen und Pferden empfindet er Mitleid: Die Zungen der Rinder sind wegen fehlender Flüssigkeit so geschwollen, dass sie nur noch mit einem feuchten Tuch des restlichen Wassers abgewischt werden können, damit die Tiere überleben. Diese Schilderungen mögen empfindlichen Lesern wie auch das Schlachten, Ausnehmen und der Verzehr von roher, blutiger Leber zusetzen. Aber zu guter Letzt regt der Roman Butcher’s Crossing zum Nachdenken darüber an, was im Leben wirklich wichtig ist: Ob es sich um jeden Preis lohnt, immer noch mehr zu wollen, oder ob es einmal genug ist.

John Williams, Butcher’s Crossing, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015, Hardcover mit Schutzumschlag, 365 Seiten, ISBN 978-3-423-28049-5, Preis: 21,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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