Finanziell läuft es nicht schlecht für Torsten Brettschneider, denn er hat einen sicheren Job bei einem Frankfurter IT Security Unternehmen. Aber irgendwie befriedigt ihn die Arbeit nicht mehr und er würde viel lieber einen Bildungsroman für Männer in der Midlife-Crisis schreiben. Seine Freundin Tanja ist allerdings der Meinung, es wäre besser für ihn ein solches Buch zu lesen, statt es zu schreiben, denn in ihrer Beziehung kriselt es gewaltig. Um mit Stresssituationen in der Beziehung besser umgehen zu können macht er deshalb seit drei Monaten heimlich eine Ur-Mann-Therapie bei Dr. Ferdinand von Spickaert, dem Lebensgefährten von Tanjas bester Freundin Renate. Doch mittlerweile kommen ihm Zweifel, ob der Gesprächstherapeut und promovierte Psychologe die beste Option gewesen ist, denn die Situation zwischen Tanja und ihm hat sich nicht wirklich verbessert.

Nachdem er von einer schwedischen Anwaltskanzlei erfahren hat, dass er von einer Großtante mütterlicherseits ein Gehöft mit vierzig Hektar Wald in Gödseltorp geerbt hat, kündigt er kurzerhand seinen Job, um in Schweden als Schriftsteller ein neues Leben zu beginnen. Seine Freundin Tanja ist von dieser Idee allerdings nicht begeistert und die beiden bekommen einen Riesenkrach, in dessen Verlauf Tanja die Wohnung verlässt. Auch sein Vater kann es kaum glauben, dass er seinen Job aufgegeben hat, um in diesem Drecksnest, wie er Gödseltorp bezeichnet, zu leben. Am Abend wartet Renate mit verquollenem Gesicht vor seiner Wohnungstür, um ihm zu berichten, dass ihr Lebensgefährte Ferdinand mit Tanja nach Frankreich durchgebrannt ist.

In Schweden angekommen, nimmt die Geschichte allerdings einen anderen Verlauf, als es sich Torsten vorgestellt hat: Der Verwalter des Gehöfts, ein gewaltbereiter norwegischer Ex-Widerstandskämpfer mit lebenslänglichem Wohnrecht, lässt ihn nicht in das Wohnhaus. So muss Torsten in das Gästehaus, mit Donnerbalken in einem kleinen Anbau, einziehen. Die Mitglieder des örtlichen Motorradclubs Höllenlärm machen ihm das Leben schwer und einige Einwohner wollen unbedingt seinen Hof kaufen.

Was für die Holländer die Holzschuhe, sind für die Schweden die Gummistiefel, das behauptet zumindest Lars Simon in seinem Roman Elchscheiße. Der Autor hat einige Jahre mit seiner Familie in Schweden gelebt und schildert die Ereignisse in Gödseltorp, einem fiktiven Dorf in Mittelschweden, mit Ironie und Humor. Obwohl Lars Simon die herrlich skurrilen Charaktere etwas überzogen dargestellt hat, wirken sie trotzdem authentisch und selbst das Klischee, dass jeder Schwede einen Volvo fährt, ist verzeihlich. Doch zum Ende hin wird die Handlung vollkommen chaotisch und dermaßen realitätsfremd, dass dem Leser das Lachen vergehen kann. Etwas weniger dick aufgetragen wäre wirkungsvoller gewesen. Ein Bildungsroman ist Elchscheiße wohl nicht geworden, aber als unterhaltsame, witzige Urlaubslektüre für einen Sommerurlaub in Schweden durchaus zu empfehlen.

Lars Simon, Elchscheiße, Deutscher Taschenbuch Verlag 2014, Taschenbuch, 288 Seiten, ISBN 978-3-423-21508-4, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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