In den französischen Pyrenäen an der Grenze zu Spanien liegt das beschauliche Dorf Fogas, in dem die Handlung des Romans Chapeau! Ein Dorf zeigt, was es kann angesiedelt ist. Die Gemeinde besteht aus drei kleinen Dörfern, deren Geschicke von Bürgermeister Serge Papon gelenkt werden. Er hat einen Angriff auf die Eigenständigkeit der Gemeinde, angefacht von Henri Dedieu, dem Bürgermeister des wohlhabenden Sarrat auf der anderen Seite des Flusses, erst vor einiger Zeit erfolgreich abgewehrt. In der Èpicerie von Madame Josette mit einem Glas Pastis in der Hand zieht Papon Bilanz über seine Amtszeit als Bürgermeister. Aus strategischen Gründen ist es für ihn an der Zeit, von seinem Amt zurückzutreten, und Christian Dupuy, Landwirt und zweiter Vizebürgermeister des Ortes, zu seinem Nachfolger zu machen. Doch gerade als er beschließt, Christian in seine Pläne einzuweihen, erleidet Papon einen Herzinfarkt, und jede Hilfe kommt zu spät.

Die Einwohner von Fogas stehen regelrecht unter Schock. Dass Serge Papon das Leben in der Gemeinde nicht mehr regeln wird, ist für viele kaum vorstellbar. Der Übergangsbürgermeister Pascal Souquet, der die Zusammenlegung von Fogas mit Sarrat einst befürwortet hat, will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, um endlich regulärer Bürgermeister zu werden. Auch Henri Dedieu sieht eine erneute Chance, die drei kleinen Dörfer auf der anderen Seite des Flusses mit Sarrat zusammenzuführen, und einige Gemeindemitglieder glauben, dass nur Christian Dupuy als Bürgermeister dies verhindern kann. Doch muss er zunächst bei den anstehenden Nachwahlen einen weiteren Sitz im Gemeinderat für seine Fraktion gewinnen und dafür den geeigneten Kandidaten finden.

Julia Stagg hat für ihren Roman Chapeau! Ein Dorf zeigt, was es kann einen fiktiven Ort in Südfrankreich geschaffen, dessen skurrile Bewohner sie in einer idyllischen Gegend angesiedelt hat. Die Menschen kennen sich, und das Leben nimmt seinen beschaulichen Gang. Doch werden hinter dieser Fassade kleine und auch große Intrigen geschmiedet, bei denen auch vor einem Mordversuch nicht zurückgeschreckt wird. Der Roman, der zunächst die zwischenmenschlichen Beziehungen der Bewohner und die örtlichen Begebenheiten schildert, kommt nur langsam in Fahrt, wobei gelegentlich auftauchende Begriffe wie conseil municipal oder cantonnier dem Lesefluss nicht unbedingt förderlich sind. Doch gewinnt die Handlung zunehmend an Tempo und wird zum Ende sogar spannend.

Auch wenn es sich bei dem Roman um eine Komödie handelt, spricht die Autorin auch einige ernsthafte Themen an. In erster Linie geht es um die Problematik der Eingemeindung, die von den betroffenen Dorfbewohnern abgelehnt wird. Doch Zweithausbesitzer aus der Stadt haben leerstehende Häuser in den Dörfern gekauft und können die Geschicke der Gemeinde mitbestimmen, auch wenn sie davon nicht direkt betroffen sind. Die Dorfgemeinschaft ist in zwei Lager gespalten – Befürworter und Gegner. Der Leser erhält Einblicke in das französische Wahlverfahren eines Bürgermeisters und erlebt das Taktieren der beiden Lager hautnah mit. Chapeau! Ein Dorf zeigt, was es kann ist der fünfte und letzte Band einer Reihe von Julia Stagg. Der Roman ist in einem lockeren Schreibstil verfasst und bietet dem Leser einige unterhaltsame Stunden, doch neugierig auf die vier vorherigen Romane um das Dorf Fogas macht die Lektüre nicht.

Julia Stagg, Chapeau! Ein Dorf zeigt, was es kann, Deutscher Taschenbuch Verlag 2017, Klappenbroschur, 464 Seiten, ISBN 978-3-423-26163-0, Preis: 15,90 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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