Auf der Spur eines verlorenen Mythos: Xeno Atlas und das Geheimnis des Karawanenbuchs

Buchcover: Das verlorene Bestiarium

Kindheit zwischen Verlust und Magie

Seine Mutter stirbt bei seiner Geburt, und sein Vater fühlt sich als Seefahrer nur für die materielle, nicht aber für die emotionale Versorgung zuständig. So wächst Xeno Atlas bei seiner Großmutter auf, die mit den Geistern von Tieren kommuniziert. Nach ihrem Tod steckt ihn sein Vater im Alter von fünfzehn Jahren in ein Internat, wo Xeno von seinem Lehrer Mr. Hood erstmals von einem Karawanenbuch hört – einer Sammlung von Fabelwesen, die auf geheimnisvolle Weise verloren gegangen sein soll. In seinem letzten Schuljahr, im Jahr 1967, macht Xeno zudem seine ersten Erfahrungen mit Drogen.

Krieg, Überleben und eine Suche, die nie endet

Wenig später wird er gezwungen, im Vietnamkrieg zu kämpfen. Zweimal entkommt er nur knapp dem Grauen dieser Hölle und setzt danach seine Suche nach dem verschollen geglaubten Karawanenbuch fort. Gemeinsam mit Linda, seiner Liebe aus Kindheitstagen, engagiert er sich für eine Tierschutzorganisation und siedelt Tiere aus einem afrikanischen Wildschutzgebiet um – unterstützt durch eine unerwartete Erbschaft. Mit ihr führt ihn die Spur des Karawanenbuchs schließlich nach Venedig und zuletzt nach Kreta.

Ein Roman voller Bilder, Mythen und Abgründe

Nicholas Christopher wählt für seinen Roman Das verlorene Bestiarium* eine äußerst bildhafte Sprache, und Liebhaber mystischer Märchen und Fabelwesen kommen hier voll auf ihre Kosten. Der Autor versteht es, die Leser auf Xeno Atlas’ Reise mitzunehmen – man fühlt sich stets an seiner Seite. Die atmosphärischen Kindheitsszenen bei der mit Geistern kommunizierenden Großmutter erinnern an Romane von Isabel Allende.

Doch Christopher scheut auch heikle Themen nicht: Er greift den Vietnamkrieg auf und verweist auf die Mordprogramme der CIA. Der Operation „Phönix“ sollen allein 60.000 Zivilisten zum Opfer gefallen sein, nur weil Familienmitglieder mit Kommunisten sympathisiert hatten. Das verlorene Bestiarium* führt von der Suche nach einem mittelalterlichen Buch zu der grundlegenden Frage, wozu ein Mensch fähig ist – und was er seinen Mitmenschen anzutun bereit sein kann.

Das verlorene Bestiarium von Nicholas Christopher

Buchcover: Das verlorene Bestiarium
Übersetzung von Pociao
dtv 2011
Broschur
380 Seiten
ISBN 978-3-423-24829-7

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Bildquelle: dtv

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