Als die zehnjährige Rahaf und ihr neunjähriger Bruder Hassan noch mit ihren Eltern und den jüngeren Schwestern Anal und Haia in Syrien gelebt haben, hat Rahaf am liebsten mit ihrer Cousine Aycha gespielt. Aber sie und ihre große Familie lebten dauernd in Angst vor den bombardierenden Flugzeugen. Deshalb haben sich ihre Eltern zur Flucht entschlossen, was die Kinder sehr traurig gemacht hat. Notgedrungen mussten sie sich von ihren Großeltern und Freunden verabschieden. In Ägypten sind sie mit dreihundert anderen Menschen auf ein viel zu kleines Schiff gekommen. Erst während der Fahrt haben die Eltern festgestellt, dass ihnen von einer skrupellosen Schleuserbande ihr gesamtes Gepäck und sogar alles Bargeld und ihre Ausweise gestohlen wurden.

Nach acht Tagen, in denen sie Hunger, Durst und Kälte erlitten haben, gehen sie in Italien von Bord. Immerhin haben sie die Überfahrt überlebt. Mit dem Zug fahren sie weiter über Frankreich nach Deutschland. Ein freundlicher Schaffner lässt sie im Zug, da sie kein Geld für Fahrkarten hatten. Im Erstaufnahmelager bewohnt die sechsköpfige Familie nur ein Zimmer, und später müssen sie sich in einem Container drei Betten teilen. Obwohl Rahaf und Hassan kein Wort Deutsch verstehen, müssen sie die Schule besuchen. Die anderen Kinder bringen ihnen erste Wörter bei, so dass Rahaf nach zwei Jahren schon richtig gut Deutsch spricht. In Emma findet sie auch eine Freundin, wie sie in Syrien Aycha hatte. Wenn Rahaf an ihre Heimat denkt, hat sie Heimweh. Bestimmt wird alles gut, denkt sie und hofft, dass ihr Vater bald wieder eine Anstellung als Arzt findet und sie eine schönere Wohnung bekommen.

Schon im ersten Satz des Kinderbuches Bestimmt wird alles gut von Kirsten Boie ist zu lesen, dass es sich hierbei um die wahre Geschichte von Rahaf und Hassan handelt. Deshalb ist wohl auch der Ort der Handlung nicht erwähnt. Beim Anblick des Covers fallen sofort die arabischen Schriftzeichen unter dem deutschen Titel auf. So ist auch der komplette Text konsequent zuerst in deutscher, und direkt im Anschluss in arabischer Sprache verfasst, wobei Mahmoud Hassanein die Übersetzung gemacht hat.

Das Kinderbuch richtet sich an Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. Für die ersten Leseversuche sind die einfachen, kurzen Sätze bestens geeignet. Großformatige und farbige Illustrationen von Jan Birck veranschaulichen auf zum Teil dramatische Weise die Angst der Kinder vor den bombardierenden Flugzeugen in Syrien oder auch die Schrecken der Flucht. Sehr realistisch und in keinster Weise beschönigend schreibt die Autorin aus der Sicht der Kinder, weshalb auch nicht von Verletzten oder Toten die Rede ist, sondern von Menschen, die nicht mehr aufgestanden sind.

Vor dem Hintergrund der Millionen Flüchtlinge, von denen jedes Kind schon in den Nachrichten gehört haben wird, ist das Kinderbuch hochaktuell und erklärt in einer kindgerechten Sprache auf verständliche Weise, was Flüchtlinge sind und warum sie ihr Heimatland verlassen. Am Ende findet sich noch ein Anhang mit Wörtern und kurzen Sätzen in arabischen Schriftzeichen sowie der korrekten Aussprache.

Kirsten Boie, Bestimmt wird alles gut, Klett Kinderbuch Verlag 2016, Hardcover, 48 Seiten, ISBN 978-3-95470-134-6, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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