Kriminalhauptkommissar Frank Quirin wird zu einer Leiche im Aachener Stadtwald gerufen. Die Tote weist Verletzungen am Hinterkopf, Nacken und Hals auf, die ihr mit einer Axt beigebracht wurden. Als er sieht, dass ihr auch die Haare abgeschnitten wurden, weist er seinen jungen Kollegen Benjamin Kämpfer, den alle nur Benny nennen, sofort an, die ebenfalls zum Ermittlerstab gehörende Charlotte Rumor, kurz Charly genannt, auf dem schnellsten Weg zum Tatort zu bringen. Charly kann zunächst nicht verstehen, warum Frank sie ausgerechnet aus ihrem Urlaub holen lässt. Allerdings ändert sich das schlagartig, als sie von Benny die näheren Einzelheiten erfährt. Im Gegensatz zu ihrem neuen Kollegen weiß sie von drei weiteren Morden an Frauen, die in den vergangenen fünf Jahren verübt wurden. Auch sie wurden alle mit einer Axt erschlagen und ihnen wurden die Haare abgeschnitten.

Die erste Tote, eine Schwester des Kinderarztes Chris Danner, fand man im Haus von Hans Löhrmann. Beide gehörten einer Amateurtheatergruppe an. Die zweite Tote, Chris Danners Geliebte, fand Miranda Zerbitzky, die ebenfalls dem Ensemble angehörte, im Proberaum. Für die Ermittler Frank, Charly und Mick, alias Michael Harting, grenzte das den Täterkreis auf die Theatergruppe ein. Mit der dritten Ermordeten hatte der Kinderarzt ebenfalls ein Verhältnis. Doch da er für diese Tatzeit im Gegensatz zu den anderen beiden ein Alibi vorweisen konnte, kam er zumindest nicht für alle drei Morde als Verdächtiger infrage. Außerdem verschwand am Mordtag vor drei Jahren eine seiner beiden Nichten, die dreizehnjährige Nellie. Seit dieser Zeit plagen Charly Schatten der Schuld, denn sie hat gelogen. Niemandem hat sie bisher ihr Geheimnis anvertraut, was sie schwer belastet.

Durch den neuen Todesfall sind die ungeklärten Fälle wieder präsent. Obwohl auch hier eine Axt das Mordwerkzeug war und die Haare des Opfers abgetrennt wurden, ist fraglich, in welcher Beziehung die Tote, deren Identität ungeklärt ist, zur inzwischen aufgelösten Theatergruppe steht, der neben Chris Danner, Hans Löhrmann und Miranda Zerbitzky auch noch ihr Mann Frederik und Danners Nichte Alexa angehörten. Der Fall nimmt immer neue Entwicklungen, doch werfen neue Erkenntnisse nur noch weitere Fragen auf.

In der Regel beschränken sich Kriminalromane auf einen aktuellen Fall, wobei ältere Delikte allenfalls eine notwendige Erwähnung finden. Petra Johann räumt jedoch jedem der drei vorangegangenen Morde einen breiten Raum ein. Ihr flüssiger und sehr bildhafter Schreibstil erzeugt beim Leser das Gefühl, als wäre er bei allen Vernehmungen quasi als Zuschauer dabei. Die Autorin verzichtet auf Angst einflößende Szenen, beschreibt keine grausamen Details und kommt ohne Action aus, kann aber dennoch mit dem Krimi Schatten der Schuld einen hoch spannenden Roman vorweisen.

Etwa ab der Mitte des Buches laufen verschiedene Fäden zusammen, womit zwar einige Fragen gelöst sind, andere jedoch erst aufgeworfen werden, was den Leser immer wieder aufs Neue auf den Fortgang der Handlung neugierig macht. Er kann sich ebenso in die schwierige Situation von Charly hineinversetzen, die seit Jahren niemandem ihre Lüge gestehen wollte, wie in das aufbrausende Temperament von Mick. Die Charaktere der Protagonisten sind auf ihre Art alle besonders und einzigartig. Petra Johann seziert sie regelrecht, was einer Charakterstudie gleichkommt. Der vielschichtige, äußerst ausgeklügelte und raffinierte Plot sorgt stets für neue Erkenntnisse, die nicht nur die Ermittler, sondern auch den Leser verblüffen.

Petra Johann, Schatten der Schuld, Blanvalet Verlag 2015, Taschenbuch, 544 Seiten, ISBN 978-3-7341-0203-5, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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