Der unter dem Decknamen „Ameise“ agierende Anatolij Sorokin vom Sondereinsatzkommandos in Leipzig erhält den Auftrag, einen Mann in Zadar aufzuspüren, der einen terroristischen Anschlag mit einem Boden-Luft-Lenkwaffensystem in Sachsen planen soll. Durch die Zusammenarbeit von NSA und BND ist lediglich sein Deckname „Pilot“ bekannt. Sorokin soll sich von seiner Frau und seinen drei Kindern begleiten lassen, damit der Auftrag wie eine Urlaubsreise aussieht, den er seiner Familie natürlich verschweigen muss. An seinem vermeintlichen Urlaubsort erfährt die Ameise, dass es sich bei dem Gesuchten um Todor Coric handelt, der vor zwanzig Jahren als 9-Jähriger von dem serbischen Soldaten Stokan Vujasinović verschleppt wurde, nachdem seine Eltern bei einem Luftangriff der NATO in Udbina ums Leben kamen. Stokan, dem unzählige Morde an Bosniaken und Kroaten sowie begangene Kriegsverbrechen in Srebrenica nachgewiesen werden, hat Todor seitdem für seine Ziele benutzt und ihn zu einem skrupellosen Mörder geformt. Noch ahnt Sorokin nicht, dass sein blinder Sohn Fedor, der sich dank Klicksonar, einer Form der menschlichen Echoortung, weitgehend frei bewegen kann, bereits auf dem Flug von Leipzig nach Zadar neben Stokan gesessen hat.

Während Sorokin am Mittelmeer um das Leben seiner Familie bangt und ausgerechnet von seinem fünfzehnjährigen, cleveren Sohn Fedor Unterstützung erfährt, werden sein Freund Hans Rattner und dessen Kollege Paul Meisner von der Leipziger Mordkommission zu einer Leiche gerufen. Kristina Krajic gesteht die Tat, die sie in Notwehr begangen haben will. Durch ihre Aussage, dass sie bereits seit achtzehn Jahren auf der Suche nach Todor und Stokan ist, sieht Rattner eine Verbindung zu Sorokins Auftrag in Zadar. Kristina hat mit Todor als Kind gespielt, der ihren Bruder getötet hat, weil der plötzlich ein faschistischer Kroate sein sollte. Unterdessen bereiten Goran Micic, dem stellvertretenden Chef der Mordkommission in Zadar, mehrere Tote sowie verschwundene Kinder Sorgen und Sorokin ist verzweifelt bemüht, seine Verfolger abzuschütteln und seine Familie zu schützen.

Schauplatz des letzten Teils Auf Wiedersehen, Bastard! – Showdown in Kroatien einer Trilogie von Tino Hemmann ist das ehemalige Jugoslawien, in dem 1989 die Teilrepubliken nach Unabhängigkeit strebten und wo ehemals friedlich nebeneinander lebende Volksgruppen zu Feinden wurden. Am Beispiel des kleinen Todor, der überhaupt nicht versteht, was an seinen Nachbarskindern plötzlich anders sein soll und der die schrecklichen Bilder vom Tod seiner Eltern auch noch als Erwachsener nicht aus seinem Gedächtnis löschen kann, erklärt Tino Hemman, wie Hass geschürt wird. Er hat ausgezeichnete Recherchen über das Lenkwaffensystem MANPADS und das Klicksonar betrieben, gibt Einblick in die politischen Strukturen, wobei die erwähnte Rechtsnationale Front Serbiens tatsächlich existiert und auch die Bombardierung des Flughafens Udbina am 21.11.1994 durch die NATO hat stattgefunden.

Von den Herausforderungen des Protagonisten Anatolij Sorokin als Familienvater erfährt der Leser erst in diesem letzten, in sich abgeschlossenen Band. Der Autor bedient sich eines besonderen stilistischen Mittels, bei dem er aus einer anderen Perspektive quasi ein vorhergehendes Kapitel in einem neuen aufgreift und fortsetzt. Außerdem konfrontiert er den Leser mit einer ungeschminkten Wahrheit, was die Rohheit in einem Krieg betrifft, wo Väter mit dem Tod ihrer Familie erpresst werden und ein Menschenleben nichts mehr zählt. Wer Auf Wiedersehen, Bastard! – Showdown in Kroatien liest, wird hoffen, dass sich die Tragödie beim Zerfall des ehemaligen Jugoslawien nicht im aktuellen ukrainischen Konflikt wiederholt. Dem Leser, der zu Beginn des Romans glaubt, es mit zu vielen Zufällen zu tun zu haben, sei gesagt, dass Tino Hemmann noch zum Schluss mit einer Überraschung aufwartet, denn dieser Band ist wie die von ihm geschaffene Figur des Fedor einfach genial.

Tino Hemmann,Auf Wiedersehen, Bastard! – Showdown in Kroatien, Engelsdorfer Verlag 2014, Taschenbuch, 390 Seiten, ISBN 978-3-95488751-4, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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