Der ehemalige Angehörige einer russischen Spezialeinheit, Anatolij Sorokin, der inzwischen einem Sondereinsatzkommando in Leipzig angehört, reist mit seinem Sohn Fedor als Tourist nach Moskau. Fedor kam vor vierzehn Jahren in Russland blind zur Welt und Sorokin flüchtete damals mit dem Säugling vor dem Geheimdienst, der zuvor seine Frau ermordet hat. Vater und Sohn wollen in Moskau Jekaterina Ruslanowna Wolkowa treffen, die vom Präsidentenberater Boris Jewgenij Jerchow durch einen Unfall in betrunkenem Zustand früh zur Witwe gemacht wurde. Ihr Schweigen erkauft er sich mit monatlichen Zahlungen. Seit drei Monaten sind die jedoch überfällig und Jekaterina weiß nicht mehr, wovon sie die Miete zahlen soll. Sie will der Presse vom Unfalltod ihres Mannes berichten. Doch Boris Jerchow hat das längst in Erfahrung gebracht und lässt ihr Wohnhaus durch Daniel Leopidowitsch Schestakow und Olga Antonowna Nowikowa vom Geheimdienst beschatten. Unglücklicherweise nähern sich in diesem Moment Anatolij Sorokin und Fedor dem Haus. Sie fallen den beiden Geheimdienstlern auf und der blinde Junge wird von ihnen verschleppt. Er landet in einem Kinderheim, in dem ihm auf übelste Weise mitgespielt wird. Um seinen Sohn wieder zu finden, wendet sich Sorokin an seinen treuen Freund Alexander Komsomolzev vom Inlandsgeheimdienst und dessen Kollegen Alexej Borjenka Kasakow. Sie müssen einen Weg finden, womit sie Jerchow erpressen können, der nicht nur den tödlichen Verkehrsunfall verschuldet hat, sondern auch noch in Machenschaften um ein Platin-Projekt verwickelt ist, bei dem der Russischen Föderation Milliarden Rubel verloren gingen. Möglich wäre die Geiselnahme seiner Ehefrau Olga, seines Sohnes Ignatij oder die des zur Familie gehörenden Konstantin Bobrow, zu dem sich Jerchow hingezogen fühlt. Während Fedor im Erziehungsheim mit unmenschlicher Brutalität konfrontiert wird, stürzt sich Sorokin in einen verzweifelten Kampf, der viele Menschenleben fordert.

Der zweite Band der Trilogie Auf Wiedersehen, Bastard! – Die Stimmen von Moskau von Tino Hemmann beginnt zwar mit einer kurzen Aufarbeitung des ersten Teils, ist aber dennoch in sich abgeschlossen. Etwas verwirrend mögen auf den Leser nicht nur die zahlreichen russischen Namen, sondern auch die erwähnten Geheimdienste mit ihren Abkürzungen wirken: Da gibt es die FSB, die offiziell eine Agentur für Sicherheit sein soll, mit ihrer Sonderabteilung URPO, die wiederum Beziehungen zur KNP, der Roten Nationalistischen Front, haben soll. Anfangs war sie eine rechte Oppositionspartei und heute soll sie eines der radikalsten Verbrechersyndikate im Großraum Moskau sein.

In dem Thriller geht es um Korruption, Erpressung, Verrat und den Filz, in den viele Menschen aus Angst, selbst erpresst zu werden, verwickelt sind. Menschen werden benutzt und ihr Tod billigend in Kauf genommen. Tino Hemmann muss sich sehr intensiv mit dem Klicksonar für Blinde, einer menschlichen Echoortung, auseinandergesetzt haben, um sich so gut in die jeweilige Situation des blinden Fedor hineinversetzen zu können und das im Buch zu verarbeiten. Der Autor erinnert an die Kinder in staatlichen russischen Erziehungsheimen, die keinerlei Rechte besitzen und an das Massaker von Sochumi, als während des Bürgerkriegs am 27.9.1993 über 7000 Menschen bestialisch gefoltert und hingerichtet wurden. Der Leser erfährt durch den Thriller Auf Wiedersehen, Bastard! – Die Stimmen von Moskau einiges über das Land Russland, das aktuell die Tagesthemen beschäftigt und in dem Schwule nicht toleriert werden sowie über die Verflechtungen der Geheimdienste, für deren Überwachung wieder andere spezielle Einheiten nötig sind, die direkt dem Präsidenten unterstellt sind. Wie im ersten Band schließt Tino Hemmann den spannenden Roman mit einer kleinen Sentimentalität, die dem Leser Tränen der Rührung in die Augen drückt.

Tino Hemmann, Auf Wiedersehen, Bastard! – Die Stimmen von Moskau, Engelsdorfer Verlag 2013, Taschenbuch, 366 Seiten, ISBN 978-3-95488-444-5, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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