Der Journalist Paul hat den Auftrag, einen Bericht über den jüdischen Amerikaner Daniel Pearl zu schreiben, der von Mitgliedern der Al Qaida enthauptet wurde. Die Suche führt Paul, der in der arabischen Welt Safiy al Din oder Boulos genannt wird, zu einem geheimen Camp in die Berge Pakistans, wo Kinder zu Soldaten ausgebildet werden. Dass sich Paul für den vierzehnjährigen Jungen Haydar in dem Camp interessiert, macht den pakistanischen Geheimdienstler Zaim, den Leiter des Camps, skeptisch, denn er hält Paul für einen Spion. Schließlich kann Paul ihn jedoch vom Gegenteil überzeugen und er darf bleiben.

Bei seinem richtigen Namen Elias darf Paul den Jungen nicht nennen. Zaim hätte ihm den Namen Haydar gegeben, als der sich dem erst Dreijährigen in Afghanistan annahm. Für ihn zählt sein Gewehr mehr als sein Leben. Nur allmählich und mit viel Fingerspitzengefühl gelingt es Paul, Haydar etwas über seine Vergangenheit zu entlocken. Als kleines Kind muss ihm etwas Fürchterliches zugestoßen sein und auch in jüngster Vergangenheit hat er im Camp ein traumatisches Erlebnis erfahren. Als sich hoher Besuch im Camp ansagt, belauscht Haydar ein Gespräch und begibt sich mit Paul auf eine spektakuläre und gefahrvolle Flucht.

Die von Krisen geschüttelte arabische Welt ist Schauplatz des Polit-Thrillers Und weil die Stunde kommt von Tino Hemmann. Er beginnt mit einer Zeitungsmeldung, die der Leser noch nicht zuordnen kann und die erst am Ende des Buches einen Sinn ergibt. In Rückblicken erfährt der Leser, wie die Familie des kleinen Elias von einer sowjetischen Rakete ausgelöscht und wie er im Camp zum Töten gezwungen wurde. Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und macht betroffen. Bei der Flucht der Protagonisten, die nach Islamabad in Pakistan und nach Delhi in Indien führt, hat der Leser das Gefühl dabei zu sein, so anschaulich beschreibt der Autor die Szenen. Auch wenn die Figuren fiktiv sind, suggeriert die erschreckend realistisch wirkende Flucht doch einen wahren Hintergrund. Eine kleine Verschnaufpause verschafft Tino Hemman dem Leser mit den neugierigen Fragen von Haydar, als dieser zum ersten Mal im Leben Dinge zu sehen bekommt, die fast jedem aus dem alltäglichen Leben bekannt sind, wie beispielsweise eine Wasserleitung oder einen Fahrstuhl.

Der Autor weist darauf hin, dass der Zerfall der Sowjetunion in dem 1979 begonnenen Afghanistan-Krieg seinen Ursprung hat und dass die Amerikaner erst die Taliban unterstützt, sie aber später bekämpft haben. Überhaupt stellt Tino Hemmann die Rolle der Amerikaner bezüglich ihrer Einmischungen infrage. Bei der Rahmenhandlung hat er sich an die Geschichtsschreibung gehalten. Mit dem Schicksal des Jungen Elias will er an die vielen tausend durch die Armeen der ehemaligen Sowjetunion sowie der USA getöteten Zivilisten im Afghanistan- und Irak-Krieg erinnern und bringt dem Leser die Welt des Islam und der Moslems näher, die vielen Menschen unbekannt ist. Dabei räumt er auch mit einer falschen Übersetzung des Begriffs „heiliger Krieg“ aus dem Koran auf. Es wäre wünschenswert, wenn ein Produzent auf den Polit-Thriller Und weil die Stunde kommt aufmerksam wird und den spannenden Plot verfilmt, um ihn einem breiten Publikum zu präsentieren.

Tino Hemmann, Und weil die Stunde kommt, Engelsdorfer Verlag 2007, Broschur, 335 Seiten, ISBN 978-3-86703-177-6, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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