Wir können unsere Gene steuern! von Isabelle M. Mansuy, Jean-Michel Gurret und Alix Lefief-Delcourt

Wir können unsere Gene steuern!In ihrem Buch „Wir können unsere Gene steuern!“ erklären Isabelle M. Mansuy, Jean-Michel Gurret und Alix Lefief-Delcourt, dass wir Menschen nicht allein durch den Gencode begründet sind, denn neben den erworbenen Eigenschaften des Genoms spielt der epigenetische Code eine Rolle. Den Forschern drängte sich die Frage auf, wieso die verschiedensten Körperzellen dieselbe DNA, den Träger der genetischen Information, haben können, obwohl sie völlig andere Funktionen ausführen. An Beispielen aus der Tierwelt machen sie deutlich, wie das möglich ist. Weiter führen sie aus, welche Folgen es für die Nachkommen hat, wenn die Vorfahren extremem Stress ausgesetzt waren, Traumata durchleben oder Hungerleiden mussten beziehungsweise sich nur unzureichend ernähren konnten. Zudem weisen sie unter anderem auf die Einflussnahme auf den epigenetischen Code von in Babyfläschchen enthaltenen Giften sowie die mütterliche Ernährung während der fötalen und postnatalen Phase.

Eine Studie hat sich mit der spannenden Frage beschäftigt, ob eine in der Vergangenheit ausgelöste negative Erfahrung durch eine positive korrigiert wird und eventuell die Nachkommen davon profitieren können, was für die Überlebenden des Holocaust und des Völkermordes in Ruanda sowie der nächsten Generationen von Bedeutung ist. Bereits in der Einleitung wird darauf verwiesen, dass das Epigenom korrigierbar ist, denn „Wir können unsere Gene steuern!“, sie können durch bestimmte Faktoren exprimiert werden.

So gut es Laien verständlich gemacht werden kann, wird in dem Sachbuch der hochkomplexe Kondensationszustand der DNA erklärt und wie von der Transkription des DNA-Codes eine Kopie in den Boten-RNA-Code gefertigt wird, ein Vermittler epigenetischer Erblichkeit, was letztlich die Bildung eines Proteins zum Ziel hat. Eingehende Forschungen über die Auswirkungen diverser Traumata stehen noch aus und viele Fragen bleiben offen. Doch berichten die Autoren von positiven Effekten anhand durchgeführter Versuche mit Mäusen. Sie stellen kuriose und verblüffende Forschungsergebnisse vor, die geradezu widersprüchlich sind. Nach ihrem Verständnis gehört der Epigenetik die Zukunft und sie erwarten bahnbrechende Erkenntnisse im Verständnis des Evolutionsprozesses.

Zum Schluss geben die Autoren praktische Tipps zur Umsetzung und Verbesserung des Epigenoms, wobei sie empfohlene Lebensmittel aufführen, die direkt auf die Expression bestimmter Gene einwirken und verweisen auf die Bedeutung sozialer Kontakte, sportlicher Betätigung und sogar auf den musikalischen Einfluss hin. Erst im Anhang werden die Anfänge der Molekularbiologie und die Mendel’schen Gesetze ausführlicher betrachtet, was sich gut als Einstieg in die Materie geeignet hätte. Einige Schaubilder veranschaulichen den komplexen Stoff. Doch wer wirklich mehr über dieses hochinteressante und wichtige Fachgebiet der Biologie wissen will, der wird das Sachbuch, an dem Prof. Dr. Isabelle M. Mansuy als Koryphäe ihres Gebietes mitgewirkt hat, mit großem Interesse lesen und vermutlich auch Konsequenzen daraus ziehen.

Wir können unsere Gene steuern! von Jean-Michel Gurret, Alix Lefief-Delcourt und Isabelle M. Mansuy

Wir können unsere Gene steuern!
Berlin Verlag 2020
Hardcover mit Schutzumschlag
240 Seiten
ISBN 978-3-8270-1411-5

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Bildquelle: Berlin Verlag


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