Die Schüler sitzen konzentriert an ihren Arbeitstischen, zeigen ein überdurchschnittliches Sozialverhalten, sind lernwillig und wissbegierig und freuen sich auf den Schulalltag. Inge Rösl weiß, dass diese Vorstellung nicht einer Fantasie entspringt, sondern durchaus Realität sein kann. In dem Buch Schnupperpraktikum – Mein erstes Jahr als Schulhund lässt sie ihre Boxerhündin Aina zu Wort kommen, die als Schulhund in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin Fanny schlüpfen soll.

Mit gerade zehn Wochen beginnt für Aina das Schnupperpraktikum an der Schule. Jeden Freitag nimmt ihr Frauchen sie und die Hündin Fanny, die ihr viel beibringen muss, mit in die Schule . Denn sie darf die Kinder nicht beißen, nicht an ihnen hochspringen, darf sie nicht umwerfen und nur draußen pinkeln. Außerdem muss sie lernen, sich ruhig zu verhalten, wenn die Kinder lesen lernen sollen und sie darf nicht sofort nach Leckereien schnappen, sondern muss geduldig warten können. Wenn Aina ein Schulhund werden will, muss sie ebenfalls Hefte einsammeln können, darf bei lautem Gebrüll der Kinder nicht erschrecken und muss auch bei unbekannten Geräuschen die Ruhe bewahren. Das „bei Fuß gehen“ muss sie natürlich auch perfekt beherrschen!

Nachdem Funny als erster Schulhund von Bayern nach sechs Schulhundjahren von der Schulleitung verabschiedet wurde, wird die stolze Aina schließlich nach einem erfolgreich abgeschlossenen einjährigen Praktikum als Schulhund eingestellt.

Das Buch Schnupperpraktikum – Mein erstes Jahr als Schulhund zieht den Leser bereits nach wenigen Seiten in seinen Bann. In Tagebuchform schreibt Inge Rösl aus der Sicht ihres Hundes über den Schulalltag. So erzählt Aina in der Ich-Form, was auf den Leser äußerst amüsant wirkt. Die verkleideten Kinder zu Karneval wirken auf Aina wie Monster und anfangs kann sie den Sinn vieler Übungen nicht einordnen. In den Fällen „erklärt“ ihr Fanny die Bedeutung und tatsächlich war das auch die Intention der Autorin, dass nämlich allein durch passive Beobachtung Junghunde ausgebildet werden können. Der Psychologe Erhard Olbrich hat die Mensch-Tier-Beziehung erforscht, wonach die nonverbale Kommunikation erstaunlicherweise unsere Sprache oftmals ersetzen kann. Die Autorin hat das Buch mit zahlreichen Bildern aus ihrem Schulalltag ausgestattet, die die Liebe der Kinder zu den Tieren dokumentieren. Sie selbst hat einen Arbeitskreis Schulhunde in Bayern gegründet und hofft, dass viele Lehrkräfte durch das Buch einen Denkanstoß bekommen, ebenfalls Schulhunde einzusetzen. Immerhin gibt es über ganz Deutschland verteilt Schulen, die damit gute Erfahrungen gemacht haben und es wäre sicher der Wunsch vieler Eltern, wenn ihre Kinder am Wochenende kaum noch abwarten können, dass am Montag die Schule wieder beginnt.

Inge Rösl, Schnupperpraktikum – Mein erstes Jahr als Schulhund, Engelsdorfer Verlag 2011, Hardcover, 174 Seiten, ISBN 978-3-86268-455-7, Preis: 16,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Als ich dieses Buch für meine Projektarbeit gekauft habe, konnte ich nicht mehr aufhören es zu lesen. Ein großes Lob, es hat mir sehr geholfen.

    Viele liebe Grüße Jennifer

  2. Hallo Jennifer, welches Projekt hast du denn durchgeführt? Obwohl ich selbst keinen Hund habe, war ich von dem Buch auch sehr angetan und finde es sehr bedauerlich, dass offensichtlich so selten davon Gebrauch gemacht wird. Viele Pädagogen wissen über das Thema wahrscheinlich nichts. Dir weiterhin viel Erfolg!

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