Der Anteil an Menschen in einer Bevölkerung, die an Epilepsie leiden, wird in verschiedenen Quellen differenziert angegeben. Weltweit schätzt man, dass vier bis zehn von 1.000 Menschen daran erkranken. Die Universität in Münster rechnet allein für Deutschland mit jährlich über 30.000 Neuerkrankungen. Damit ist die Epilepsie die häufigste chronisch verlaufende Nervenkrankheit im Kindes- und Jugendalter.

Ines Preußer hat als betroffene Epileptikerin ihre eigenen Erfahrungen in dem Buch Mein Leben mit Epilepsie für Leidensgenossen niedergeschrieben, um ihnen Mut zu machen. Nach einer kurzen Einleitung zur Definition der Epilepsie, ihren Ursachen und Auslösern, setzt sie mit ihrem eigenen Werdegang in der Kindheit an. Durch viele Verbote fühlte sie sich stets ausgegrenzt, denn was für ihre Freunde selbstverständlich war, wurde ihr untersagt. Sie spricht die Themen Reisen und Sport an, listet die Vorteile eines Behindertenausweises auf und geht auch auf den Umgang mit Ämtern und Versicherungen ein.

Für Ines Preußer stellte sich eines Tages die Frage nach einer Operation, die bestenfalls eine Anfallsfreiheit zum Ziel haben kann, aber natürlich auch viele Risiken in sich birgt. So nennt die Autorin die medizinischen Voraussetzungen, die gegeben sein müssen. Dazu sind umfangreiche Voruntersuchungen nötig, um den exakten Sitz des epileptischen Anfallherdes zu bestimmen. Für sie war es selbstverständlich, vor ihrer Operation eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht auszufüllen. Ausführlich beschreibt sie, wie es ihr in den Tagen nach dem Eingriff ging und über die sich daran anschließende Kur. Keine Anfälle mehr zu haben, war für sie völlig neu und sie durfte endlich auch einen Führerschein machen. Wiederholt dankt sie ihrer Familie, allen Ärzten und dem Operations-Team für die gewährte Unterstützung. Ihr Leben nimmt sie nun viel bewusster wahr und ihr Lebensmotto lautet: Positiv denken!

Dem Leser, der Mein Leben mit Epilepsie in Händen hält, sticht sofort die aufwändige, schöne Gestaltung des Buches ins Auge, das auf Hochglanzpapier gedruckt ist. Der Erfahrungsbericht der Autorin ist leicht verständlich. Im Anhang listet sie alle Medikamente auf, die sie seit ihrer ersten Anfallsattacke nach einer Pockenimpfung 1969 eingenommen hat. Sie lässt Fachbegriffe klärend folgen und nennt wichtige Adressen. Lediglich eine kleine sprachlich nicht exakte Formulierung ist anzumerken: Durch eine Fruchtwasseruntersuchung lässt sich ein Fehlbildungsrisiko nicht vermindern, sondern lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Fehlbildung kommt, wenn die Frau nach entsprechendem Befund einer Abtreibung zustimmt. Für alle Epileptiker, die oft deprimiert und niedergeschlagen sind, ist das Buch aufgrund der vielen wertvollen Tipps zu empfehlen und es bleibt zu hoffen, dass Ines Preußer ihnen mit Mein Leben mit Epilepsie neuen Mut machen kann!

Ines Preußer, Mein Leben mit Epilepsie, Deutscher Medizin Verlag 2010, Broschiert, 80 Seiten, ISBN 978-3-936525-51-9, Preis: 12,50 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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