Drei Farben: Gold – Aurelia von Lizbeth Khiel

Drei Farben: Gold - AureliaLizbeth Khiel verarbeitet in ihrem Buch Drei Farben: Gold – Aurelia den Tod ihrer Tochter Aurelia. Es ist ihre dritte Schwangerschaft und bereits ab dem vierten Monat hat sie jede Woche denselben Traum, der nichts Gutes verheißt. Obwohl ihr Gynäkologe mit dem Verlauf der Schwangerschaft zufrieden ist, fürchtet Lizbeth, dass ihre Tochter nicht gesund sein wird. In der sechsunddreißigsten Woche stürzt sie direkt auf ihren Bauch. Da sich das Kind plötzlich nicht mehr bewegt, fährt sie mit ihrem Mann ins Krankenhaus und fordert eine sofortige Ultraschallaufnahme. Doch eine unerfahrene Hebamme sieht nicht die Notwendigkeit und es vergehen wertvolle Minuten. Erst als endlich eine Ärztin hinzugezogen wird, stellt diese anhand der Ultraschallaufnahmen fest, dass das Baby klinisch tot ist. In erster Linie geht es zu diesem Zeitpunkt darum, die Mutter zu retten, die innerlich zu verbluten droht, da sich die Plazenta bereits ablöst. Eine Notoperation wird in die Wege geleitet.

Nachdem die kleine Aurelia reanimiert wurde und Lizbeth aus der Narkose erwacht, kämpft sie darum, wenigstens einen Blick auf ihr Kind im Brutkasten werfen zu dürfen. Nur zwei Minuten sind ihr vergönnt. Am nächsten Morgen wird sie mit der Nachricht konfrontiert, dass ihr Kind verstorben ist. Sie selbst muss noch zweimal notoperiert werden. Stark geschwächt und auf eigene Verantwortung nimmt sie an der Beerdigung teil. Ein Jahr später stellt sich für Lizbeth die Frage nach einer weiteren Schwangerschaft. Kann sie das durchstehen?

Lizbeth Khiel verrät dem Leser weder den Ort, in dem sich das zugetragen hat, noch den Zeitpunkt. Sie beschreibt nicht nur den immer wiederkehrenden Traum während der Schwangerschaft ausführlich, sondern auch drei weitere Träume, deren Bedeutungen sie erst später verstanden hätte. Es zeugt von erstaunlich viel Selbstbewusstsein, wie sie direkt nach der Notoperation mit einer Ärztin gesprochen und ihr obendrein Konsequenzen angedroht hat, zumal sie von ihrem Mann nicht unterstützt wurde. Sie beschreibt detailliert, wie sie ihr totes Baby nach der Obduktion gesehen hat. Denn obwohl die Kleine vollständig bekleidet war, hatte sie sogar stümperhaft versorgte Nähte im Gesicht.

Die Autorin vergleicht eine Narkose mit einer Periduralanästhesie bei einem Kaiserschnitt, wobei sie allerdings nur die Abkürzung PDA gebraucht. Dass viele Menschen diese fälschlicherweise als Rückenmarkspritze bezeichnen, hat sie wie auch die intrauterine Asphyxie nicht erklärt, womit eine Unterversorgung des Fötus mit Sauerstoff gemeint ist. In ihrem Buch Drei Farben: Gold – Aurelia geht Lizbeth Khiel der Frage nach, wem eine Entschädigung auf dem Klageweg nutzen sollte, sie gibt Gespräche sowie eigene Gedanken wieder und führt eine interessante Umfrage durch, deren Ergebnisse sie präsentiert. Sie zitiert Stellen aus der Bibel und philosophiert ausschweifend über die Texte, was viele, zu viele Seiten in dem Buch füllt. Aber jedem Leser ist es freigestellt, diese Passagen zu überspringen, denn alles andere ist realistisch und einfühlsam geschrieben. Von wem die im Buch enthaltenen Zeichnungen angefertigt wurden, bei denen es sich häufig um Kinderzeichnungen handelt, kann nur vermutet werden. Das selbe gilt für die Gedichte, die zum Teil in englischer Sprache verfasst sind. Allen Eltern, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist, kann das Buch eine Stütze und Hilfe sein, denn es zeigt zumindest auf, was der Autorin in den schweren Stunden geholfen hat.

Lizbeth Khiel, Drei Farben: Gold – Aurelia , Shaker Media 2015, Broschur, 347 Seiten, ISBN 978-3-95631-362-2, Preis: 21,90 Euro.

Bildquelle: amazon.de

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