Radio Girls von Sarah-Jane Stratford

Radio GirlsIm Jahr 1922 wurde die British Broadcasting Corporation, vielen nur unter der Abkürzung BBC bekannt, von John Reith gegründet. In dem Roman von Sarah-Jane Stratford will die während des Krieges als Krankenschwester tätig gewesene Maisie Musgrave unbedingt eine der „Radiogirls“ im Savoy Hill House werden. Sie bewirbt sich als Sekretärin und soll Miss Shields unterstützen, die dem Generaldirektor Mr. Reith zuarbeitet. Es überrascht Maisie, dass der Radiosender eine Frau, Programmdirektorin der Vortragsabteilung Miss Hilda Matheson, in leitender Position beschäftigt. Schon nach kurzer Zeit erkennt diese die Qualitäten der neuen Mitarbeiterin und ist ihr wohl gesonnen. Maisie freundet sich mit ihren Kolleginnen Phyllida und Beanie an, die für das britische Unterhaus tätige Lady Nancy Astor ist ihr Vorbild und sie folgt einer ersten Einladung ihres charmanten Kollegen Cyril Underwood. Voller Stolz geht sie gewissenhaft ihrer Arbeit nach und ist jeden Tag aufs Neue von der flirrenden Welt in den Räumen der BBC fasziniert, wo das Radio noch in den „Kinderschuhen“ steckt.

Durch Zufall erfährt Maisie von einem im Besitz von Hilda befindlichen Flugblatt, das für deutsche Industrielle bestimmt ist. Sie spricht Hilda, für die sie inzwischen mehr Verantwortung in der Vortragsabteilung übernimmt, auf die geheime Verschwörung an und informiert sich über die Konsequenzen, die von dem propagandistischen Flugblatt ausgehen. So kommt sie einer Gruppe von Faschisten auf die Spur und verschafft sich unbefugten Zugang zu deren Büroräumen. Der Journalist Simon Brock-Morland macht ihr unterdessen den Hof und möchte Maisie von Dingen fernhalten, aus denen sie sich besser heraushält. Doch sie trifft zusammen mit Hilda und Unterstützung von Phyllida und Beanie eine folgenschwere Entscheidung: Die Verschwörung, die eine Einschränkung der Pressefreiheit zur Folge haben würde, muss öffentlich gemacht werden.

Der Roman „Radiogirls“ beschreibt den Aufstieg des Radiosenders BBC in den Jahren 1926 bis 1932, wobei Sarah-Jane Stratford umfangreiche Recherchen an Originalschauplätzen betreiben durfte. Um größtmögliche Authentizität bemüht, ist der Gründer John Reith in ihrem Roman der Generaldirektor. Die mehrfach erwähnte Lady Nancy Astor war das erste weibliche Parlamentsmitglied, die sich unter anderem für das allgemeine Frauenwahlrecht und die Gleichstellung der Frau stark gemacht hat. Hilda Matheson war eine echte Pionierin auf dem Gebiet der Hörfunkproduktion und bis zu ihrem Rücktritt im Jahr 1931 bei der BBC erste Gesprächsleiterin.

Die Protagonistin hat sich von einer „Maisie-Maus“, die nie eine Schule besucht hat, unter Hunger litt, gestopfte Strümpfe und mit Zeitungspapier ausgestopfte Schuhe trug, zu einer selbstbewussten Frau gemausert und bis zur Vortragsassistentin hochgearbeitet, weil für Hilda nicht nur der Besuch einer Schule zählte. Die Themen der „Radiogirls“ sind die Berufstätigkeit von Frauen und ihre Schulbildung, die Suche nach Interviewpartnern, Auswahl geeigneter Sendungen und entsprechende Rezensenten. Besondere Bedeutung haben sie dem Wahlrecht zugeschrieben, das in Großbritannien im Jahr 1928 für alle Frauen ab einem Alter von einundzwanzig Jahren eingeführt wurde, für das auch Millicent Garrett Fawcett und Emmeline Pankhurst gekämpft haben, der die Autorin in ihrem Roman ebenfalls ein Denkmal gesetzt hat. Der intelligente, hintergründige und mit sarkastischen Aussprüchen gespickte Roman ist ein Zeitzeugnis über die Anfänge der BBC und endet mit einer rasanten Flucht.

Radio Girls von Sarah-Jane Stratford

Radio Girls
btb Verlag 2020
Taschenbuch
512 Seiten
ISBN 978-3-442-71644-9

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Bildquelle: btb Verlag


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