Wolfsgier von Max Korn

WolfsgierUm die Ehe der Protagonisten des Thrillers Wolfsgier* von Max Korn ist es nicht gut bestellt, als diese mit einem Wohnmobil in den Urlaub Richtung Bayerischer Wald fahren. Erst vor einem halben Jahr haben sich der studierte Informatiker Simon und seine Ehefrau Maggie eine Eigentumswohnung gekauft, deren Abtragung sie kaum stemmen können. Denn obwohl Maggie als gelernte Fotografin mehr verdienen könnte, arbeitet sie in einem Fitnessstudio. Simon wird sich später Vorwürfe machen, das Thema Arbeit während der Fahrt in den Urlaub überhaupt angesprochen zu haben, denn in einem unaufmerksamen Moment nimmt er nur noch einen aus dem Unterholz herausschießenden Schatten wahr. Wie sich herausstellt, hat er einen Hund oder Wolf angefahren. Da weit und breit kein Haus zu sehen ist, aus dem ein Hund ausgerissen sein könnte, tippen sie eher auf einen Wolf.

Für Maggie zählt in diesem Moment nur der durch den Aufprall in Mitleidenschaft gezogene Scheinwerfer, da das Wohnmobil ihrem Bruder Lars gehört, der ihr nur sehr ungern das Fahrzeug überlassen hat. Aufgrund der abgeschiedenen Lage haben beide auf ihren Handys keinen Empfang und können so auch keine Meldung des Schadens machen. Simon beschließt bis zum nächsten Ort weiterzufahren. In Heindlsäge entdecken sie eine Werkstatt und sprechen den dort tätigen Mechaniker namens Otto an. Dieser stellt dem Paar in Aussicht, einen neuen Scheinwerfer binnen eines Tages zu besorgen. Nach einem Anruf bei der Polizei nehmen Polizeiobermeister Gruber und sein Kollege Hannes die Personalien des Ehepaares auf und bitten Simon daraufhin, mit ihnen an die Unfallstelle zu fahren. Allerdings bestehen sie darauf, dass Maggie bei Otto zurückbleibt, was weder ihr noch ihrem Ehemann gefällt.

Bis zu dieser Stelle geht es in dem Plot noch mit rechten Dingen zu, denn von ähnlichen Fällen wird wohl schon jeder gehört haben. Doch dann weicht Max Korn von der für ihn typischen „Geradlinigkeit“ ab und die Geschichte nimmt einen skurrilen Verlauf: Die beiden Polizisten, die Simon von Anfang an merkwürdig erschienen, präsentieren ihm im Straßengraben anstelle eines angefahrenen Hundes oder Wolfes eine tote, nackte Frau. Immerhin verhaften sie den verstörten Simon nicht sofort und wollen erst die weiteren Ermittlungen abwarten. Der Albtraum setzt sich für diesen fort, als er zurück in der Werkstatt seine Ehefrau vermisst. Skeptisch blickt Simon zu dem Mechaniker, der auf ihn vom ersten Moment an keinen seriösen Eindruck gemacht hat.

Eine absurde Szene wird von der nächsten abgelöst und Simon fragt sich an einem Punkt, weil ihm das Ganze zu verrückt erscheint, ob er in einem Computerspiel gefangen ist. Der fiktive, vom Autor gewählte Ort Heindlsäge hat keinen Bäcker, aber dafür eine Gastwirtschaft und beherbergt nur wenige, betagte Bewohner, die irgendwie alle unter einer Decke zu stecken scheinen. Auf der Suche nach seiner Frau steigt Simon zu einem Mann ins Auto, der ihn in Tschechien in einem Etablissement absetzt, wo Simon die Bekanntschaft von Lola macht, die ihm Interessantes zu berichten weiß. Im weiteren Handlungsverlauf chauffiert ihn die Ehefrau des Bürgermeisters, die für ihn eine weitere Überraschung bereithält. Auch wenn es sich bei Wolfsgier* um einen Thriller handelt, wirkt dieser stellenweise wie eine Komödie und vermag den Leser von den ersten Sätzen bis zum Ende an eine verschwörerische Geschichte um zutiefst dunkle, seelische Abgründe zu fesseln.

Wolfsgier von Max Korn

Wolfsgier
Heyne Verlag 2024
Klappenbroschur
320 Seiten
ISBN 978-3-453-44185-9

Bildquelle: Heyne Verlag


Teile diesen Beitrag